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Über Schwächen im Vorstellungsgespräch sprechen

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Sobald Personaler Sie mit Fragen nach persönlichen Defiziten aus der Reserve locken wollen, kommt das Vorstellungsgespräch in eine heikle Phase. Ganz schlecht wäre es, dann vor Schreck ins Stottern zu geraten oder einfach nur auswendig Gelerntes herunterzubeten. Überraschen Sie Ihr Gegenüber lieber mit der richtigen Lösung für echte Schwächen.

Das Wichtigste in 15 Sekunden
  • Beim Vorstellungsgespräch müssen Sie sich auf Fangfragen einstellen.
  • Fragen nach fachlichen und persönlichen Schwächen werden nach wie vor häufig gestellt.
  • Zum Schein genannte Schwächen durchschaut man schnell – bleiben Sie authentisch.
  • Setzen Sie die Themen selbst, so behalten Sie die Kontrolle.

Persönliche Vorstellungsgespräche und auch Telefoninterviews laufen nach einem bestimmten Muster ab: Nach etwas Small Talk zum Aufwärmen stellen Ihre Gesprächspartner in der Regel sich und ihr Unternehmen vor, darauf folgt Ihre Selbstpräsentation. Machen Sie sich anschließend auf die berüchtigten Fangfragen gefasst. Sie sind zwar überstrapaziert, aber nach wie vor weithin üblich. „Wie schätzen Sie Ihre fachlichen Stärken ein“, ist ein Klassiker und „Was sind Ihre persönlichen Schwächen?“, hat schon manchen Bewerber aus der Bahn geworfen. Dabei ist die Frage vor allem ein Stresstest. Um ungeschoren davonzukommen, üben Sie Gelassenheit und legen Sie sich eine gute Strategie zurecht.

Damit Sie im Vorstellungsgespräch auch auf diese Frage eine gute Antwort geben können, haben wir ein paar Tipps für Sie:

  • Lassen Sie keine unangenehme Stille aufkommen: Fangen Sie im Vorstellungsgespräch an, Minuten lang zu überlegen, kann Sie das aus dem Rhythmus bringen und das weitere Gespräch belasten. Bereiten Sie deshalb bereits zu Hause eine überzeugende Antwort vor.
  • Vermeiden Sie den größten Anfängerfehler: Wählen Sie keine „positiven“ Schwächen wie: „Ich arbeite zu hart“ oder „Ich bin ein Perfektionist“. Das wird in manchen Ratgebern empfohlen, beeindruckt aber keinen gestandenen Personaler.
  • Nehmen Sie sich nicht selbst aus dem Spiel: Geben keine Schwächen preis, die Sie für den Job disqualifizieren. Zum Beispiel: „Ich kann keine Fristen einhalten und komme oft zu spät.“
  • Wählen Sie die goldene Mitte: Der Schlüssel liegt in der geschickten Formulierung. Nennen Sie eine ehrliche (kleine) Schwäche und sagen direkt im Anschluss, wie Sie an dieser Schwäche arbeiten. Zum Beispiel: „Ich bin extrem sorgfältig und kontrolliere alle Ergebnisse dreifach. Dadurch werden manche Aufgaben erst in letzter Sekunde abgeschlossen. Aber ich arbeite bereits an einer Lösung, so dass ich entweder Aufgaben abgeben kann oder den Zeitplan von vornherein großzügiger auslege.“

„Die Frage nach den Schwächen ist der Klassiker aller Vorstellungsgespräche. Und selbst wenn bereits vieles darüber gesagt oder geschrieben wurde, so stellt sie für den Betroffenen jedes Mal eine neue Herausforderung dar. Machen Sie sich vor allem klar: Es geht nicht darum, die geniale und einzigartige Antwort zu finden, es geht vielmehr darum, glaubwürdig und überzeugend zu sein.“

