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Anruf vor der Bewerbung - Mit dem Wunscharbeitgeber telefonieren

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Wer beim potenziellen neuen Arbeitgeber mit seinen Bewerbungsunterlagen gepunktet hat, trifft spätestens beim Vorstellungsgespräch persönlich auf einen Personaler oder auch den neuen Chef. Da kann es hilfreich sein, bereits zuvor den Kontakt via Telefon zu suchen. Wohlgemerkt: „kann“, nicht „muss“!

Das Wichtigste in 15 Sekunden

  • Vor einer Bewerbung kann es sinnvoll sein, mit dem Wunscharbeitgeber telefonisch Kontakt aufzunehmen
  • Auf solch ein Telefonat sollte man sich ähnlich gut vorbereiten wie auf ein persönliches Vorstellungsgespräch
  • Ratgeber warnen vor Fettnäpfchen – vermeiden Sie sie
  • Angemessene Zeit nach dem Versand einer Bewerbung dürfen Sie nach dem Stand der Dinge fragen

Ist ein Anruf beim potenziellen Arbeitgeber sinnvoll, bevor oder nachdem man seine schriftliche Bewerbung geschickt hat? Die Antwort ist ein klares „Kommt darauf an“. Der Grund: Es gibt keine allgemeingültige Regel dafür, ob und wann man dies tun sollte – wohl aber gute Argumente sowohl dafür, als auch dagegen. Wir fassen das Wichtigste für Sie zusammen.

Wunscharbeitgeber anrufen – Für und Wider

Häufig nennen Unternehmen in ihren Stellenanzeigen persönliche Ansprechpartner und deren Telefondurchwahl, die für Informationen zur Verfügung stehen. Sollten Jobsuchende diese Möglichkeit nutzen, oder nicht? Manche Bewerbungsprofis empfehlen es ausdrücklich, andere raten nur ausnahmsweise dazu.

Argumente dafür

Befürworter führen ins Feld, dass man mit einem Anruf aus eigener Initiative sein besonderes Interesse an einer Stelle und am Unternehmen demonstriert. Man stellt seine Kommunikationsfähigkeit unter Beweis und kann anhand gut gewählter Fragen Anregungen für ein besonders individuell formuliertes Anschreiben bekommen, das sich positiv von anderen abhebt. Wenn man freundlich und verbindlich auftritt und dann schriftlich an das Telefonat anknüpft, bedeutet das unter Umständen einen Startvorteil für die Vorauswahl unter allen Bewerbern. Wirkt Ihre Stimme auf den Gesprächspartner auch noch sympathisch, erinnert er sich beim Prüfen Ihrer Unterlagen vielleicht daran – das wäre ein weiteres Plus. Statt mit dem Personaler zu sprechen sollten Sie versuchen, mit einem fachlichen Ansprechpartner oder dem möglichen Vorgesetzten verbunden zu werden. Speziell bei mittelständischen oder kleinen Unternehmen kann das durchaus klappen. In diesem Fall wächst sich das Telefonat eventuell sogar gleich zu einem mehr oder weniger formellen Interview aus, das einem Vorstellungsgespräch schon recht nahe kommt. Grund genug jedenfalls, sich auf jeden Anruf sorgfältig vorzubereiten.

Argumente dagegen

Andererseits behaupten andere Fachleute steif und fest, dass ein Ansprechpartner in Stellenanzeigen beileibe keine Aufforderung sei, zum Hörer zu greifen. Und sie warnen sogar vor mancherlei Fettnäpfchen, in die Bewerber dabei treten können. Hauptgegenargument eines Anrufs: Personaler und Führungskräfte sind vielbeschäftigte Menschen – wer sie auf dem falschen Fuß erwischt oder daran hindert ihre Arbeit effektiv zu erledigen, verbaut sich alle Chancen. Zum Beispiel mit Anrufen zu unpassender Zeit, mit belanglosen oder abseitigen Fragen. Oder indem man am Telefon erst gar keine Worte findet und darüber ins Stottern gerät. Aber auch zu viel reden kann danebengehen: Ein Lob für die „sehr schön gestaltete Stellenanzeige“ ist genauso fehl am Platze wie das Einleiten eines Gespräches mit so etwas wie „Guten Tag, mein Name ist Schmidt – ich bin genau der, den Sie suchen“. Beinahe überflüssig zu erwähnen, dass sich Anrufe immer dann verbieten, wenn sie ausdrücklich nicht erwünscht sind („Bitte senden Sie uns zunächst nur Ihre schriftliche Bewerbung“). Mit Patzern solcher oder ähnlicher Art schießt man Eigentore, die sich später kaum noch ausgleichen lassen.

