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Von Anrede bis Zeugnis – Aufbau und Inhalt eines Anschreibens

© Gina Sanders / Fotolia.com

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Spannend soll es sein, nicht zu lang, und natürlich einzigartig. An das Bewerbungsanschreiben werden hohe Erwartungen gestellt. Gar nicht so einfach, das alles unter einen Hut zu bringen. Damit Du keine wichtigen Informationen vergisst, verraten wir Dir, was im Aufbau keines Anschreibens fehlen darf.

Das Wichtigste in 15 Sekunden
  • Mit einem individuell verfassten Anschreiben hebst Du Dich positiv von Mitbewerbern ab, aber es darf kein Standard-Baustein fehlen
  • Einleitung, Qualifikation, berufliche Erfolge, Motivation und Ziele – in diese vier Abschnitte gegliedert wird Dein Anschreiben eine runde Sache
  • Prahlerische Superlative, zu lange Schachtelsätze und übersehene Tippfehler sind einige häufig begangene Fehler
  • Beim Bewerbungsschreiben für ein Praktikum gleicht man mangelnde Berufserfahrung mit anderen Mitteln aus

Manchmal wünscht man sich für die Bewerbung ein Rezeptbuch: 200 Gramm Berufserfahrung, 120 Gramm Ausbildung, dann noch zwei Esslöffel Motivation, eine Prise Soft Skills und fertig ist das Bewerbungsanschreiben. So einfach geht es leider nicht. Denn wie ein guten Essen ist auch ein gutes Anschreiben Geschmackssache: Ob es dem jeweiligen Personaler mundet, lässt sich schwer vorhersagen.Wir können Dir zwar kein Geheimrezept anbieten, aber zumindest alle Zutaten nennen, die ein gutes Anschreiben haben muss und Tipps zum Aufbau geben. Folgende Teile dürfen – der Reihenfolge nach – in keinem Bewerbungsanschreiben fehlen:

    • Die Absenderinformationen. Dein vollständiger Name mit Adresse. Vergiss nicht, Deine Handynummer und eine E-Mail-Adresse anzugeben.
    • Die Empfängerdaten. Ganz wichtig: Richte das Bewerbungsanschreiben an einen konkreten Ansprechpartner und an die Adresse des Unternehmens. Rechtschreibfehler sind hier besonders fatal.
    • Ort und Datum
    • Der Betreff. Schreibe konkret, wofür Du Dich bewirbst. Zum Beispiel: „Bewerbung als Mechatroniker auf Ihre Anzeige in der Süddeutschen Zeitung vom 20. Mai 2015“ oder „Bewerbung für den Ausbildungsplatz zum Bankkaufmann, Anzeige im XING Stellenmarkt“. Ist in der Anzeige eine Referenznummer erwähnt, ist hier die richtige Stelle, um sie zu nennen.

  • Die korrekte Anrede. Wie schon beim Empfänger solltest Du auch hier die genaue Ansprechperson nennen. Ein „Sehr geehrte Damen und Herren“ hat schon für manche Bewerbung das Aus bedeutet. Peinlich: Wenn aus „Herrn Müller“ eine „Frau Müller“ wird.
  • Der Hauptteil. Das Kernstück im Aufbau des Anschreibens. Was hier reinkommt, liest Du im nächsten Abschnitt.
  • Wichtige Zusatzinformationen. Zwischen Hauptteil und Grußformel kannst Du im Bewerbungsanschreiben bei Bedarf drei Informationen einfügen: Deine Gehaltsvorstellungen (wenn darum in der Stellenanzeige gebeten wurde), den möglichen Eintrittszeitpunkt und die Bitte um Vertraulichkeit (wenn Du Dich aus einer Anstellung heraus bewirbst).
  • Aufforderung und Grußformel. Das Bewerbungsanschreiben sollte immer mit der Aufforderung enden, dass Du Dich über ein persönliches Gespräch freust. Mit einer Standard-Grußformel á la „Mit freundlichen Grüßen“ machst Du nichts falsch.
  • Anlagen. Verweise mit dem schlichten Wort „Anlagen“ am Ende des Bewerbungsanschreiben darauf, dass noch mehrere Dokumente zur Bewerbung gehören. Die einzelnen Dokumente musst Du nicht aufzählen.

Der Hauptteil – Das Herz des Bewerbungsanschreibens

Schwierige Aufgaben fallen leichter, wenn man sie in Einzelschritte unterteilt. Das funktioniert auch beim Aufbau des Anschreibens. Das Anschreiben lässt sich hervorragend in vier Blöcke gliedern:

