Networking für Frauen: Raus aus dem Mikrokosmos

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Fast jede dritte Stelle wird bereits durch persönliche Kontakte vermittelt. Neue Networking-Angebote bieten branchenübergreifende Treffen, vor allem für Frauen.

Eine neue Stelle zu bekommen, ist ohne Kontakte und persönliche Empfehlungen in vielen Arbeitsbereichen kaum mehr möglich. Zwar spielt sich eine Karriere oft innerhalb eines Bereiches ab. Es gibt aber auch gute Gründe, sich ein funktionierendes Netzwerk außerhalb der eigenen Branche aufzubauen. Helfen können dabei entsprechende Networking-Veranstaltungen. Melanie Schütze hat im Frühjahr 2015 das branchenübergreifend arbeitende Netzwerk „Alsterloge“ gegründet, das sich an junge Frauen von Mitte 20 bis Ende 30 richtet. Bis dahin hatte der Inhaberin der Agentur Schwarmverhalten ein Angebot gefehlt, das insbesondere Frauen am Anfang ihrer Karriere fördert. Zu den Treffen kommen jeweils 80 bis 100 Frauen aus verschiedenen Branchen.

Networking ist nicht nur was für Männer

„Ich bekomme oft schon Teilnahme-Anfragen von Frauen Anfang 20, die gerade erst dabei sind, in den ersten Job einzusteigen, aber ihren Horizont erweitern wollen“, sagt Melanie Schütze. Viele bestehende Netzwerk-Veranstaltungen würden eher von Männern wahrgenommen, die teilweise schon seit Jahren oder Jahrzehnten im Berufsleben stehen. „Junge Frauen fühlen sich da oft nicht ernst genommen und haben auch nicht unbedingt die gleichen Erwartungen an solche Treffen.“ Studien zeigen, dass Frauen berufliche Kontakte häufig eher langfristig nutzen und sich vom Networking weniger den sofortigen Austausch von Jobs erwarten. Für die Karriere kann es jedoch dennoch sehr wichtig sein, branchenübergreifende Kontakte zu knüpfen. „Wer seinen Mikrokosmos verlässt, bekommt Inspiration. Ich glaube an Co-Creation: Dinge werden besser, wenn sie von mehreren Menschen gemeinsam angegangen werden“, sagt Melanie Schütze, die inzwischen mit Kooperationspartnern wie Google, Tesla und XING zusammenarbeitet. Als Sprecher traten bei den „Alsterloge“-Treffen bislang unter anderem Heidi Stopper, früherer Personalvorstand bei ProSiebenSat.1, und der Manager und Journalist Rolf Schmidt-Holtz auf. Und auch wenn der geknüpfte Kontakt nicht auf eine direkte Zusammenarbeit hinausläuft: „In vielen Fällen unterscheiden sich zwar die Branchen, in denen zwei Menschen arbeiten, die Arbeit an sich ist aber ganz ähnlich. Der Wissenstransfer hilft dabei, sich „Best-Practice-Beispiele“ für den eigenen Job anzueignen.“

Ein gutes Netzwerk ist in der Bewerbung ein echter Pluspunkt

Oft kann ein stabiles Netzwerk auch dabei helfen, gegenüber dem Arbeitgeber zu punkten – sei es in der Bewerbungsphase oder im bestehenden Job. „Besonders für Menschen, die sich auf eher extrovertierte Positionen wie beispielsweise im Vertrieb oder im Marketing bewerben, ist es wichtig, ein gutes Netzwerk vorweisen zu können“, sagt Melanie Schütze. „Arbeitgeber fragen sich: Was bringt ein Bewerber mit, wie kann er meinem Unternehmen nützen? Über gute Kontakte eine große Reichweite zu haben, fällt dann positiv auf.“ Dass Frauen eher mit langfristigen Absichten netzwerken, muss kein Nachteil sein. Denn oft ist die Bedeutung eines funktionierenden Netzwerkes erst klar erkennbar, wenn man darauf angewiesen ist. Notgedrungen zum Beispiel, wenn die Branche, in der man bisher tätig war, in einer Krise steckt. Melanie Schütze: „Wer sich schon im Vorfeld mit entsprechenden Kontakten abgesichert hat, hat es leichter, falls er sich umorientieren muss.“ Wer sich entschlossen hat, zu einem Networking-Treffen zu gehen, kann einige Dinge beachten:
  • Ratgeber, die sich mit dem Thema Networking befassen, sollte man am besten direkt weglegen. „Damit macht man sich nur schon im Vorfeld verrückt. Es ist nicht entscheidend, einen ausgeklügelten Plan für den Abend zu haben oder eine bestimmte Anzahl von Menschen festzulegen, mit denen man gesprochen haben will. Im Gegenteil, es verunsichert eher“, sagt die „Alsterloge“-Gründerin.
  • Wer ein eher introvertierter Mensch ist, für den sind Netzwerk-Treffen naturgemäß ein schwierigeres Terrain. Aber niemand muss allein in der Ecke stehen und sich an seinem Glas festhalten „Es schadet überhaupt nicht, einen Freund oder eine Freundin mitzunehmen“, sagt Melanie Schütze. Als „wing-(wo)man“ biete sich jemand an, dem die Kontaktaufnahme mit Fremden leichter fällt. „So wird es auf jeden Fall ein schöner Abend.“
  • Es gibt kein bestimmtes Ziel, das bei der Veranstaltung erreicht werden muss. Stattdessen: ergebnisoffen zu dem Treffen gehen. „Dadurch nimmt man sich selbst den Druck und kann den Blick wieder mehr auf die menschliche Komponente des Abends richten: nette Leute zu treffen und einfach Spaß zu haben.“
Eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, der Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, zeigt, dass 2015 in Deutschland im Schnitt jede dritte Stelle durch persönliche Kontakte besetzt wurde. Bei Akademikern war es etwas weniger, aber immer noch jede fünfte. Über soziale Medien konnten dagegen insgesamt nur knapp zwei Prozent der offenen Stellen besetzt werden. Offline-Kontakte behalten also auch im Job ihre hohe Bedeutung. „Die meisten von uns sind online extrem gut vernetzt, aber diese Kontakte sind oft nicht sehr verbindlich“, sagt Melanie Schütze. „In direktem Austausch zu stehen, Zeit miteinander zu verbringen, wird wieder wichtiger.“ Text: Antonia Thiele
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14.02.2017