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Der Rat der Weisen: "Zeitdiebe werden nicht gebraucht!"

Fehler_im_Bewerbungsgespräch

©:StockFinland / Getty Images

Man kann schlecht angezogen sein, zu cool oder zu schüchtern – aber der größte Fehler im Bewerbungsgespräch ist einer, den man ganz leicht vermeiden kann.

Wenn es um berufliche Fragen oder Probleme geht, greift man gerne auf die Meinung von Fachleuten zurück, je erfahrener, desto besser. Darum haben wir den „Der Rat der Weisen“ von Bewerbung.com ins Leben gerufen. Das ist eine Gruppe hochkarätiger Personal- und Karriereexperten, die von nun an regelmäßig mal ständig wiederkehrende, mal außergewöhnliche Fragen rund um die Themen Bewerbung, Gehalt und Karriere beantworten werden. In der Premieren-Folge unserer Kolumne widmet sich Claus Peter Müller-Thurau* folgender, klassischer Frage:

„Herr Müller-Thurau, was ist der wirklich allergrößte Fehler, den man in einem Bewerbungsgespräch machen kann?“

„Eine schlechte Vorbereitung. Was im Berufsleben für Meetings, Kundengespräche und Verhandlungen gilt, gilt auch für das Vorstellungsinterview. Wer in solche Veranstaltungen hineinstolpert, kann nicht auch noch erfolgreich sein wollen.

Bewerben ist nun mal wie flirten. Ein Unternehmen möchte sich auserwählt fühlen. Und da muss man glaubwürdig die nicht immer direkt formulierte Frage beantworten, warum man denn seinen weiteren Berufsweg mit dem fraglichen Unternehmen gehen wolle. Kein Betrieb ist – um im Bild zu bleiben – an einem „One-Night-Stand“ interessiert. Bewerberinnen und Bewerber, die den Verdacht erregen, nur „unterkommen“ zu wollen, kassieren eine Absage. Etwas Herzblut sollte schon dabei sein.

„Dann blickt der Geschäftsführer in die toten Augen von London“

Aber wie erkennt der erfahrene Personaler die gute Vorbereitung des Jobaspiranten? Natürlich durch Fragen. Etwa: „Was wissen Sie über die Geschichte unseres Hauses?“ Oder: „Wie stehen Sie unseren Core-Values?“ Wer diese nicht benennen kann, ist zu Recht aus dem Rennen. Um ein Beispiel aus meiner Berufspraxis anzuführen: Ein Kunde residiert in einem Gebäude im renommierten Bauhausstil – Kenner denken jetzt an Dessau oder Weimar – aus den 20er Jahren und die Firma ist stolz darauf. Und dann fragt der Geschäftsführer einen Bewerber im Vorstellungsgespräch, wie er denn das Gebäude des Unternehmens fände und er blickt in die toten Augen von London. Dabei war auf der Homepage alles nachzulesen. Wo keine Zeit ist, ist auch keine Liebe.

Und das ist es ja. Wenn am Ende des Interviews die Rollen getauscht werden und es heißt, ob man selbst auch noch Fragen habe, befördern sich manche ins Aus. Da ziehen sie mit einem Aktenvermerksgesicht einen Zettel aus der Tasche, der nichts Gutes verheißt. Denn was der unglückliche Bewerber da mit einem an Fragen abarbeiten möchte, hätte er sich durch eigene Recherchen vorab selbst beantworten können. Zeitdiebe werden nicht gebraucht.“

*Der Weise: Claus Peter Müller-Thurau ist Diplom-Psychologe und als Human-Resources-Manager tätig. Nach dem Studium startete er als Personalberater bei der schwedischen Beratungsfirma Mercury Urval GmbH, danach wurde er Leiter der Personalentwicklung und Nachwuchsförderung im Axel Springer Verlag und später Geschäftsführer der Personal- und Unternehmensberatung Selecteam GmbH. Müller-Thurau ist Dozent an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management in Hamburg und hält Vorlesungen in den Fächern HR-Organisation und HR-Personalwirtschaft. Als Autor hat er im Haufe Verlag Titel wie „Bewerbungstipps und -tricks“ und „101 Fragen und Antworten im Vorstellungsgespräch“ publiziert. Mehr unter www.mueller-thurau.de


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