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Zeitversetztes Videointerview: Bewerben beim Bot

Immer öfter kommen im Bewerbungsprozess Videointerview zum Einsatz

©Tetra Images / Getty Images

Schon seit einiger Zeit gehen vor allem große Unternehmen dazu über, geeignete Kandidaten per Videointerview zu testen. Immer öfter kommen dabei auch automatisierte Verfahren zum Einsatz.

Die Digitalisierung treibt den Arbeitsmarkt zu mehr Tempo und Flexibilität, und auch die Recruiting-Branche bleibt davon natürlich nicht unberührt. Schneller und effizienter soll der Auswahlprozess ablaufen, gleichzeitig versuchen maßgeblich Großkonzerne, ihre Bewerber in immer geschickteren Auswahlprozessen zu testen und so der Masse an Kandidaten Herr und möglichst gerecht zu werden. Auch deshalb wird immer öfter ein vollkommen automatisiertes, so genanntes „zeitversetztes“ Videointerview in den ersten Sondierungsrunden eingesetzt.

Einer der Gründe für die wachsende Beliebtheit der neuen Methode: Die Möglichkeit, mithilfe moderner Webcam-Technik ein Jobinterview zu jeder Zeit und an jedem Ort zu führen, spart Bewerbern wie Personalern viel Zeit und Organisationsaufwand. Rund 15 Minuten dauert so ein zeitversetztes Videointerview im Durchschnitt – und ist damit um rund 70 Prozent kürzer als ein klassisches Telefoninterview.

Anders als etwa bei einem Skype-Anruf sitzt dem Bewerber allerdings während dieser Videointerview-Form kein direkter Gesprächspartner gegenüber. Stattdessen wird der Kandidat vor seinem heimischen Computer – je nach Unternehmen und eingesetzter Software – mit einer bloßen Frageliste, einem akustischen Bot oder einer anderen Form von Avatar konfrontiert. Für die Produktion steht dem Kandidaten eine vorgegebene Zeitspanne, meistens eine Woche, zur Verfügung. Zuvor wird der Bewerber per Email-Link eingeladen und bekommt vorab die Möglichkeit, seine Technik zu überprüfen. In einem Testinterview wird er dabei Schritt für Schritt geleitet.

Wenn er sich zur endgültigen Produktion seines Interviews entschieden hat, wird es für den Kandidaten ernst: Er erhält pro Frage eine festgesetzte Vorbereitungs- und Antwortzeit. Die Fragen werden dabei auf dem Bildschirm angezeigt und die Antworten des Bewerbers automatisch über die Webcam aufgezeichnet. Aufgezeichnet wird nur, während der Bewerber seine Antwort gibt. Die Fragen, sowie die Vorbereitungs- und Antwortzeiten des Videointerviews sind für alle eingeladenen Bewerber gleich.

Was bringt ein automatisiertes Videointerview dem Bewerber?

Ein solches Interview biete mehr Chancen für Bewerber mit Brüchen im Lebenslauf, erklärt Corinna Litera von Viasto, einem der größten Anbieter für Videointerview-Software in Europa: „Häufig bleiben Talente und Fähigkeiten hinter Jahreszahlen und Stichpunkten im Lebenslauf versteckt. Zu viele Bewerber, die eigentlich hervorragend für eine Stelle geeignet wären, erhalten eine Absage auf ihre Bewerbung allein anhand formeller Kriterien. Durch ein zeitversetztes Videointerview bekommen Bewerber eine Chance, die aufgrund ihres Lebenslaufes den Sprung in ein persönliches Gespräch gar nicht erst schaffen würden.“

Aber auch Personalentscheider hätten von dem Auswahlverfahren deutliche Vorteile, wirbt Viasto in einem Präsentationsvideo:

Der Personaler des Unternehmens hat mit den Tools von Viasto und andere Anbieter viele Möglichkeiten, das Interview zu individualisieren. So kann man die Kriterien, nach denen man einen Kandidaten überprüfen möchte, genau definieren: Will man wissen, ob der Bewerber zuverlässig, kreativ, selbstbewusst usw. ist, schlägt das System Fragen vor, die genau diese Eigenschaften überprüfen sollen. Die Antworten des Interviewten werden dann nach einem komplizierten Algorithmus ausgewertet und gewichtet. So erhält der Personaler – so lautet jedenfalls das Versprechen der Softwareentwickler – nicht nur ein subjektives, sondern auch objektiv vergleichbares Ergebnis.

Die Reaktionen vieler Bewerber auf zeitversetzte Videointerviews sind zum großen Teil positiv. Zwar bemängeln einige Kandidaten den fehlenden persönlichen Kontakt oder berichten von Stressmomenten während der Aufzeichnung – die meisten Bewerber aber freuen sich über die Selbstbestimmtheit bei der Produktion und die Möglichkeit, sich im bestmöglichen Licht zu zeigen. Auf welche großen und kleinen Details man dabei achten sollte, verrät übrigens dieser sehr gelungener Beitrag der englischsprachigen Seite Howtovideointerview.com

Auch die Urteile auf Unternehmensseite mit dieser Form von Vorauswahl fallen größtenteils zustimmend aus: So wies etwa eine interne Studie bei Lidl nach einem Piloteinsatz des Systems nach, dass im Vergleich zum klassischen Telefoninterview zwar ein kleinerer Prozentsatz der Teilnehmer zu einem weiteren, persönlichen Auswahltag eingeladen wurde, der Anteil jener Videointerviewten, die letztendlich eingestellt wurden, aber deutlich größer war.

Text: Thorben Hansen


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