Heiko Lüdemann, Karriere-Experte bei der CoachAcademy in Stuttgart

Sie kennen das Spiel, also seien Sie vorbereitet

Niemand ist perfekt, das wissen auch Personalverantwortliche. Sie fragen nach Ihren Schwächen, um herauszufinden, ob Sie zur Selbstanalyse fähig sind und lösungsorientiert an Problemen arbeiten – auch an den eigenen. Gestalten Sie diesen Teil des Interviews ehrlich und konstruktiv, versuchen Sie ihn aber möglichst kurz zu halten. Am besten funktioniert das, indem Sie kein Selbstkritik-Feuerwerk abbrennen, sondern lediglich einen oder zwei Punkte zur Sprache bringen, auf die Sie sich vorbereitet haben: Schwächen, die Sie tatsächlich aufweisen und die für Ihren Wunschjob in gewisser Weise relevant sind – aber nur solche, die man mit Blick auf Ihre angestrebte Tätigkeit nicht als Ausschlusskriterien einstufen dürfte. Wer diesen Part zu sehr auf die leichte Schulter nimmt oder sich darüber lustig macht, läuft in die Falle. Zum Beispiel so:

  • Scherze und Selbstgefälligkeit gehen nach hinten los: „Meine größten Schwächen sind Süßigkeiten, hervorragender Wein und schöne Frauen.“ Auch weit weniger platte Witze kommen nicht gut an, denn Personaler meinen es ernst und wollen nicht verschaukelt werden. „Wenn ich hierher umziehe, wird es eine Weile dauern mich in der Großstadt zu orientieren, damit habe ich immer ein Problem.“ Mag sein, aber was hat das mit Ihrem möglichen neuen Job zu tun?
  • Die alte Leier: „Ich neige zum Perfektionismus.“ Wahlweise womöglich auch zu Ehrgeiz, Überpünktlichkeit oder Ungeduld? Lieber nicht. Solche Pseudo-Schwächen vorzubringen, die Sie eigentlich doch nur in ein gutes Licht rücken sollen, ist ein ausgereizter Trick – niemand möchte so etwas mehr hören.
  • Unehrlichkeit: „Eine richtige Schwäche kann ich Ihnen jetzt auf Anhieb gar nicht nennen.“ Wirklich? Kaum zu glauben. Außerdem wirken Sie damit überheblich und selbstgefällig.

Bevor Sie selbst im Vorstellungsgespräch überzeugen, muss Ihr Lebenslauf sitzen:
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So geht es gut

Gefühlt ziehen sich Vorstellungsgespräche oft eine Ewigkeit hin, tatsächlich aber dauert kaum eines länger als eine Stunde und währenddessen ist eine Menge abzuarbeiten. Schon deshalb wird Ihr Gesprächspartner meist nicht lange nachbohren, wenn Sie undramatische Schwächen ins Feld führen und im gleichen Atemzug erläutern, wie Sie bereits daran arbeiten, sie auszuräumen.

  • Fällt in Ihrem Lebenslauf eine erklärungsbedürftige Lücke auf? Kommen Sie von sich aus darauf zu sprechen. Führen Sie aus, warum sie entstand und wie Sie sie sinnvoll überbrückt haben.
  • Selbstverständlich können Sie mit der für Ihren Tätigkeitsbereich nötigen Standardsoftware gut umgehen, aber vielleicht beherrschen Sie Excel und PowerPoint nicht bis ins Detail und Skype for Business ist noch ein Buch mit sieben Siegeln? Wie gut, dass Sie dafür gerade Seminare gebucht haben.
  • Fast immer werden Englischkenntnisse vorausgesetzt – das gehört zum guten Ton, auch wenn sie oft nicht wirklich essenziell sind. Stimmt, Ihre sind ein wenig eingerostet. Deshalb planen Sie für den nächsten Urlaub ja eine Sprachreise.
  • Sie wollen es immer ganz genau wissen und gelten als jemand, der jeden Cent dreimal umdreht? So sind Sie eben, darüber macht sich manch einer lustig. Andererseits kommen Ihre beruflichen Erfolge im Controlling nicht von ungefähr.
  • Zugegeben, Führungserfahrung haben Sie noch nicht. Dafür aber mehrfach Projektteams effektiv geleitet – steht im Lebenslauf. Das ist doch eine sehr gute Voraussetzung dafür, oder?
  • In Ihrem Traumjob würden Sie teilweise Neuland betreten. Aber Sie sind hoch motiviert und lernbereit, das geht aus Ihren Fortbildungszertifikaten und Zeugnissen doch klar hervor.

Wenn Sie mit solchen oder ähnlichen selbstgesetzten Themen potenzielle Schwächen ins Positive drehen, glückt der Spagat zwischen Selbstvermarktung und Selbstkritik.

A propos Selbstvermarktung: Egal, ob Sie im Anschreiben direkt sind oder lieber zurückhaltend argumentieren – die Form muss stimmen:
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