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Freiwilliges Engagement verbessert Jobchancen

Ehrenamtliches Engagement im Lebenslauf

©MShep2 / Getty Images

Wer neben dem Studium einem ehrenamtlichen Engagement nachgeht, verbessert seine Einstellungschancen bei vielen Unternehmen deutlich. Wir zeigen, welche Tätigkeiten bei Personalern besonders gut ankommen.

Zwischen den eigenen Vorlesungen noch ein Statistik-Seminar als Tutor halten? Am Wochenende ehrenamtlich in der Suppenküche helfen? Die Semesterferien mit einem Hilfsprojekt in Afrika verbringen? Weil immer mehr Firmen bei der Bewerbung „außerstudentisches Engagement“ verlangen, fühlen sich viele Studenten schon während der Uni-Zeit unter Druck. Wie viel muss man machen, und vor allem was? Und kann man mit strategisch richtigen Aktivitäten schon die Weichen für den Traumjob stellen?

Andreas Schiessl war in seiner Freizeit schon immer gerne aktiv: Er war Snowboardlehrer, Kapitän beim Fußball und an der Uni hat er Firmenbesuche organisiert. In ein Projekt aber steckte er Herzblut wie in kein anderes: die „Bekleidungs-WM 2010“. „Unter dem Motto „Dein Schuh für Afrika“ habe ich mit Freunden in Fußballklubs Trainingskleidung vom Trikot bis zum Schuh gesammelt.“ 400 Paar Schuhe, mehr als 200 Bälle und Trikots schickten sie nach Gambia und reisten hinterher, um die Sachen zu verteilen.

Präsentieren Sie Ihre ehrenamtlichen Erfolge selbstbewusst im Lebenslauf

Im Lebenslauf für die Bewerbung als Trainee bei BMW hat er das Projekt unter sozialem Engagement angegeben. Martina Malec, Recruiterin bei der BMW Group erklärt, warum das – neben der Qualifikationen, die Schiessl mitbrachte – wichtig war: „Im Trainee-Programm fragen wir explizit nach ehrenamtlichem Engagement.“ Auch Markus Kumpf, bei Siemens Deutschland verantwortlich für die Einstellung, sagt: „Die Tätigkeiten sind für uns ein gutes Instrument, zu erkennen, was den Bewerber ausmacht. Bachelor Internationale BWL – den Studiengang kann ich mir auch im Internet anschauen.“ Außerdem bieten außergewöhnliche Projekte gute Anknüpfungspunkte im Bewerbungsgespräch. Auch Andreas Schiessl kann das bestätigen: „Im Bewerbungsgespräch bestand großes Interesse daran. Ich habe davon erzählt, dass es mich auch persönlich weitergebracht hat“, sagt er.

Schon in der Bewerbung deutlich zu machen, was das Engagement einem gebracht hat, ist wichtig: „Lassen Sie das nicht den Personaler deuten“, sagt BMW-Recruiterin Malec. Siemens-Experte Kumpf ergänzt: „Wer Reiseleiter war, hat fremde Kulturen kennen gelernt, eine Gruppe geleitet, viel organisiert: Machen Sie klar, dass das Ihre Eigeninitiative, Kommunikationsstärke und ihr Verantwortungsbewusstsein geschult hat. Egal ob man bei der Feuerwehr oder am Max-Planck-Institut gearbeitet hat: Immer auflisten, was Sie gelernt haben.“

Auch die Headhunterin Bärbel von Riegen erkennt diesen Trend: „Die Angabe eines Engagements neben dem Studium nimmt immer mehr an Wert zu. In manchen Firmen ist sie mittlerweile ebenso wichtig, wie eine Supernote oder Job-Erfahrung.“ Sie rät sogar, nicht nur die erworbenen Soft Skills herauszustellen, sondern die erreichten Ziele für Verein oder Auftraggeber mit Zahlen zu unterstreichen: „Wie zum Beispiel, dass man 1200 Euro für kranke Tiere gesammelt hat. Oder mitgeholfen hat, die Nachbereitungszeit für Feuerwehreinsätze um 17 Prozent zu verringern.“

