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Erfolgreich bewerben trotz kurvigem Lebenslauf

Ein Kurviger Lebenslauf muss kein Hindernis bei der Jobsuche sein

© Foto: Dominik Gehl / EyeEm / Getty Images

Ein sehr mäßiger Schulabschluss, ein abgebrochenes Studium, häufige Berufswechsel, lange Auszeiten wegen Krankheit oder mehrere Monate der Arbeitslosigkeit – die wenigsten Bewerber können einen komplett geradlinigen Lebenslauf präsentieren. Trotzdem muss man damit keine schlechten Karten bei der Jobsuche haben.

Seien wir ehrlich: Natürlich gibt es gute Gründe dafür, Bewerber abzulehnen, die schon unzählige Male eine neue Richtung eingeschlagen und dann doch immer wieder die Flinte ins Korn geworfen haben, ohne letztlich irgendwo auf den grünen Zweig zu kommen. Und es gibt durchaus auch Personaler, die großen Wert auf den roten Faden im Lebenslauf legen und unstete Werdegänge von vornherein aussortieren.

Manche Arbeitgeber jedoch sind offener für Bewerber mit Ecken und Kanten, schauen genauer hin oder suchen sogar gezielt nach Kandidaten, die eigene Entscheidungen infrage gestellt, Phasen der Selbstreflexion durchlaufen und auf Entwicklungen, die vielleicht von außen kamen, flexibel reagiert haben.

Wenn ein Unternehmen viel Wert auf eine gute Fehlerkultur legt, sucht es zum Beispiel vielleicht Mitarbeiter, die sich nach einer schwierigen Phase bewusst eine Auszeit genommen haben. Und wenn es in einer Stelle auf Mut zur Innovation, Flexibilität und Improvisationstalent ankommt, können Quereinsteiger oder Kandidaten, die Umwege über andere Branchen genommen haben, besondere Kompetenzen und neue Perspektiven einbringen. Auch wenn jemand eine Krise wie etwa eine schwere Krankheit überwunden oder während einer Elternzeit Verantwortung übernommen hat, beweist er damit persönliche Stärke.

Natürlich hilft es Bewerbern, sich bei der Karriereplanung Ziele zu setzen und die notwendigen Schritte zu unternehmen, die sich daraus ableiten lassen. Allerdings sollten sie sich auch vor Augen führen, dass sich das Leben und die Karriere nicht eins zu eins durchplanen lassen, so dass ein gewisses Maß an Zufällen immer Teil des Erfolgs sein wird. Es kommt also darauf an, die Augen offen zu halten, auch mal den Blick über den Tellerrand zu wagen, flexibel auf Schicksalsschläge zu reagieren und Chancen zu ergreifen – auf die Gefahr hin, dass Umwege durchaus auch mal in die Sackgasse führen können.

Ein Lebenslauf muss nicht gerade sein – wenn man ihn aktiv gestaltet

Wichtig ist es, den eigenen Werdegang auch in schwierigen Situationen aktiv zu gestalten, anstatt sich in die Opferrolle zu begeben. Haben Sie das Gefühl, nicht voranzukommen, so können Sie sich zum Beispiel durch ein Praktikum, eine ehrenamtliche Tätigkeit oder eine Weiterbildung neu orientieren. In der Bewerbungssituation kommt es dann darauf an, diese Entscheidung gut zu begründen.

Auch wenn sich eine Entscheidung als Fehler herausgestellt hat, gilt es, reflektiert damit umzugehen: Wie ist es zu dieser Fehlentscheidung gekommen? Können Sie vielleicht dennoch positive Erfahrung aus dieser Lebensphase ziehen? Und was haben Sie aus dem Fehltritt gelernt?

Vielleicht lässt Ihr Notendurchschnitt zu wünschen übrig, weil Sie neben dem Studium eine Familie zu versorgen hatten oder weil sie sich auf bestimmte, für das Berufsziel besonders wichtige, Fächer konzentrieren wollten? Vielleicht haben Sie Kraft bewiesen, indem sie nach einer schwierigen Zeit einen Neuanfang gewagt haben? Vielleicht haben Sie einen tollen Businessplan für Ihr Unternehmen erstellt, sich dann aber auf die falsche Zielgruppe konzentriert, so dass das Startup innerhalb weniger Wochen insolvent gegangen ist? Und vielleicht haben sie auch Durchhaltevermögen gezeigt, als sie sich nach zahlreichen erfolglosen Bewerbungen für eine Weiterbildung entschieden haben?

Erst wenn Sie den eigenen Werdegang reflektiert haben und mit sich selbst im Reinen sind, können Sie Ihrem potentiellen Arbeitgeber auch offen und ehrlich kommunizieren, warum Sie trotz – oder gerade wegen – des kurvigen Lebenslaufs der passende Kandidat für die zu besetzende Stelle sind. Der Versuch, die eigenen Macken zu verschleiern oder bestimmte berufliche Stationen zu erfinden, fliegt meist auf. Denn ein kompetenter Personaler wird ihnen durch die richtigen Nachfragen auf den Zahn fühlen. Und wenn sich später herausstellt, dass Sie Qualifikationen vorgetäuscht haben, ist das sogar ein Kündigungsgrund.

Überlegen Sie sich stattdessen eine schlüssige Erklärung, die der Wahrheit entspricht. Legen Sie diese im Anschreiben sachlich dar und formulieren Sie schon im Vorfeld des Vorstellungsgesprächs Argumente, um auf Nachfragen souverän antworten zu können – ohne allzu sehr ins Detail zu gehen. So können Sie den potentiellen Arbeitgeber davon überzeugen, dass Sie die Herausforderungen der Vergangenheit erfolgreich gemeistert haben und nun mit neuer Kraft in die Zukunft starten möchten. Vielleicht können Sie von den Erfahrungen, die sie in der Vergangenheit gemacht haben, im künftigen Job sogar profitieren.

Text: Janna Degener-Storr


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