Anruf vor der Bewerbung - Mit dem Wunscharbeitgeber telefonieren

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Wer beim potenziellen neuen Arbeitgeber mit seinen Bewerbungsunterlagen gepunktet hat, trifft spätestens beim Vorstellungsgespräch persönlich auf einen Personaler oder auch den neuen Chef. Da kann es hilfreich sein, bereits zuvor den Kontakt via Telefon zu suchen. Wohlgemerkt: „kann“, nicht „muss“!

  • Vor einer Bewerbung kann es sinnvoll sein, mit dem Wunscharbeitgeber telefonisch Kontakt aufzunehmen
  • Auf solch ein Telefonat sollte man sich ähnlich gut vorbereiten wie auf ein persönliches Vorstellungsgespräch
  • Ratgeber warnen vor Fettnäpfchen – vermeiden Sie sie
  • Angemessene Zeit nach dem Versand einer Bewerbung darfst Du nach dem Stand der Dinge fragen
Ist ein Anruf beim potenziellen Arbeitgeber sinnvoll, bevor oder nachdem man seine schriftliche Bewerbung geschickt hat? Die Antwort ist ein klares „Kommt darauf an“. Der Grund: Es gibt keine allgemeingültige Regel dafür, ob und wann man dies tun sollte – wohl aber gute Argumente sowohl dafür, als auch dagegen. Wir fassen das Wichtigste für Dich zusammen.

Wunscharbeitgeber anrufen – Für und Wider

Häufig nennen Unternehmen in ihren Stellenanzeigen persönliche Ansprechpartner und deren Telefondurchwahl, die für Informationen zur Verfügung stehen. Sollten Jobsuchende diese Möglichkeit nutzen, oder nicht? Manche Bewerbungsprofis empfehlen es ausdrücklich, andere raten nur ausnahmsweise dazu.

Argumente dafür

Befürworter führen ins Feld, dass man mit einem Anruf aus eigener Initiative sein besonderes Interesse an einer Stelle und am Unternehmen demonstriert. Man stellt seine Kommunikationsfähigkeit unter Beweis und kann anhand gut gewählter Fragen Anregungen für ein besonders individuell formuliertes Anschreiben bekommen, das sich positiv von anderen abhebt. Wenn man freundlich und verbindlich auftritt und dann schriftlich an das Telefonat anknüpft, bedeutet das unter Umständen einen Startvorteil für die Vorauswahl unter allen Bewerbern. Wirkt Deine Stimme auf den Gesprächspartner auch noch sympathisch, erinnert er sich beim Prüfen Deiner Unterlagen vielleicht daran – das wäre ein weiteres Plus. Statt mit dem Personaler zu sprechen solltest Du versuchen, mit einem fachlichen Ansprechpartner oder dem möglichen Vorgesetzten verbunden zu werden. Speziell bei mittelständischen oder kleinen Unternehmen kann das durchaus klappen. In diesem Fall wächst sich das Telefonat eventuell sogar gleich zu einem mehr oder weniger formellen Interview aus, das einem Vorstellungsgespräch schon recht nahe kommt. Grund genug jedenfalls, sich auf jeden Anruf sorgfältig vorzubereiten.

Argumente dagegen

Andererseits behaupten andere Fachleute steif und fest, dass ein Ansprechpartner in Stellenanzeigen beileibe keine Aufforderung sei, zum Hörer zu greifen. Und sie warnen sogar vor mancherlei Fettnäpfchen, in die Bewerber dabei treten können. Hauptgegenargument eines Anrufs: Personaler und Führungskräfte sind vielbeschäftigte Menschen – wer sie auf dem falschen Fuß erwischt oder daran hindert ihre Arbeit effektiv zu erledigen, verbaut sich alle Chancen. Zum Beispiel mit Anrufen zu unpassender Zeit, mit belanglosen oder abseitigen Fragen. Oder indem man am Telefon erst gar keine Worte findet und darüber ins Stottern gerät. Aber auch zu viel reden kann danebengehen: Ein Lob für die „sehr schön gestaltete Stellenanzeige“ ist genauso fehl am Platze wie das Einleiten eines Gespräches mit so etwas wie „Guten Tag, mein Name ist Schmidt – ich bin genau der, den Sie suchen“. Beinahe überflüssig zu erwähnen, dass sich Anrufe immer dann verbieten, wenn sie ausdrücklich nicht erwünscht sind („Bitte senden Sie uns zunächst nur Ihre schriftliche Bewerbung“). Mit Patzern solcher oder ähnlicher Art schießt man Eigentore, die sich später kaum noch ausgleichen lassen.

