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Die Präsentation im Assessment Center

Ein Vortrag vor Beobachtern: Ein Bewerber präsentiert seine Ergebnisse im Rahmen des AC

©Fotolia / nd3000

Eine beliebte Übung im Assessment Center (AC): Sie sollen sich, Ihre Firma oder ein schwieriges Thema vor Zuschauern präsentieren. Die meisten Bewerber kennen diese Prüfungsform noch aus der Schule oder der Ausbildungs- bzw. Studienzeit. Worauf kommt es dem Personaler an und was wird eigentlich präsentiert? Die Antwort auf diese Fragen sowie konkrete Beispiele lesen Sie in diesem Beitrag.

Das Wichtigste in 15 Sekunden

  • Aufgabentyp: Einzelaufgabe
  • Methode: Gestaltung eines Kurzvortrags
  • Ziel: organisatorisch-analytische Fähigkeiten, sprachliche Sicherheit, Auftreten vor einer Gruppe
  • Dauer: Durchführung ca. 5-15 Minuten, Vorbereitung max. 3o-60 Minuten

Was ist eine Präsentation?

Neben Gruppendiskussionen und der Postkörbübung gehören Präsentationen zu den beliebtesten Übungen im deutschen Assessment Center. In Präsentationsübungen werden Teilnehmer gebeten, ein bestimmtes Thema oder vorgegebenes Material aufzubereiten, zu strukturieren und die Ergebnisse vor einer Gruppe vorzutragen. Die Präsentation fragt im Assessment Center verschiedene Skills ab: organisatorisch-analytische Fähigkeiten, Fachkenntnisse, sprachliche Sicherheit und das Auftreten vor einer Gruppe.

Präsentationsthemen im Assessment Center

Die Präsentation im AC ist ein bisschen wie ein Chamäleon: Grundsätzlich kann sie jedes Thema behandeln. Es kommt natürlich darauf an, welche Fähigkeiten in Bezug auf die ausgeschriebene Stelle gefragt sind. Das Themenspektrum kann von der eigenen Person über Verkaufsgespräche bis hin zum Halten einer Rede zu einem vorgegebenen Thema reichen, etwa zu einer Case Study, Überlegungen zur Reorganisation eines betriebsinternen Ablaufes oder zu einer neuen Organisation. Hier kann es sein, dass so genannte Rollenspieler eingeplant sind, die eine konträre Meinung vertreten, die Sie entkräften müssen.

Eine weitere Form der Präsentation ist das Zusammenfassen von Textmaterial. Hierbei achten die Personaler besonders darauf, wie Sie priorisieren und ob Sie die relevanten Informationen aus dem Text identifiziert haben.

Die reine Selbstpräsentation wird seltener als Präsentationsform genutzt. Im Bewerbungsgespräch werden Bewerber häufig dazu aufgefordert, ihren Lebenslauf z. B. ab dem Schulabschluss vorzustellen, inklusive Nachfragen der Beobachter und manchmal sogar auf Englisch. Als „Warm-up“ ist die Selbstpräsentation jedoch ein ganz guter Einstieg in die Assessment Center-Umgebung – das können Bewerber leicht im Vorfeld üben.

Profi-Tipp: Wenn Sie gebeten werden, sich selbst zu präsentieren, beten Sie nicht einfach nur Ihren Lebenslauf herunter. Betonen Sie, was Sie bei den jeweiligen Stationen für sich mitgenommen und gelernt haben. Wenn Sie dazu eine visuelle Präsentation aufbereiten sollen, wählen Sie eine Darstellung, die thematisch mit der ausgeschriebenen Stelle oder dem Unternehmen zusammenhängt. Sie bewerben sich bei einem Logistikunternehmen? Veranschaulichen Sie Ihren Werdegang doch in Form einer Straße. Die Kreuzungen und Straßenschilder sind Ihre beruflichen Stationen, zu denen Sie etwas erzählen. Das Ziel ist auch hier, sich von der Konkurrenz abzusetzen.

So gehen Sie an die Präsentation heran

Was wird eigentlich durch die Präsentation bewertet? In der Regel möchte der Personaler sowohl das Potenzial des Teilnehmers einschätzen, als auch das Wissen und die Routine von Präsentationstechniken abfragen. In der Präsentation sollen Sie eine Lösung unter Zeitdruck und mit wenigen Informationen herausarbeiten. Wie auch bei anderen AC-Übungen steht die sorgfältige Analyse der Anforderungen an erster Stelle. Um zu testen, ob Teilnehmer relevante Informationen herausfiltern und darstellen können, werden Bewerber in einigen Fällen beabsichtigt einer Informationsflut ausgesetzt. Benennen Sie deshalb am Anfang Ihrer Präsentation das Thema und erläutern Sie seine Wichtigkeit. Das Ziel der Präsentation sollte von Anfang an klar sein, um nicht den „roten Faden“ zu verlieren. Falls Sie zu einem Thema Vor- und Nachteile aufzeigen, scheuen Sie sich nicht eine Empfehlung oder eigene Bewertung abzugeben.

