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Soll man wirklich seine Schwächen im Bewerbungsgespräch verraten?

Soll man Schwächen im Bewerbungsgespräch verraten?

© Getty Images / Wavebreakmedia

Was tun, wenn in einem Vorstellungsgespräch die Rede auf Schwächen des Bewerbers kommt? Unser Weise Claus Peter Müller-Thurau hat dafür ein paar starke Tipps.

„Der Rat der Weisen“ von Bewerbung.com sind prominente Personal- und Karriereexperten, die regelmäßig Themen rund um Bewerbung, Gehalt und Karriere behandelt. Heute haben wir unserem Weisen Claus Peter Müller-Thurau* folgende Frage gestellt:

„Herr Müller-Thurau, darf man Schwächen im Bewerbungsgespräch verraten – und wenn ja, welche?“

Claus Peter Müller-Thurau: Verraten darf man gar nichts. „Erzählen Sie uns etwas über Ihre Schwächen.“„Nun … ich suche eigentlich einen Job, den ich aus einer freizeit-orientierten Schonhaltung heraus wahrnehmen kann.“ Kein Personaler erwartet bei dieser Frage die Wahrheit, aber auch keine rundgelutschten Phrasen.

Wie beantworten die meisten Kandidaten die Frage nach den Schwächen? Sie werfen sich vor, ungeduldig zu sein. Solche Selbstbezichtigungen kommen nicht gut an, denn gesucht werden Dickbrettbohrer, die bei der Verfolgung ihrer Ziele einen langen Atem haben. Auf dem zweiten Platz im Ranking der Aussageverweigerungen bei der Frage nach den Schwächen liegt das Bekenntnis, ein Perfektionist zu sein. Perfektionisten werden vorrangig am Operationstisch und im Cockpit gebraucht – in den meisten anderen Berufsfeldern muss man auch mit Toleranzen und Ungefährlösungen leben können, um mit der Arbeit fertig zu werden.

Nun zum konstruktiven Umgang mit dieser wenig prickelnden Frage. Schwächen, die einem bewusst sind, können einem nicht mehr sonderlich schaden! Darum geht es und deshalb gleichen Sie Ihr Leistungsprofil mit dem Anforderungsprofil der angestrebten Aufgabe ab und identifizieren Sie die Abweichungen. Der aufmerksame Personaler hat diese ja gesehen und Sie dennoch eingeladen. Und nun erwartet er im Interview Problembewusstsein.

Sie sind Hochschulabsolvent? – „Natürlich fehlt mir trotz einiger Praktika die Erfahrung.“
Acht Jahre im selben Betrieb tätig? – „Mir ist bewusst, dass man durch eine lange Betriebszugehörigkeit geprägt wird. Da muss ich mich sicher von manchen Gepflogenheiten lösen.“
Ihr Englisch ist nicht verhandlungssicher? „Meine Sprachkenntnisse sind nicht so, wie sie sein sollten. Aber mit einigen Crashkursen bekomme ich das schon hin.“

Bei solchen Antworten muss sich niemand verbiegen.

*Der Weise: Claus Peter Müller-Thurau ist Diplom-Psychologe und als Human-Resources-Manager tätig. Nach dem Studium startete er als Personalberater bei der schwedischen Beratungsfirma Mercury Urval GmbH, danach wurde er Leiter der Personalentwicklung und Nachwuchsförderung im Axel Springer Verlag und später Geschäftsführer der Personal- und Unternehmensberatung Selecteam GmbH. Müller-Thurau ist Dozent an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management in Hamburg und hält Vorlesungen in den Fächern HR-Organisation und HR-Personalwirtschaft. Als Autor hat er im Haufe Verlag Titel wie „Bewerbungstipps und -tricks“ und „101 Fragen und Antworten im Vorstellungsgespräch“ publiziert. Mehr unter www.mueller-thurau.de


Serviceinfos: Wer besser über sich Bescheid weiß, kann die Fragen nach seinen Stärken und Schwächen souveräner beantworten. Für die erste berufliche Orientierung, aber auch als Vorbereitung auf Einstellungsprüfungen können Sie mit unseren kostenlosen Online-Tests schon einmal selbst überprüfen, wo Ihre Vorzüge und Vorlieben liegen oder welcher Persönlichkeitstyp Sie sind. Vom Logiktest bis zur speziellen Berufswahlprüfung stehen Ihnen vielfältige Tests zur Verfügung.
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