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Karrierehelfer: Wie sinnvoll ist ein Coach?

Coach als Karrierehelfer

©JohnnyGreig / Getty Images

Der Berufseinstieg ist holprig, die Karriere bleibt aus, keine Bewerbung klappt: Wenn’s im Job nicht rund läuft, soll es oft ein Coach richten. Aber kann er es auch?

Kann jeder Karriere machen, wenn er nur entsprechend gecoacht wird? Eindeutig: nein. Das sagt einer, der es wissen muss: Hans-Georg Willmann ist Psychologe, Fachautor von Karriere-Ratgebern und Coach. Schlimm sei das aber nicht: „Meine Klienten haben ganz unterschiedliche berufliche Ziele, nicht jeder will Karriere machen.“ Für manche hätten einfach andere Dinge Priorität. Genau das versucht der Coach dann herauszuarbeiten.

„Karriere bedeutet für jeden etwas anderes“, erklärt Willmann. Der eine möchte promovieren und sich Expertise aneignen, ein anderer gerne Führungsverantwortung übernehmen und dem Dritten gehe es darum, mehr Geld zu verdienen oder mehr Zeit für sich zu haben. Zu Beginn eines Coachings analysiert Willmann deshalb mit seinen Kunden deren Ziele, Potential und Selbstbild. Sein Fazit überrascht: „Wenn einer keine Karriere macht, liegt es oft nicht am fehlenden Potential, sondern am Willen.“

„Coaching kann keine Fachkompetenz ersetzen“

Ein Karrierecoach ist also keine Allzweckwaffe. Das sieht auch Heike Cobaugh so, die sich auf das Training von Führungskräften spezialisiert hat: „Kein Coaching der Welt kann Fachkompetenz ersetzen“, sagt sie. Wer ein Coaching in Anspruch nehme, wolle oft etwas für seine Persönlichkeitsentwicklung tun oder seinen Führungsstil optimieren. „Zu mir kommen häufig Menschen, die gerade einen Karriereschritt hinter sich haben“, berichtet die Trainerin. Frauen hätten dann oft das Gefühl, sich nicht durchsetzen zu können. Männer in verantwortlichen Positionen wiederum hätten häufig ihr Temperament nicht im Griff. „Oft heißt es nur: Es gibt Probleme mit dem Chef oder einem Kollegen.“

Mitunter schickt auch der Arbeitgeber eine Führungskraft zum Coaching: „Die Ansprüche der Mitarbeiter an einen Abteilungsleiter sind heute andere als noch vor 20 Jahren“, erklärt Cobaugh. Auch wer schon lange in einer Position sei, müsse daher noch an sich arbeiten. Wenn es immer wieder zu Problemen kommt, hilft aber bisweilen nur der Wechsel des Arbeitgebers: „Man sollte sich lieber ein Unternehmen suchen, das zu einem passt, als sich immer nur an die Firma anzupassen.“ Niemand solle sich komplett verbiegen.

„Meine Klienten befinden sich oft in beruflichen oder privaten Umbruchsituationen“, erzählt Willmann. Darunter sind Berufsanfänger, aber auch Wiedereinsteiger oder Umsteiger: „Ich habe auch schon Klienten gecoacht, die kurz vor der Rente standen und einen sauberen Ausstieg wollten.“ Die Aufgaben, die ein Coach übernimmt, reichen von der Strategieanalyse bis zur Durchsicht der Bewerbungsunterlagen.

Ein Coach hilft bei der realistischen Einschätzung der Fähigkeiten

Besonders vor einem Jobwechsel kann ein Coach dabei helfen, Selbstbewusstsein aufzubauen. „Je länger die Jobsuche dauert, desto mehr leidet die Selbsteinschätzung“, berichtet Willmann. Einige Kandidaten würden sich maßlos überschätzen und deswegen oft arrogant wirken, andere hätten nach der Kündigung nur ein ganz geringes Selbstwertgefühl. In beiden Fällen sei es wichtig, wieder zu einer realistischen Einschätzung der eigenen Fähigkeiten zu kommen – etwa über nachgestellte Bewerbungsgespräche.

„Ein seriöser Coach weiß, was er kann, aber auch, was er nicht kann“ sagt Willmann. „Ich biete weder eine arbeitsrechtliche Beratung an, noch eine Psychotherapie oder eine Finanzberatung.“ Wenn jemand etwa in einer Burnout-Situation einen Coach aufsucht, sollte dieser ihn, wenn nötig, an einen Psychotherapeuten verweisen. „Jeder Coach sollte auch eine fundierte Ausbildung haben, die auch einen psychologischen Anteil hat.“ So kämen viele Frage- und Analysetechniken im Coaching ursprünglich aus der Psychologie.

„Bei der Auswahl eines Coachs sollte man auch auf sein Bauchgefühl hören“, rät Cobaugh. Üblich sei ein kostenloses Erstgespräch am Telefon, das eine erste Einschätzung ermögliche. „Klienten dürfen dabei ruhig nach Qualifikationen und Referenzen fragen.“ Allerdings ist die Ausbildung zum Coach nicht gesetzlich geregelt. Ein Hinweis auf Professionalität ist etwa die Mitgliedschaft in einem Berufsverband und die regelmäßige Teilnahme an Weiterbildungen. „Das beste Auswahlkriterium ist aber immer noch eine persönliche Empfehlung.“

Hindernisse überwinden und Blockaden auflösen

Für einen simplen Bewerbungscheck reichen bereits zwei Stunden aus, oft ist aber eine Begleitung über einen längeren Zeitraum nötig. „Die besseren Erfolgsaussichten hat eindeutig ein Coaching über den gesamten Prozess“, berichtet Willmann. Üblich wären etwa 10 ein- bis zweistündigen Sitzungen über drei bis sechs Monate.

„Die meisten Coaching-Anbieter unterscheiden beim Honorar, ob der Auftrag von einer Firma oder einer Privatperson kommt“, erläutert Cobaugh. Einem privaten Klienten werde vielleicht 80 Euro die Stunde berechnet. Von Firmenkunden würde ein Coach für eine Stunde eher 130 bis 250 Euro verlangen, in Ausnahmefällen auch mehr.

Für das Geld erhält der Kunde professionelle Unterstützung bei seiner beruflichen Entwicklung. Nicht mehr – aber auch nicht weniger. „Ein Coaching macht aus niemand einen neuen Menschen“, betont Willmann. Schließlich sei sein Handwerk keine Zauberei. Aber: „Coaching hilft dabei, Hindernisse zu überwinden und Selbstblockaden aufzulösen – und so seine Ziele zu erreichen.“

Text: Peter Neitzsch


Service-Info: Wussten Sie bereits, dass von manchen Coaches so genannte E-Coachings angeboten werden? Ob ein digitales Coaching eher Chancen oder Lücken aufweist, erfahren Sie hier:
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