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Der Persönlichkeitstest nach Myers-Briggs (MBTI)

© Igor Emmerich / Corbis

Wenn Sie von einem Job in den USA träumen oder innerhalb einer von amerikanischer Unternehmenskultur geprägten Firma vorankommen wollen, wird man sehr wahrscheinlich früher oder später Ihren Charakter genau unter die Lupe nehmen. Dort ist der Persönlichkeitstest nach Myers-Briggs weit verbreitet. Machen Sie sich mit dessen Prinzip vertraut, dann kommen Sie gut durch. Wir zeigen Ihnen, worauf es ankommt.

Das Wichtigste in 15 Sekunden
  • In vielen von amerikanischer Firmenkultur geprägten Unternehmen müssen sich Bewerber einem psychologischen Test unterziehen
  • Am weitesten verbreitet ist der Myers-Briggs-Persönlichkeitstest (MBTI)
  • Der Myers-Briggs-Typenindikator teilt Teilnehmer einem von 16 möglichen Persönlichkeitstypen zu
  • In der akademischen Psychologie gilt der MBTI-Test als unwissenschaftlich

Als ob das Vorstellungsgespräch und womöglich ein Assessment Center nicht schon genug Kraft und Nerven kosten würden: Viele Unternehmen aus dem angloamerikanischen Raum setzen häufig noch einen drauf, bevor sie Bewerbern eine Stelle zusagen oder Mitarbeiter befördern. Sie versuchen mit Persönlichkeitstests herauszufinden, wie es um die angeblichen Soft Skills der Kandidaten tatsächlich bestellt ist. Zweck der Übung: Man will sichergehen, dass sie ins Team passen und die richtigen Eigenschaften mitbringen, die sie für kommende Aufgaben brauchen. Wer Entscheidungen scheut, eignet sich schließlich kaum als Führungskraft und besonders introvertierte Zeitgenossen feiern in Marketing oder Vertrieb vermutlich schwerlich große Erfolge. Anfang der 1960er-Jahre entwickelten die beiden Psychologinnen Myers und Briggs dafür den gleichnamigen Test: Myers-Briggs-Typenindikator, kurz MBTI. Bis heute ist er der am häufigsten angewandte Persönlichkeitstest.

MBTI – was ist das?
Seit dem Altertum versuchen Philosophen und Gelehrte herauszufinden, was die Menschen antreibt, und anhand dessen wesentliche Charakterzüge zu kategorisieren. Auf Hippokrates geht die Lehre von den vier Temperamenten zurück: Demnach sind Sanguiniker aktiv und heiter, Phlegmatiker passiv und schwerfällig, Melancholiker nachdenklich und schwermütig, Phlegmatiker aufbrausend und reizbar. Sigmund Freud sah den Sexualtrieb als Triebfeder menschlichen Handelns, Friedrich Nitzsche den Willen zur Macht. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte Carl Gustav Jung die analytische Psychologie und seine Theorie der acht „psychologischen Typen“. Daran schlossen Katharine Briggs und ihrer Tochter Isabel Myers an: Mit dem von ihnen erdachten und vermarkteten MBTI-Test soll man Jungs psychologische Typen ermitteln können.

Welcher Typ sind Sie?

Der Myers-Briggs-Typenindikator unterscheidet acht charakteristische Wesenszüge in vier Kategorien, alle sind miteinander kombinierbar. Die Teilnehmer bei MBTI-Tests bekommen ihre Merkmale als vierstellige Buchstabenkombinationen zugewiesen. Das Ergebnis des MBTI-Tests ist also einer von insgesamt 16 möglichen Persönlichkeitstypen.

Intraversion (I) und Extraversion (E)

Introvertierte Menschen überdenken Dinge gründlich, bevor sie handeln; sie können sich gut konzentrieren und gelten als zurückhaltend, als zu viel empfundenes soziales Miteinander kostet sie Überwindung und Kraft. Extrovertierte dagegen suchen Kontakt, sie sind aktiv, energisch, enthusiastisch und häufig dominant.

Intuition (N) und Sensing (S)

Intuitive Geister verlassen sich auf ihren sechsten Sinn, sie achten eher auf das Ganze als auf dessen Teile und erspüren gute Möglichkeiten. Häufiger anzutreffen sind Sensoriker: Sie sind realistisch, orientieren sich in erster Linie an Fakten, und misstrauen Ahnungen und Eingebungen.