Sogar Tätigkeiten, wie Babysitting oder Zeitungsaustragen sollten aufgeführt werden. „Damit demonstriert man dem zukünftigen Arbeitgeber, dass man Verantwortung übernehmen kann und zuverlässig ist. Mitgliedschaften in der Feuerwehr und im Schachverein zeigen, dass ein junger Bewerber ohne Arbeitserfahrung teamfähig ist und sich in bestehende Strukturen gut einfinden kann.“ Auch Andreas Schiessl sieht ganz konkret, was ihm sein Engagement gebracht hat: „Mit dem Organisationsaufwand und der Koordination der vielen Menschen war das eigentlich meine erste Erfahrung in Projektleitung.“

Das Engagement sollte idealerweise zum angestrebten Job passen

Sollte man das außerstudentische Engagement also dem zukünftigen Job anpassen? Laut BMW-Recruiterin Malec kann das nicht schaden: „Wenn jemand Personalwesen studiert, passt es gut, wenn er jungen Menschen bei Bewerbungen hilft. Bei Ingenieuren könnte es besser passen, wenn sie ehrenamtlich in einer Werkstatt Menschen helfen, kaputte Geräte wieder zusammenzuflicken.“

Wer sich mit solchen passenden Tätigkeiten schwer tut, aber sportlich aktiv ist, kann auch hiermit punkten: „Sport fordert Eigenschaften wie Disziplin und Ehrgeiz, die für den Job auch wichtig sind“, sagt Malec. Und ein weiterer Aspekt kommt hier hinzu: Laut Headhunterin Bärbel von Riegen legen viele Firmen bei der Besetzung von Führungspositionen Wert darauf, dass der zukünftige Mitarbeiter sportlich aktiv ist – vorzugsweise sogar als Trainer. „Neben der Teamfähigkeit zählen hier auch Aspekte wie psychische Gesundheit, Verminderung des Krankenstandes oder gesunde Work-Life-Balance“, sagt sie.

Wer verschiedene Tätigkeiten gemacht hat, sollte keine Bedenken haben, den Lebenslauf an den jeweiligen Job anzupassen. „Das gilt sogar, wenn man sich für mehrere Jobs im gleichen Unternehmen bewirbt“, sagt Markus Kumpf von Siemens. „Es lohnt sich, die Zeit zu investieren, den Lebenslauf immer individuell anzupassen und Erfahrungen stärker zu betonen, die passen“, sagt er.

Auch wenn viele bei ihren Aktivitäten schon den Nutzen für die Karriere im Blick haben, sollte alles authentisch sein, rät Malec: „Suchen Sie sich etwas, hinter dem Sie wirklich stehen und was wirklich den eigenen Interessen entspricht.“ Sonst kann der Schuss nach hinten losgehen: „Ich hatte mal einen Bewerber, der hat als Hobby Halbmarathon angegeben. Einer der Interviewer machte das auch, fragte nach und da stellte sich heraus, dass es für den Kandidaten eher eine Horrorerfahrung war und er es nur einmal gemacht hat“, sagt Kumpf von Siemens. Solche Peinlichkeiten schaden dann eher.

Bei Andreas Schiessl hat es geklappt, sein Engagement war wichtig für die Einstellung. Dennoch rät er, nicht nur die Karriere im Blick zu behalten, sondern es auch für sich selbst zu tun: „Die Aktion hat meinen Horizont erweitert: Der Kontakt zu sozial eingestellten Menschen, die das Wohl anderer über ihr eigenes stellen, ohne einen Vorteil für sich selbst zu erwarten, hat mich beeindruckt.“ Und man werde zufriedener: „Auch wenn man sich natürlich auch mal über etwas ärgert, besinnt man sich schnell darauf, wie gut es einem eigentlich geht.“

Text: Maria Zeitler


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