Wann Sie anrufen können und sollten

Eine Bewerbung auf die Beine zu stellen, die exakt zu Ihnen und zur Stellenanzeige passt, ist mit viel Arbeit verbunden. Wenn Sie dafür Informationen benötigen, die sich weder aus der Stellenannonce, noch aus gründlicher eigener Recherche ableiten lassen, dann trauen Sie sich: Greifen Sie zum Hörer, auch wenn im Inserat kein konkreter Ansprechpartner genannt ist. Über die Vermittlung finden Sie ihn heraus. Wenn Sie durchgestellt sind, nennen Sie zunächst den Grund Ihres Anrufes – die Stelle für die Sie sich interessieren – und wo Sie die Ausschreibung gefunden haben. Wichtig: Fragen Sie gleich eingangs, ob Ihr Gesprächspartner gerade etwas Zeit für Sie hat. Ist das nicht der Fall, vereinbaren Sie einen konkreten Termin für einen zweiten Anruf. Hat der Ansprechpartner Zeit, können Sie loslegen und beispielsweise Folgendes in Erfahrung bringen:

  • Ist das Stellenangebot noch aktuell?
  • Warum wird die Stelle neu besetzt?
  • Kommt eine Bewerbung für Sie wirklich in Frage? Anzeigen sind bisweilen schwammig formuliert. Details zum Tätigkeitsbereich sowie zu den von Bewerbern gewünschten Qualifikationen und Soft Skills helfen hier weiter.
  • Welche Anforderungen sind dem Unternehmen besonders wichtig?
  • Hat Ihre Bewerbung auch dann Aussicht auf Erfolg, wenn Sie anders aber vergleichbar qualifiziert sind, oder wenn Sie bestimmte Erfordernisse nur eingeschränkt erfüllen können – zum Beispiel Reisebereitschaft?
  • Gibt es außer den Informationen in der Stellenannonce noch etwas, das Sie für die Bewerbung wissen sollten?
  • Wer kann bei möglichen Problemen mit einem Online-Bewerbungsformular helfen?

Wenn Sie merken, dass die Chemie zwischen Ihnen und Ihrem Gesprächspartner stimmt, sind auch einige persönliche Fragen erlaubt – besonders dann, wenn Sie es nicht mit einem Personaler, sondern mit jemandem aus dem betreffenden Fachbereich zu tun haben. Zum Beispiel: Arbeitet er selbst gerne im Unternehmen, warum ist das der Fall, und wie lange ist er schon dabei? Alles was Sie beim Telefonat in Erfahrung bringen, kann Ihnen helfen in die engere Wahl zu kommen, wenn Sie Ihr Anschreiben und Ihren Lebenslauf mit gut gesetzten Schwerpunkten geschickt darauf ausrichten.
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Sonderfall Initiativbewerbung

Fast überall sind derzeit Fachkräfte gesucht. Dies eröffnet beste Chancen dafür, als Berufseinsteiger den Traumjob zu finden oder als Professional der Karriere mit einem Wechsel Flügel zu verleihen – selbst dann, wenn ein interessantes Unternehmen aktuell keine zum eigenen Profil passende Stelle ausgeschrieben hat. Liebäugeln Sie mit einer Initiativbewerbung? Auch das kann ein Anlass sein, die Wunschfirma telefonisch direkt anzusprechen. Im Idealfall finden Sie dabei heraus, ob in Ihrem Bereich aktuell oder auf Sicht Personalbedarf besteht und bei wem Sie sich gegebenenfalls gezielt bewerben können. Auch, ob Sie dies klassisch per Post oder via E-Mail tun sollen, und ob Initiativbewerbungen komplett mit allen Unterlagen oder in kompakter Form, also nur mit Anschreiben und Lebenslauf, gewünscht sind.