Feeling (F) und Thinking (T)

Hier geht es darum, wie Entscheidungen getroffen werden: Fühlende lassen sich von ihren Emotionen, Idealen und Werten leiten. Denker lieben Klarheit, sie handeln logisch und rational. Es heißt, zwei Drittel der Denker seien Männer und etwa ebenso viele Frauen wären Fühler.

Judging (J) und Perceiving (P)

Hier ist die Frage, wie sicher man Entscheidungen trifft, und ob man zu ihnen steht: Urteilende Persönlichkeiten handeln strukturiert und lieben Ordnung, sie sind diszipliniert, dominant, entscheidungsfreudig und üben gerne Kontrolle aus. Den eingeschlagenen Weg verfolgen sie auch unter widrigen Umständen, Spontaneität ist nicht ihr Ding. Wahrnehmende Menschen (Perceiving) agieren eher spontan, sie passen sich neuen Umständen an und überdenken Entscheidungen, wenn die Sachlage sich ändert. Sie improvisieren gut, neigen aber zur Unordnung.

Idealkandidat für eine zu besetzende Führungsposition wäre demnach vermutlich eher ein „ESTJ“- als ein „INFP“-Typ. Und eine „ENTJ“-Persönlichkeit könnte der willkommene Anwärter für eine Vertriebsposition sein.

Teilnehmer an MBTI-Tests bekommen eine Vielzahl solcher oder ähnlicher in englischer Sprache formulierten Fragen gestellt:

  • Gehen Sie gerne auf Partys bei denen Sie viele Leute kennenlernen, oder laden Sie lieber Freunde nach Hause ein?
  • Kommen Sie mit fantasievollen oder mit realistischen Menschen besser aus?
  • Erledigen Sie unangenehme Aufgaben sofort, oder schieben Sie sie häufig auf?
  • Raten Sie als Schlichter in einem Streit zu Kompromissen, oder pochen Sie auf Gerechtigkeit?
  • Bevorzugen Sie einen geregelten Tagesablauf, oder tun Sie was gerade anliegt?
  • Probieren Sie etwas Neues gerne sofort aus, oder warten Sie damit erstmal ab?

MBTI – Pro und Contra

Bewerber und ambitionierte Mitarbeiter anhand mehr oder weniger objektiver Kriterien auf ihre Teamtauglichkeit zu prüfen, ist ein interessanter und im Grunde nachvollziehbarer Ansatz. Der MBTI-Test ist urheberrechtlich geschützt, praktizieren dürfen ihn deshalb nur zertifizierte Berater gegen Gebühr. Ihn zur Vorbereitung auf eigene Faust auszuprobieren, ist daher mit Kosten und Mühe verbunden. Wenn Sie stattdessen im Internet nach „Persönlichkeitstest“ oder „Typentest“ suchen, werden Sie rasch kostenlose Alternativen finden, die nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren. Diese auszuprobieren ist einfach und macht Spaß.

Am Myers-Briggs-Typenindikator selbst gibt es Kritik: Im Kern geht es dabei darum, dass das Verfahren von Laien-Psychologinnen erfunden und seit 60 Jahren nicht weiterentwickelt wurde. Der MBTI-Test gilt als unwissenschaftlich und als zu kategorisch. Es wird bemängelt, dass er keine Zwischentöne erlaubt und infolgedessen abseits der genannten Zuordnungen keine Zwischentypen kennt. Zudem kann das Absolvieren des Tests in einer Fremdsprache zu ungenauen Ergebnissen führen.

Falls Sie sich einem MBTI-Test unterziehen müssen, versuchen Sie nicht sich zu verstellen. Natürlich können Sie die Fragen so beantworten, dass sich ein zu der von Ihnen angestrebten Stelle passendes Persönlichkeitsprofil ergibt. Später am Arbeitsplatz werden Sie aber Ihr wahres Gesicht zeigen. Und wenn Sie sich bei einer deutschen Firma bewerben, ist alles gut – denn dann geht dieser Kelch wohl ohnehin an Ihnen vorbei.

Der MBTI kann ein weiterer Baustein im Bewerbungsprozess sein. Am Anfang müssen Sie natürlich mit Ihren Bewerbungsunterlagen, wie Ihrem Lebenslauf überzeugen.
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