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Die Zukunft der Bewerbung: Papier mag (fast) keiner mehr

Zukunft der Bewerbung

©Westend61 / Getty Images

Welche Bewerbungswege werden von Unternehmen und Jobsuchenden bevorzugt? Eine aktuelle Studie über die Zukunft der Bewerbung bringt zum Teil erstaunliche Ergebnisse zutage.

Während Briefe auf Papier schon lange mehr und mehr zum Relikt der Vergangenheit werden, ist die klassische Bewerbung per Post bei vielen eher traditionell geprägten Unternehmen bislang noch durchaus häufig gesehen: 17 Prozent aller Bewerbungen gehen bei den befragten Unternehmen derzeit in Papierform ein, hat eine aktuelle Untersuchung gezeigt. Gewünscht ist das jedoch eigentlich von beiden Seiten nicht mehr – nur knapp fünf Prozent der großen Unternehmen würden auch in Zukunft noch gern die Bewerbung auf Papier sehen, auf Seiten der Bewerber sind es sogar nur 1,5 Prozent. Das ist ebenfalls Ergebnis der Studie, die in Kooperation des Online-Stellenportals Monster mit dem Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universität Bamberg entstanden ist.

Für das Themenspecial „Bewerbung der Zukunft“ wurden 126 der Top-1.000-Unternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz und mindestens 250 Mitarbeitern, 88 der Top-1.000-Unternehmen des Mittelstands (Umsatz von zehn bis 50 Millionen Euro sowie 50 bis 250 Mitarbeiter) sowie 37 der Top-300-Unternehmen aus der IT-Branche in Deutschland befragt. Die Einschätzungen von 3400 Kandidaten haben die Untersuchung ergänzt.

Viele Bewerber mögen keine Online-Formulare

Zwar reicht derzeit fast jeder fünfte Kandidat seine Bewerbung für ein großes Unternehmen in Papierform ein. Danach gefragt wünscht sich jedoch kaum eines der Unternehmen tatsächlich diese Art Bewerbung – 67,6 Prozent der Firmen bevorzugen das Online-Bewerbungsformular. Doch das kommt wiederum bei den Kandidaten nicht besonders gut an: Nicht einmal jeder Fünfte bewirbt sich gern auf diesem Wege. Die potentiellen Arbeitnehmer möchten sich dagegen deutlich häufiger per E-Mail bewerben, das wünschen sich 72,9 Prozent. Damit liegen die Bewerber mehr auf einer Wellenlänge mit den mittelständischen Unternehmen, von denen 59, 8 Prozent ebenfalls die Bewerbung per E-Mail gern häufiger sehen würden.

Während sich Unternehmen und Bewerber einig darüber sind, dass sie eine digitale der Papierbewerbung bevorzugen, so gibt es also dennoch Unterschiede darin, welchen konkreten Weg sie für den besseren halten. Bislang sind die Bewerber jedoch bereit, sich den Vorstellungen der Unternehmen anzupassen. Obwohl die Formularbewerbung bei den Kandidaten eher unbeliebt ist, würden lediglich 6,4 Prozent darauf verzichten, sich bei einem Arbeitgeber zu bewerben, der diese Form der Kontaktaufnahme wünscht. Während die Ausrichtung auf digitale Bewerbungen das Verfahren für viele Kandidaten und Unternehmen vereinfachen dürfte, zeigt sich in der Studie doch deutlich, dass es beiden Seiten nicht nur darum geht, möglichst wenig Aufwand zu haben.

Die Zukunft der Bewerbung könnte vor allem mobil sein

Die sogenannte One-Click-Bewerbung ermöglicht es Bewerbern, ihr aktuelles Profil mit nur einem Klick beispielsweise aus einem Karrierenetzwerk in die Datenbank eines potentiellen Arbeitgebers zu importieren oder auch per E-Mail zu versenden. Das hält zwar den Aufwand des Bewerbungsprozesses denkbar niedrig – jedoch glaubt mehr als die Hälfte der Bewerber, dass auf diese Art eine individualisierte Bewerbung erschwert wird. Gleichzeitig gehen 71,3 Prozent der im Rahmen der Studie befragten Kandidaten davon aus, dass eine individualisierte Bewerbung mehr Erfolg verspricht als eine standardisierte, sodass sich das One-Click-Modell vorerst nicht flächendeckend durchsetzen dürfte. Das ist übrigens auch nicht im Interesse der großen Unternehmen: Nur 9,5 Prozent bieten das One-Click-Verfahren an. Zwar planen 17,9 Prozent, die Methode einzuführen – 72,6 Prozent der befragten Firmen sagen jedoch klar, dass sie das nicht vorhaben.

Weitaus bedeutenderes Veränderungspotential weisen viele Unternehmen in Bezug auf das Bewerbungsverfahren den mobilen Endgeräten wie Smartphone oder Tablet zu. 72,2 Prozent glauben, dass die Nutzung dieser einen großen Einfluss auf die Rekrutierung von Kandidaten haben wird, da beispielsweise Bewerber situations- und ortsbezogen angesprochen werden könnten und sich auf diese Art auch die eigene Reichweite bei der Kandidatenansprache erhöhe.

Hier gibt es zurzeit jedoch noch eine Lücke zwischen den Optimalvorstellungen und den tatsächlichen Bedingungen. Zwar heben viele Firmen die Bedeutung der mobilen Endgeräte für die Zukunft der Bewerbung hervor, jedoch bietet bisher mehr als die Hälfte der befragten Top-1000-Unternehmen gar kein Mobile Recruiting an. Aktuell scheint auch das Verständnis für das Thema noch nicht überall angekommen zu sein. Bei den großen Firmen gaben für die Studie immerhin 64,1 Prozent an, über ein Grundverständnis bezüglich der technischen Einsatzmöglichkeiten des Mobile Recruitings zu verfügen. Im Mittelstand waren es nur noch 46,8 Prozent.

Viele der befragten Unternehmen äußerten zwar hohes Interesse an dem Einsatz von Mobile Recruiting, fürchten zurzeit jedoch noch vor allem zwei Dingen: hohe zusätzliche Kosten und großen technischen Aufwand.

Text: Antonia Thiele


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