Wann Du anrufen kannst und solltest

Eine Bewerbung auf die Beine zu stellen, die exakt zu Dir und zur Stellenanzeige passt, ist mit viel Arbeit verbunden. Wenn Du dafür Informationen benötigst, die sich weder aus der Stellenannonce, noch aus gründlicher eigener Recherche ableiten lassen, dann traue Dich: Greife zum Hörer, auch wenn im Inserat kein konkreter Ansprechpartner genannt ist. Über die Vermittlung findest Du ihn heraus. Wenn Du durchgestellt bist, nenne zunächst den Grund Deines Anrufes – die Stelle für die Du Dich interessierst – und wo Du die Ausschreibung gefunden hast. Wichtig: Fragen gleich eingangs, ob Dein Gesprächspartner gerade etwas Zeit für Dich hat. Ist das nicht der Fall, vereinbare einen konkreten Termin für einen zweiten Anruf. Hat der Ansprechpartner Zeit, kannst Du loslegen und beispielsweise Folgendes in Erfahrung bringen:
  • Ist das Stellenangebot noch aktuell?
  • Warum wird die Stelle neu besetzt?
  • Kommt eine Bewerbung für Dich wirklich in Frage? Anzeigen sind bisweilen schwammig formuliert. Details zum Tätigkeitsbereich sowie zu den von Bewerbern gewünschten Qualifikationen und Soft Skills helfen hier weiter.
  • Welche Anforderungen sind dem Unternehmen besonders wichtig?
  • Hat Deine Bewerbung auch dann Aussicht auf Erfolg, wenn Du anders aber vergleichbar qualifiziert bist, oder wenn Du bestimmte Erfordernisse nur eingeschränkt erfüllen kannst – zum Beispiel Reisebereitschaft?
  • Gibt es außer den Informationen in der Stellenannonce noch etwas, das Du für die Bewerbung wissen sollten?
  • Wer kann bei möglichen Problemen mit einem Online-Bewerbungsformular helfen?
Wenn Du merkst, dass die Chemie zwischen Dir und Deinem Gesprächspartner stimmt, sind auch einige persönliche Fragen erlaubt – besonders dann, wenn Du es nicht mit einem Personaler, sondern mit jemandem aus dem betreffenden Fachbereich zu tun hast. Zum Beispiel: Arbeitet er selbst gerne im Unternehmen, warum ist das der Fall, und wie lange ist er schon dabei? Alles was Du beim Telefonat in Erfahrung bringst, kann Dir helfen in die engere Wahl zu kommen, wenn Du dein Anschreiben und Lebenslauf mit gut gesetzten Schwerpunkten geschickt darauf ausrichten. Jetzt Anschreiben erstellen

Sonderfall Initiativbewerbung

Fast überall sind derzeit Fachkräfte gesucht. Dies eröffnet beste Chancen dafür, als Berufseinsteiger den Traumjob zu finden oder als Professional der Karriere mit einem Wechsel Flügel zu verleihen – selbst dann, wenn ein interessantes Unternehmen aktuell keine zum eigenen Profil passende Stelle ausgeschrieben hat. Liebäugelst Du mit einer Initiativbewerbung? Auch das kann ein Anlass sein, die Wunschfirma telefonisch direkt anzusprechen. Im Idealfall findest Du dabei heraus, ob in Deinem Bereich aktuell oder auf Sicht Personalbedarf besteht und bei wem Du Dich gegebenenfalls gezielt bewerben kannst. Auch, ob Du dies klassisch per Post oder via E-Mail tun solltest, und ob Initiativbewerbungen komplett mit allen Unterlagen oder in kompakter Form, also nur mit Anschreiben und Lebenslauf, gewünscht sind.

