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So gehen Sie mit einer Job-Absage um

So gehen Sie mit einer Job-Absage um

© maho / Fotolia

Je später Kandidaten im Bewerbungsprozess eine Absage hinnehmen müssen, desto herber ist die Enttäuschung. Was ist schiefgegangen? Das sollte man mit einer selbstkritischen Analyse herausfinden, damit der nächste Anlauf besser klappt. Auch beim Bewerben macht Übung den Meister und oft kann es von Vorteil sein, sich Hilfe zu holen – insbesondere für die letzten Meter vor dem Ziel.

Das Wichtigste in 15 Sekunden

  • Je später im Bewerbungsprozess eine Absage kommt, desto mehr Enttäuschung ruft sie hervor
  • Dann ist Zeit für eine Fehleranalyse: Was kann mit den Bewerbungsunterlagen oder im Vorstellungsgespräch schiefgelaufen sein?
  • Wer öfter Pech hat, sollte einen Fachmann als Berater ins Boot holen
  • Alle durch eine Bewerbung gewonnenen Kontakte können sich als wertvoll erweisen, auch nach einer Absage

Wenn ein dicker A4-Umschlag im Briefkasten steckt, weiß man meistens, was die Stunde geschlagen hat. Drin steckt ein Standardanschreiben im Stil von “Anbei erhalten Sie sämtliche Bewerbungsunterlagen mit Dank zurück“. Im Folgesatz dann die Absage – manchmal ergänzt um eine Begründung, immerhin. Viele Unternehmen machen es sich leichter – üblicherweise mit einer gesichtslosen Standard-E-Mail: „Vielen Dank für Ihr Interesse an der ausgeschriebenen Stelle. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir uns für jemanden entschieden haben, dessen Profil noch besser zu den Anforderungen passt. Bitte betrachten Sie unsere Entscheidung nicht als Bewertung Ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten.“

Eine individuelle Begründung, aus der sich Lehren ziehen ließen? Meist Fehlanzeige. Vielen Personalern fehlt dafür die Zeit. Andere scheuen sie, seit das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz berufliche Benachteiligung aus Gründen von Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung unter Strafe stellt. Hier und da besetzen Firmen ausgeschriebene Stellen mit internen Bewerbern, und auch Ausschreibungen zum Schein sind keine Seltenheit – als Marketingmaßnahme transportieren sie die Botschaft „Unser Unternehmen brummt, wir sind kontinuierlich auf Wachstumskurs“.

Dementsprechend oft bleiben abgewiesene Bewerber ratlos zurück, besonders wenn sie es bis ins Vorstellungsgespräch oder gar zu einem Einstellungstest geschafft haben. Was also tun, wenn es auch Sie erwischt? Nicht verzagen, dann gehen Sie eben neu über Los. Prüfen Sie Ihre Unterlagen ein weiteres Mal auf Herz und Nieren und lassen Sie alle Stationen des Bewerbungsprozesses Revue passieren. Welcher Missgriff in Sachen Selbstpräsentation könnte Sie aus dem Rennen geworfen haben? Dies herauszufinden ist sehr wichtig, denn selbstverständlich hat Ihr Wunscharbeitgeber anhand fachlicher und persönlicher Kriterien bei den Kandidaten die Spreu vom Weizen getrennt, wie sonst?

Frühes K.O. nach schriftlicher Bewerbung

Für eine attraktive Stelle wird ein Unternehmen viele Bewerbungen erhalten. Eine Eingangsbestätigung sollten Sie relativ rasch bekommen, aber alle Unterlagen zu sichten kann dauern, vor allem wenn sie durch mehrere Personalerhände gehen und auch an Führungskräfte in Fachabteilungen durchgereicht werden. Deshalb ist es kein gutes Zeichen, wenn Sie bereits binnen kurzer Frist eine Absage kassieren. Wenn es dazu kommt, sollten Sie Ihre Unterlagen nochmal ganz genau unter die Lupe nehmen, idealerweise gemeinsam mit einem Helfer, der Ahnung von der Materie hat:

  • Sind Lebenslauf und Anschreiben ansprechend und zeitgemäß formatiert? Stimmt die Rechtschreibung zu hundert Prozent, und haben Sie sich nirgends mit der Grammatik verheddert?
  • Genügt Ihr Bewerbungsfoto professionellen Ansprüchen? Sie wissen ja: Facebook ist lustig, Jobsuche eher nicht.
  • Haben Sie sowohl den Lebenslauf als auch das Anschreiben individuell auf diese Stelle abgestimmt?
  • Ging aus den Unterlagen also klar hervor, dass Ihr Profil genau zu den Anforderungen passt und dass Sie hoch motiviert sind?

Wenn Sie jetzt doch noch Defizite feststellen und begangene Fehler verstehen, können Sie diese beim nächsten Versuch mit ziemlicher Sicherheit vermeiden.

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Die zweite Chance

Behält ein Unternehmen Ihre Unterlagen jedoch ziemlich lange, so deutet dies darauf hin, dass mit ihnen formal alles in Ordnung ist. Eine Absage kann dann auf Ursachen zurückzuführen sein, auf die Sie keinen Einfluss haben: Große Firmen müssen angesichts zahlreicher Bewerbungen auch sehr gut qualifizierte Kandidaten ablehnen. Womöglich hatte ein Mitbewerber einen speziellen Trumpf in der Hand, den Sie nicht zu toppen vermögen?

