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Wie viele Praktika sind sinnvoll für eine Bewerbung?

Wie viele Praktika sind sinnvoll für eine Bewerbung?

©Ulrich Baumgarten / Getty Images

Gerade Jobanfänger sind stolz auf ihre Praktika, schließlich sind diese oft ihre einzige Berufserfahrung. Doch zu viele Praxisstationen können auch peinlich sein. Wichtiger für Personaler ist ein „roter Faden“ im Lebenslauf.

Der eine Bewerber hat als Dauerpraktikant bereits bei zahlreichen Unternehmen Station gemacht. Ein anderer Jobanwärter kann nur sein Pflichtpraktikum vorweisen, weil er zügig fertig studiert hat. Wer hat nun die besseren Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch? „Wenn Praktika im Lebenslauf komplett fehlen, kann das ein Grund sein, die Bewerbung auszusortieren“, sagt Susanne Senft, Karriereberaterin und Coach aus Hochheim am Main.

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Bewerber ohne Praxiserfahrung hätten oft schlechte Karten, weiß die ehemalige Personalerin. Allerdings komme es auch auf die Branche und das Unternehmen an: „Große und internationale Unternehmen legen sehr viel Wert auf die passenden Stationen“, berichtet Senft. Bei mittelständischen Betrieben sei es dagegen oft nicht ausschlaggebend, ob der Bewerber nun ein Praktikum mehr oder weniger gemacht habe.

„Praktika sind immer ein Zeichen dafür, dass der Bewerber schon Erfahrung hat und weiß, wie ein Unternehmen funktioniert“, sagt auch Katharina Heuer, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Personalführung in Frankfurt. Doch Praktika sind auch nicht alles: „Ich kenne Bewerber, die noch nie ein Praktikum gemacht haben“, berichtet die HR-Expertin. Dafür weist der Lebenslauf zum Beispiel viel ehrenamtliches Engagement auf – oder der Kandidat hat in Forschungsprojekten an der Uni mitgearbeitet. „Auch das sind wertvolle Erfahrungen.“

Klasse statt Masse bei der Praktika-Auswahl

Unternehmen wollen also keine unerfahrenen Grünschnäbel. Doch zu viele Hospitanzen sollten es auch nicht sein, sonst legt die Personalabteilung das womöglich als Zeichen von Unentschlossenheit aus. „Ein bis zwei Praktika reichen oft aus, wenn sie gut zum künftigen Job passen“, sagt Senft. Drei bis vier wären ideal. Liegt die Zahl der Praktika wesentlich darüber, rät sie Bewerbern, eine Auswahl zu treffen: Wer als Student bereits sechs oder sieben Gastspiele absolviert habe, könne ruhig auch das eine oder andere weglassen.

„Gerade Berufsanfänger haben häufig das Bedürfnis, alles mit in die Bewerbung hinein zu nehmen“, weiß die Karriereexpertin. In der Regel hat das Schülerpraktikum aus der 10. Klasse aber im Lebenslauf ebenso wenig verloren wie der Hilfsjob als Kellner während des Studiums. Stattdessen kommt es bei der Auswahl auf Klasse statt Masse an: „Es ist schön, wenn sich durch die Praktika bereits ein roter Faden zieht.

Heuer würde dagegen auch fachfremde Praktika im Lebenslauf nennen: „Man sollte immer alles aufschreiben, was relevant sein könnte.“ Schließlich könne niemand vorher wissen, wonach der Personaler sucht. Aus Sicht des Unternehmens sei immer die Frage entscheidend: Was hat das Praktikum dem Bewerber gebracht? „Das bekommt man oft erst im Vorstellungsgespräch heraus.“

Längere Praktika sind besser als kurze Hospitanzen

Auch ein Auslandspraktikum kann ein Glanzlicht sein: „Damit kann sich der Bewerber von anderen abheben“, sagt Senft. Gerade bei internationale Konzerne komme eine Auslandsstation gut an. Wichtig sei aber auch die Dauer des Praktikums: „Mindestens über zwei, besser über drei Monate sollte ein Praktikum schon gehen“, empfiehlt die Trainerin. Erst dann würde der Praktikant wirklich etwas lernen. Von kurzen Hospitanzen rät sie ab.

„Nach einem Monat sind Praktikanten meist erst im Unternehmen angekommen“, sagt auch Heuer. Wer länger Praxisluftschnuppern möchte, muss dafür allerdings schon fast ein Urlaubssemester nehmen: Durch die eng getakteten Bachelor- und Master-Studiengänge können alle Studenten weniger Praktika machen. „Ich würde trotzdem immer versuchen, während des Studiums das eine oder andere Praktikum zu absolvieren.“ Einige Studiengänge sehen auch ein Praxissemester als Teil des Studiums vor.

Praktikum nicht erst nach dem Studium machen

Bei Praktika nach dem Studium rät Heuer zur Vorsicht: „Ein oder zwei Praktika als Überbrückung vom Bachelor zum Master sind völlig in Ordnung, aber wer nach dem Studium als Dauerpraktikant endet, tut sich selbst damit keinen Gefallen.“ Das ist allerdings gar nicht mehr so einfach wie noch vor einigen Jahren: Das Gesetz zum Mindestlohn erschwert es Absolventen, nach dem Studium überhaupt noch ein Praktikum zu machen.

„Wer eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen hat, darf eigentlich nicht mehr als Praktikant beschäftigt werden“, bestätigt Senft. Ohnehin würden Personaler zu viele Praktika nach dem Studium eher kritisch sehen. Die Karriereberaterin empfiehlt deshalb, nach dem Abschluss nur noch dann ein Praktikum zu machen, wenn auch eine echte Chance auf Übernahme besteht.

Text: Peter Neitzsch


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