Gute Vorbereitung ist alles

Wählen Sie für Ihren Anruf einen geeigneten Zeitpunkt. Nach dem Erscheinen einer Stellenannonce können Sie ruhig einige Tage verstreichen lassen. Vielleicht liegen dann schon erste Bewerbungen im Unternehmen vor, sodass man dort die Resonanz beurteilen und eine genauere Einschätzung der Chancen für Sie geben kann. Inzwischen treffen Sie folgende Vorbereitungen:

  • Analysieren Sie die Stellenanzeige genau: Was wollen Sie darüber hinaus wissen?
  • Setzen Sie sich durch eigene Recherche mit der Position und dem Unternehmen auseinander – manches wird sich dabei klären.
  • Notieren Sie einen Katalog verbleibender Fragen als Gesprächsleitfaden.
  • Legen Sie Ziele für das Gespräch fest.
  • Bereiten Sie Ihren Lebenslauf vor und verinnerlichen Sie die wesentlichen Punkte, für den Fall dass man Sie darauf anspricht.
  • Sammeln Sie Argumente, die Sie als interessanten Kandidaten erscheinen lassen.
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie das Telefonat konzentriert, ungestört und so lange wie es sich ergibt führen können.

Grundregeln für ein gutes Gespräch

  • Rufen Sie nicht zu Stoßzeiten an, zwischen 9 und 11 Uhr vormittags herrscht in Unternehmen Hochbetrieb. Bedenken Sie auch: Montags finden häufig Meetings statt und am Freitagnachmittag freuen sich selbst engagierte Personaler und Führungskräfte schon auf ihr Wochenende.
  • Stellen Sie sich und Ihr Anliegen kurz und prägnant vor.
  • Treffen Sie den richtigen Ton: Laut und deutlich sprechen vermittelt Kompetenz und Selbstbewusstsein, Flüstern wirkt gehemmt und schüchtern. Sitzen Sie aufrecht und lächeln Sie – Ihre Stimme klingt dann warm und positiv, das überträgt sich.
  • Führen Sie keinen Monolog, sondern lassen Sie den Gesprächspartner ausführlich zu Worte kommen – alles was Sie ihm so entlocken, kann wertvoll sein.
  • Vermeiden Sie Fragen zum Gehalt, Nebenleistungen und Urlaub – das gehört erst ins persönliche Vorstellungsgespräch.

Am Ende des Telefonats sollten Sie sich bedanken, den Versand Ihrer Bewerbung anvisieren und dies dann rasch in die Tat umsetzen. Wenn Ihr Gesprächspartner einen positiven Eindruck gewonnen hat und Ihre Unterlagen binnen weniger Tage auf den Tisch bekommt, ist seine Erinnerung noch frisch.

Anruf nach der Bewerbung? Ja, aber gemach

Wenn Sie Ihre Bewerbung auf den Weg gebracht haben, wird es spannend. Kommen Sie in die engere Wahl? Lädt man Sie ein? Falls länger keine Resonanz erfolgt, zumindest in Form einer Eingangsbestätigung, fragen Sie ruhig nach. Schließlich kann es passieren, dass eine E-Mail ihren Empfänger nicht erreicht oder dass Post verloren geht. Die Faustregel: Bei mittelständischen und kleinen Unternehmen sollte man eine Woche warten, bei größeren Firmen sind zwei Wochen angemessen, weil die Bewerbung dort gewöhnlich durch mehrere Hände geht. Wie und wann immer Sie das Wort ergreifen – viel Glück dabei!


Service-Info: Sie sehen also – alles eine Frage der richtigen Vorbereitung. Wir haben Ihnen die Antworten auf die häufigsten Fragen im Vorstellungsgespräch zusammengestellt. Hier finden Sie alles, was Sie wissen müssen auf einen Blick:
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