Gehaltserhöhung trotz Krise? So klappt's

Gehaltserhöhung Corona-Krise © Anton Petrus / Getty Images

© Anton Petrus / Getty Images

Alle ein bis zwei Jahre kannst Du eine Gehaltserhöhung aushandeln, so die Faustregel. Doch Gehaltsverhandlung trotz Krise? Das klingt in Deinen Ohren vielleicht unrealistisch oder sogar dreist. Ist es aber nicht. Denn mit folgenden Tipps kann das Plus an Geld trotz Krise gelingen.

No Questions Defined

Natürlich lässt sich nicht pauschal sagen, dass Du derzeit mehr Gehalt fordern kannst. Es gibt durchaus Unternehmen, die von der Krise schwer getroffen und schlichtweg nicht in der Lage sind, höhere Gehälter zu bezahlen. Manchmal tun sie sich sogar mit den aktuellen Löhnen schwer. In dieser Situation nach mehr Geld zu fragen, ist dann kaum zielführend und zeugt nicht unbedingt von Loyalität. Ebenso wenig kann aber pauschalisiert werden, dass derzeit nicht der richtige Zeitpunkt für eine Gehaltsverhandlung sei. Für Dich lohnt es sich somit durchaus, Dich einmal intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen, um im Einzelfall die optimale Wahl zu treffen.

Die Unternehmensbranche berücksichtigen

Erst einmal ist es wichtig, dass Du einen ehrlichen Blick auf die Branche wirfst. Während einige Branchen kaum von der Corona-Krise betroffen sind, sind andere schwer gebeutelt. Arbeitest Du in einer Branche, die derzeit von Entlassungswellen geprägt ist, einen Einstellungsstopp verhängt hat, die Mitarbeiter in Kurzarbeit schickt oder ein ausbleibendes Wachstum verzeichnet, ist eine Gehaltsverhandlung eher nicht zu empfehlen.

„Eher“ – dieses Wort macht aber auch deutlich, dass es Ausnahmen von der Regel gibt. Wenn Du beispielsweise trotz Krise in eine höhere Position befördert wirst oder gerade wegen der Krise noch mehr Verantwortung trägst, mehr Leistung erbringen musst, längere Arbeitszeiten hast: In solchen oder ähnlichen Fällen kann auch noch mehr Gehalt ein fairer Deal sein. Hier brauchst Du also ein gewisses Fingerspitzengefühl, um abzuwägen, ob eine Gehaltserhöhung derzeit realistisch und vor allem angemessen ist.

Unternehmen müssen einzeln betrachtet werden

Aber nicht nur die Branche im Gesamten, sondern auch das einzelne Unternehmen entscheidet darüber, ob Du trotz Krise mehr Gehalt aushandeln kannst und solltest. Selbst in einer von der Krise hart getroffenen Branche kann es schließlich einzelne Unternehmen geben, denen es sehr gut geht – aus welchen Gründen auch immer. Andersherum kann es bei Deinem Arbeitgeber aus anderen Gründen kriseln, obwohl die Branche eigentlich nicht betroffen ist. Wirf daher auch einen genaueren Blick auf das Unternehmen und dieselbe Frage, nämlich wie realistisch eine Gehaltserhöhung momentan ist.

Deine individuelle Situation analysieren

Zuletzt kommt noch ein dritter Faktor ins Spiel, und zwar Du selbst. Unabhängig von der Situation des Arbeitgebers gibt es schließlich Anlässe, zu denen eine Gehaltserhöhung üblich ist. Wie bereits erwähnt, kann dies bei einer Beförderung der Fall sein, bei der Übertragung neuer Aufgabenbereiche oder ähnlichen Veränderungen. Auch der erfolgreiche Abschluss eines Projektes, für den Du sehr gelobt wurdest, oder ähnliche Erfolge werden gerne als Anlass für eine Gehaltsverhandlung genutzt. Ist dies bei Dir der Fall, solltest Du Dich nicht von der Krise abschrecken lassen – zumindest dann nicht, wenn es dem Unternehmen noch vergleichsweise gut geht.

Tipps für die Gehaltsverhandlung trotz Krise

Es kann also auch in der Corona-Krise gute Gründe geben, weshalb Du eine Gehaltserhöhung fordern kannst und solltest. Einige Unternehmen nutzen diese nämlich auch nur als Vorwand, um Kosten einzusparen, obwohl das nicht wirklich notwendig ist. Durchaus kann es also sein, dass Deine Chancen auf ein „Ja“ derzeit schlechter stehen als sonst. Umso wichtiger ist es, dass Du für Dich einstehst, selbstbewusst auftrittst und gute Argumente lieferst. Auf das Dir zustehende Mehr an Geld solltest Du nämlich auch in der Krise nicht verzichten, sofern Du sicher bist, dass Dein Arbeitgeber sich dieses leisten kann. Folgende Tipps helfen Dir dann dabei:

  • Klare Ziele setzen, sprich einen konkreten Verhandlungsspielraum für die Gehaltserhöhung oder potenzielle Alternativen.
  • Alternativen können vor allem in der aktuellen Krise einen hervorragenden Kompromiss darstellen, zum Beispiel ein (höheres) Bildungsbudget, ein Geschäftswagen, eine Homeoffice-Regelung, o. ä.
  • Konkrete Argumente zurechtlegen, weshalb die Gehaltserhöhung gerade jetzt angemessen ist. Eine gute Leistungsbeurteilung, eine Beförderung & Co können diese Argumente schlagkräftig untermauern.
  • Herausstellen, weshalb Du vor allem in der aktuellen Corona-Krise unverzichtbar bist und auch hier entsprechende Beweise für Deine Behauptungen liefern. Das ist umso wichtiger, wenn Du in letzter Zeit (viel) im Homeoffice gearbeitet hast und somit unter dem Radar der Vorgesetzten.
  • Niemals betteln oder drohen, ansonsten schadet die Gehaltsverhandlung mehr, als dass sie bringt. Drohst Du beispielsweise mit einem Jobwechsel, musst Du diesen schließlich auch durchziehen, ansonsten machst Du Dich unglaubwürdig.

Lehnt der Arbeitgeber hingegen ab oder befindet sich tatsächlich in solchen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, dass er keine Gehaltserhöhung stemmen kann, ist also ein Jobwechsel eine Alternative. Falls Du andere Perspektiven in Deiner Branche hast, vielleicht sogar ein konkretes Jobangebot vorliegt, kann diese Chance somit die bessere Entscheidung sein. Denn von einem sinkenden Schiff solltest Du rechtzeitig abspringen. Trotzdem ist dieser nicht immer möglich oder erwünscht. Dann lautet die Devise: Akzeptiere das „Nein“, warte geduldig, bis die Corona-Krise überstanden ist – und versuche daraufhin erneut Dein Glück mit einer Gehaltsverhandlung!

06.11.2020