Gute Vorbereitung ist alles

Wähle für Deinen Anruf einen geeigneten Zeitpunkt. Nach dem Erscheinen einer Stellenannonce kannst Du ruhig einige Tage verstreichen lassen. Vielleicht liegen dann schon erste Bewerbungen im Unternehmen vor, sodass man dort die Resonanz beurteilen und eine genauere Einschätzung der Chancen für Dich geben kann. Inzwischen treffe folgende Vorbereitungen:
  • Analysiere die Stellenanzeige genau: Was wollen sie darüber hinaus wissen?
  • Setze Dich durch eigene Recherche mit der Position und dem Unternehmen auseinander – manches wird sich dabei klären.
  • Notiere einen Katalog verbleibender Fragen als Gesprächsleitfaden.
  • Lege Ziele für das Gespräch fest.
  • Bereite Deinen Lebenslauf vor und verinnerliche die wesentlichen Punkte, für den Fall dass man Dich darauf anspricht.
  • Sammle Argumente, die Dich als interessanten Kandidaten erscheinen lassen.
  • Sorge dafür, dass Du das Telefonat konzentriert, ungestört und so lange wie es sich ergibt führen kannst.

Grundregeln für ein gutes Gespräch

  • Rufe nicht zu Stoßzeiten an, zwischen 9 und 11 Uhr vormittags herrscht in Unternehmen Hochbetrieb. Bedenke auch: Montags finden häufig Meetings statt und am Freitagnachmittag freuen sich selbst engagierte Personaler und Führungskräfte schon auf ihr Wochenende.
  • Stelle Dich und dein Anliegen kurz und prägnant vor.
  • Treffe den richtigen Ton: Laut und deutlich sprechen vermittelt Kompetenz und Selbstbewusstsein, Flüstern wirkt gehemmt und schüchtern. Sitze aufrecht und lächle – Deine Stimme klingt dann warm und positiv, das überträgt sich.
  • Führe keinen Monolog, sondern lass den Gesprächspartner ausführlich zu Worte kommen – alles was Du ihm so entlockst, kann wertvoll sein.
  • Vermeide Fragen zum Gehalt, Nebenleistungen und Urlaub – das gehört erst ins persönliche Vorstellungsgespräch.
Am Ende des Telefonats solltest Du Dich bedanken, den Versand Deiner Bewerbung anvisieren und dies dann rasch in die Tat umsetzen. Wenn Dein Gesprächspartner einen positiven Eindruck gewonnen hat und Deine Unterlagen binnen weniger Tage auf den Tisch bekommt, ist seine Erinnerung noch frisch.

Anruf nach der Bewerbung? Ja, aber gemach

Wenn Du Deine Bewerbung auf den Weg gebracht hast, wird es spannend. Kommst Du in die engere Wahl? Lädt man Dich ein? Falls länger keine Resonanz erfolgt, zumindest in Form einer Eingangsbestätigung, frage ruhig nach. Schließlich kann es passieren, dass eine E-Mail ihren Empfänger nicht erreicht oder dass Post verloren geht. Die Faustregel: Bei mittelständischen und kleinen Unternehmen sollte man eine Woche warten, bei größeren Firmen sind zwei Wochen angemessen, weil die Bewerbung dort gewöhnlich durch mehrere Hände geht. Wie und wann immer Sie das Wort ergreifen – viel Glück dabei!
Service-Info: Sie sehen also - alles eine Frage der richtigen Vorbereitung. Wir haben Ihnen die Antworten auf die häufigsten Fragen im Vorstellungsgespräch zusammengestellt. Hier finden Sie alles, was Sie wissen müssen auf einen Blick: Jetzt Checkliste herunterladen Es war einfach noch nicht der richtige Job dabei? Nicht verzagen: Spannende und passende Jobs finden Sie zum Beispiel in großen Online-Stellenbörsen wie dem XING Stellenmarkt. 
18.12.2015