Ziel der Aufgabe ist das klare, zielorientierte Strukturieren der Präsentation und die Visualisierung unter Benutzung der vorhandenen Medien. Punkten können diejenigen, die sprachgewandt sind und in Kombination mit einem sicheren Auftreten glänzen (Mimik, Gestik, Geschwindigkeit der Sprache). Hierauf kommt es an:

  • Klare, zielorientierte Struktur der Präsentation/des Vortrags
  • Relevante Informationen heraufiltern und darstellen
  • Eindeutige Thesen und Standpunkte formulieren
  • Aufbau von folgerichtigen und schlüssigen Argumentationen
  • Einfache, modulierte, interessante und teilnehmerorientierte Sprache benutzen (Rhetorik)
  • Sicheres Auftreten/Körpersprache
  • Einsatz von Flipchart oder anderen Präsentationsmedien

Manchmal werden Sie zudem gebeten, Ihre Ergebnisse in Form eines Berichts zu verfassen. Hier können Sie unter Beweis stellen, dass Sie schwierige Inhalte so kurz und knapp, und dennoch verständlich und umfassend wie möglich zu Blatt bringen können. Das finale Handout übergeben die Teilnehmer anschließend an die Beobachter des Assessment Centers.

Beispiele von Präsentationsübungen

Beispiel 1

Sie bewerben sich um eine Position Ihrer Wahl, nach dem Motto: „Was Sie schon immer mal werden wollten“.
Sie haben fünf Minuten Vorbereitungszeit, eine Bewerbung hierfür zu entwerfen, in der Sie Ihre besonderen Merkmale für die anstrebte Position herausarbeiten. Stellen Sie sicher, dass Sie die von Ihnen angestrebte Position erreichen. Sie haben zwei Minuten Zeit sich zu präsentieren.
Sie haben einen Flipchart und Boardmarker sowie Moderationskarten und Kleber zur Verfügung.

Beispiel 2

An der Hochschule „XYZ“ findet jedes Jahr eine Firmenkontaktmesse statt, auf der sich Studierende über potenzielle Arbeitgeber informieren können. Unternehmen präsentieren sich dort vornehmlich an einem Messestand. Zusätzlich nutzen einige Unternehmen die Möglichkeit, im Rahmen eines Kurzvortrages im Audimax der Hochschule ihr Unternehmen Interessierten vorzustellen.
In Vertretung Ihres Vorgesetzten sind Sie kurzfristig gebeten worden, Ihr Unternehmen am Messestand zu repräsentieren. Da einige Unternehmen, die eine Präsentation halten wollten, nicht erschienen sind, kommt die Messeleitung auf Sie zu und bittet Sie, eine Präsentation über Ihr Unternehmen zu halten. Die Möglichkeit, die offizielle Unternehmenspräsentation zu halten, haben Sie nicht. Sie haben aber einen Overheadprojektor, Folien und Filzstifte zur Verfügung.
Sie haben fünf Minuten Zeit, die Vorzüge Ihres Unternehmens darzustellen und Studierende für einen Berufseinstieg in Ihrem Unternehmen zu interessieren. Stellen Sie die besonderen Merkmale Ihres Unternehmens heraus.

Beispiel 3

Vor sich sehen Sie zwei Bilder (z. B. Brille und Buch). Bitte wählen Sie spontan eines davon aus und äußern Sie eine Minute lang Ihre Gedanken zu diesem Objekt auf dem Bild.

(Vgl. Schuhmacher 2014)

Präsentation ≠ Vortrag

Achten Sie bei der Aufgabenstellung genau darauf, ob Sie eine Präsentation oder einen Vortrag ausarbeiten sollen. Denn es gibt kleine aber feine Unterschiede zwischen beiden Formen. Während bei der Präsentation die plakative Darstellung von Sachverhalten, die Überzeugungsfähigkeit für ein Thema und das schnelle Hineindenken in vorgegebene Situationen gefragt sind, liegt bei einem Vortrag der Fokus auf den Inhalten, die betont werden. Da der Inhalt bei einem Vortrag meist komplexer ist, haben Sie in der Regel auch eine längere Vorbereitungszeit. Als Faustregel gilt daher: Je detaillierter die Aufgaben gestellt sind, desto aufwendiger ist auch die Bearbeitung der Übung.

Fazit

Bei einer Präsentation bekommt der Bewerber ein Thema zugewiesen, zu dem er spontan eine Argumentation entwickeln muss. Ein kurzes Brainstorming hilft dabei, alle wichtigen Argumente zu sammeln, aufzuschreiben und eine logische Struktur hineinzubringen. Beschränken Sie sich dabei unbedingt auf die Hauptargumente, damit Sie den Zeitrahmen der Präsentation nicht sprengen. Beim Präsentieren ist der Einsatz einer guten Rhetorik sowie methodisches Wissen zum Präsentieren hilfreich. Gute Inspiration durch talentierte Redner erhält man z. B. durch so genannte „Ted Talks“ des Speaker-Portals TedX.

Profi-Tipp: Schaffen Sie zu Beginn der Präsentation einen spannenden Einstieg mithilfe eines Zitats. Verdeutlichen Sie daraufhin Ihre Argumente mit den Präsentationsmedien. Lassen Sie sich nicht durch Rückfragen verunsichern: Verständnisfragen sollten sofort beantwortet werden, Diskussionsfragen dürfen hintenangestellt werden. Beenden Sie Ihre Präsentation mit einem „Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!“ und einem Lächeln. So bilden Sie einen runden Abschluss Ihres Vortrags. Und bereiten Sie sich auf öffentliches Sprechen gut vor, denn: Übung macht den Meister! Dann wird auch Ihre Präsentation gelingen.

Text: Anna-Carina Kruse


Service-Info: Sie möchten AC-Profi werden? Dann ist es gut genau zu wissen, welche Aufgaben und Übungen Ihnen im Assessment Center begegnen können. Lesen Sie deshalb auch die anderen Artikel zu Teilübungen des ACs: Case Study (Fallstudie), LogiktestPersönlichkeitstestPostkorbübung, Präsentation und Rollenspiel.


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