Oder es gab ein Kommunikationsproblem zwischen Personalern und Fachabteilung, sodass die Stellenausschreibung ungenau formuliert war und dem tatsächlichen Bedarf nicht genau entsprach. Alles durchaus möglich, dann hatten Sie einfach Pech. Weist man bei der Absage jedoch ausdrücklich darauf hin, dass Sie ein interessanter Anwärter waren und dass man Ihre Unterlagen sehr gerne aufbewahren würde, dann sollte Sie das über die erste Enttäuschung hinwegtrösten – diesmal war es knapp, vielleicht bekommen Sie bei passender Gelegenheit eine neue Chance.

Das Aus nach Vorstellungsgespräch oder Eignungstest

Falls Sie zu einem oder mehreren Interviews eingeladen waren oder an einem Assessment Center teilnehmen durften, haben Sie fachlich im Grunde überzeugt – von nichts kommt schließlich nichts. Schlechte Vorbereitung, falsche Antworten oder der eine oder andere Lapsus beim Benehmen können dann aber trotzdem den Eindruck hervorgerufen haben, dass Sie nicht ins Team passen. Versuchen Sie deshalb Folgendes zu rekapitulieren:

  • Waren Sie pünktlich und korrekt gekleidet? Pünktlichkeit schmückt, und Kleider machen Leute.
  • Sind die Begrüßung und der übliche einleitende Small Talk angenehm verlaufen, und hatten Sie Ihre Körpersprache unter Kontrolle?
  • Bei welchen fachlichen und persönlichen Themen sind Sie ins Schlingern geraten?
  • Hat man Sie vielleicht auch mit Fangfragen in Bedrängnis gebracht?
  • Was hat Ihren Gesprächspartnern offensichtlich gut gefallen, und was scheinbar nicht?

Wenn Sie nicht zum ersten Mal nach mehreren Vorstellungsrunden Pech haben, kann das der richtige Zeitpunkt dafür sein, einen professionellen Berater ins Boot zu holen. Karriere-Coaches helfen dabei, Stresssituationen und speziell auch Eignungstests zu trainieren. Abgesehen davon können Sie zunächst einmal gemeinsam klären, ob Sie allzu ambitionierte Ziele verfolgen oder Ihr Licht unter den Scheffel stellen. Erfahrungsgemäß bewerben sich Absolventen oder Young Professionals nämlich häufig verfrüht auf hoch dotierte Stellen, erfahrene Fachkräfte hingegen begehen einen Fehler, wenn Sie sich zu wenig zutrauen und überqualifiziert ihren Hut in den Ring werfen. Kontraproduktiv ist beides.

Warum Feedback wichtig ist

Ihre Bewerbung war mit viel Aufwand verbunden – nicht nur für Sie, sondern auch für diejenigen, an die Sie sie gerichtet haben und die sie bearbeiten mussten. Gerade wenn Sie bis in den engeren Favoritenkreis gelangt sind, ist es auch nach einer Absage eine höfliche Geste, sich freundlich zu bedanken, am besten telefonisch. Auf diese Weise bleiben Sie bei Ihren Gesprächspartnern in besonders guter Erinnerung, aber nicht nur das: Solch ein Telefonat können Sie zur weiteren Fehleranalyse nutzen. Nicht indem Sie nach konkreten Gründen für den Fehlschlag fragen, die wird man Ihnen nicht verraten. Wenn Sie sich aber taktvoll danach erkundigen, was Sie gegebenenfalls beim nächsten Mal noch besser machen könnten, bringt das vielleicht wichtige Hinweise ans Licht. Einen recht ungewöhnlichen Tipp hat ein Kölner Karriere-Berater parat, er plädiert sogar für ein Dankschreiben nach der Absage:

„Bedanken Sie sich bei Ihren Interviewpartnern für deren Zeit und ihr Interesse an Ihnen. Das Dankschreiben nach einer Absage auf eine Bewerbung kommt in Deutschland noch sehr selten vor und bietet Ihnen eine hervorragende Chance, sich von Ihrer professionellen Seite zu zeigen. Sie signalisieren dem Unternehmen, dass Sie es mit Ihrer Bewerbung ernst gemeint haben, dass Ihnen sehr viel an dieser Stelle gelegen hat und Sie sich auch andere Positionen im Unternehmen vorstellen können.“

Dr. Bernd Slaghuis, Karriere-Coach aus Köln

Wenn Sie dieses Mittel wählen, heben Sie sich auf jeden Fall ein weiteres Mal von der Masse Ihrer Mitbewerber ab, und dies höchstwahrscheinlich positiv. Und noch ein Rat: Bleiben Sie mit dem Personaler oder mit Führungskräften die Sie kennengelernt haben nach Möglichkeit über Social-Media-Kanäle weiterhin in Kontakt. Netzwerke wie XING gelten nicht nur als effektive Plattformen zur Pflege beruflicher Kontakte, sondern längst auch als Karrieresprungbretter. Für das Recruiting gewinnen sie immer mehr Bedeutung, vielleicht auch für Ihres.


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