  1. Block im Aufbau des Anschreibens: die Einleitung. Beschreibe kurz Deine aktuelle Situation: Machst Du gerade den Schulabschluss, hast Du die Ausbildung beendet oder arbeitest Du schon seit ein paar Jahren bei einem Unternehmen? Anschließend deutest Du im Bewerbungsanschreiben knapp an, warum Du Dich bewirbst: Möchtest Du in ein internationales Unternehmen wechseln? Suchst Du nach mehr Verantwortung? Oder ziehst Du schlichtweg um?
  2. Block im Aufbau des Anschreibens: Deine Qualifikationen. Welche Fertigkeiten hast Du erworben, die zu der Stelle passen? Wer bereits im Marketing arbeitet und sich auf eine Stelle dort bewirbt, kann einfach seine Berufserfahrung in Jahren angeben. Bei jüngeren Bewerbern zählen auch Erfahrung aus dem Studium, der Ausbildung oder Praktika.
  3. Block im Aufbau des Anschreibens: ein konkretes Projekt. Jetzt ist es an der Zeit, Erfolge aufzuzählen. Mache es dem Personaler so anschaulich wie möglich, indem Du ihm Beispiele nennst – die natürlich zur ausgeschriebenen Stelle passen. Hast Du im Beruf, der Ausbildung oder in Praktika in ähnlichen Projekten gearbeitet? Wenn die Berufserfahrung fehlt, können Beispiele aus dem Privatleben aushelfen: Wer sich um eine Ausbildung als Erzieherin bewirbt, darf im Bewerbungsanschreiben durchaus angeben, dass er sich um seine drei kleine Geschwister gekümmert hat.
  4. Block im Aufbau des Anschreibens: Motivation und Ziele. Genug von sich erzählt, jetzt sagst Du dem Unternehmen, warum Du gerade zu ihm möchtest. Reizt Dich die Internationalität oder gerade die Bodenständigkeit, der gute Ruf als Ausbilder oder die interessanten Aufstiegschancen – oder schlichtweg das tolle Produkt, das die Firma herstellt? Und welche Ziele möchtest Du erreichen?

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Verflixte Sprache: Typische Fehler im Bewerbungsanschreiben

Aufbau und Inhalt des Anschreibens zu kennen, ist ein guter Anfang. Jetzt musst Du es noch in aussagekräftige Worte fassen. Das ist meist der schwierigere Teil. Damit Du Dir daran nicht die Zähne ausbeißt, haben wir Dir die sprachlichen Stolperfallen zusammengefasst, die die meisten Bewerber ins straucheln bringen:

Lange, komplizierte Sätze. Unser Gehirn kann nur eine beschränkte Menge von Informationen auf einmal bearbeiten. Wird der Satz zu lang, steigen wir aus. Ob das auf Deine Sätze zu trifft, kannst Du einfach überprüfen: Lies das Bewerbungsanschreiben laut vor. Wenn Dir dabei die Luft ausgeht, ist auch der Satz zu lang.

Superlative. Viele Bewerber wollen im Bewerbungsanschreiben mit der Wortwahl beeindrucken statt mit dem Inhalt. Sie schreiben an das „erfolgreichste Unternehmen Ihrer Branche“ und nennen sich selbst einen „der kreativsten und motiviertesten Mitarbeiter“. Bleib auf dem Teppich. Wenn Du so ein toller Hecht bist, zähle lieber einen Erfolg als Beweis auf.

Konjunktive. Aufschneiden ist ebenso fehl am Platz wie falsche Zurückhaltung. Streiche alle „hätte“, „würde“ und „könnte“ aus dem Bewerbungsanschreiben. Nicht: „Ich würde mich über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch freuen.“ Sondern: „Ich freue mich …“

Passiv. Wenn Du im Bewerbungsanschreiben das Passiv verwendest, wirkst Du unselbstständig. Schreibe zum Beispiel nicht: „In meiner Ausbildung wurde mir beigebracht“. Sondern: „In meiner Ausbildung habe ich gelernt.“

Falsch geschriebene Namen. Damit wird Deine Bewerbung sofort aussortiert. Schaue bei ungewöhnlichen Firmennamen besser genauer hin und kontrolliere, ob man Frau Maier tatsächlich mit „ai“ schreibt oder doch mit „ey“ oder „ei“.

Sonderfall: Das Anschreiben für ein Praktikum

Kopfzerbrechen bereitet vielen das Anschreiben für ein Praktikum. Schließlich hat der Bewerber in der Regel wenig bis keine Berufserfahrung – und eben auch wenig Erfahrung mit dem Schreiben von Bewerbungen. Doch das ist kein Beinbruch. Die Grundregeln fürs Anschreiben gelten hier genauso. Nur die Blöcke zur Qualifikation und den bisherigen Projekten unterscheiden sich ein wenig:

Qualifikation. Wer noch keine Berufserfahrung hat, muss im Anschreiben für das Praktikum auf seine Schul- oder Studienerfahrung zurückgreifen, oder auf die Leistungen bisheriger Praktika. Das kann ein Studienprojekt sein oder eine Aufgabe, die Du in einem Praktikum übernommen hast. Oder auch ein Ferienjob, bei dem Du etwas Wichtiges gelernt hast.

Soft Skills. Im Anschreiben für das Praktikum kannst Du besonders mit Soft Skills punkten. Arbeitest Du gut im Team? Dafür sind Teamsportarten ein Beleg. Bringst Du Dir selbstständig Neues bei? Wenn Du in der Freizeit Deine eigene Internetseite programmierst, wäre das ein gutes Beispiel.

Motivation. Wer nicht mit seiner Erfahrung auftrumpfen kann, der sollte im Anschreiben fürs Praktikum seine Motivation ins Rennen schicken. Was reizt Dich an dem Praktikum? Die richtigen Argumente kann man gut mit einem kleinen Vortrag vor Eltern oder Freunden üben.

Nicht vergessen: Im Anschreiben fürs Praktikum solltest Du immer angeben, wann Du für das Praktikum Zeit hast. Überzeugt den Personaler Deine Bewerbung, bietet er dir vielleicht eine Alternative an, falls der Praktikumsplatz schon weg ist. Das kann er nur, wenn er weiß, wann Du Zeit hast.


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