Illustration zweier Männer, die eine Uhr halten © mikroman6 / Getty Images

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Work-Life-Blending: Was steckt hinter dem Trend-Begriff?

Alle sprechen von Work-Life-Balance. Doch in Zeiten, in denen die Arbeit immer ortsunabhängiger wird, gewinnt stattdessen das Work-Life-Blending an Bedeutung. Ein Trend mit vielen Vorteilen, aber auch einigen Risiken.


Im Leben geht es immer darum, die richtige Balance zu finden. Das gilt auch im Job, sprich um dauerhaft gesund und zufrieden zu sein, brauchst Du die richtige Mischung aus Arbeitszeit und Freizeit. Diese wird als Work-Life-Balance bezeichnet und basiert auf der Annahme, dass es sich um zwei gegenüberliegende Seiten auf einer Waage handelt, die sich das Gleichgewicht halten müssen.

Doch immer mehr Menschen arbeiten teilweise oder vollständig „remote“. Ihr Arbeitsort und vielleicht sogar ihre Arbeitszeit sind flexibel. Sie kümmern sich beispielsweise in den Pausen um den Haushalt oder sie treffen sich zwischendurch mit Freunden. Die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit beginnen dadurch zu verschwimmen, was als Work-Life-Blending bezeichnet wird. 

Wie also lässt sich Work-Life-Blending definieren?

Das Work-Life-Blending bezeichnet somit ein gänzlich neues Verständnis von Arbeitszeit. Es wird nicht mehr zwischen Arbeits- und Freizeit getrennt, sondern die Mitarbeiter können selbst entscheiden, wann und wo sie arbeiten möchten – solange sie die ihnen zugeteilten Aufgaben erledigen. Immer mehr Unternehmen setzen auf dieses Work-Life-Blending, sprich sie ermöglichen ihren Angestellten die „Remote-Work“, ohne die Arbeitszeiten zu kontrollieren. Dies soll einer besseren Work-Life-Balance dienen, indem quasi Arbeits- und Freizeit parallel stattfinden. Das Work-Life-Blending wird daher auch als Work-Life-Integration bezeichnet. Doch es kommt nicht ganz ohne Nachteile

Digital erzeugtes Bild eines netzstrukturierten transparenten Datengehirns aus goldenen Drähten mit leuchtend blauen Rändern vor lila Hintergrund. © Andrey Onufriyenko / Getty Images
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Potenzielle Risiken beim Work-Life-Blending

In der Theorie lassen sich beim Work-Life-Blending die Arbeits- und die Freizeit optimal miteinander kombinieren. In der Praxis kann das Arbeitsmodell aber dazu führen, dass die Mitarbeiter nicht mehr abschalten und sich auch die Freizeit plötzlich nach Arbeit anfühlt. Sie sind ständig erreichbar oder haben stets im Hinterkopf, welche Aufgaben sie später am Tag noch erledigen müssen. Somit kann das Work-Life-Blending zum Stressfaktor werden, weil es an klaren Grenzen fehlt, beispielsweise am Feierabend, an den Wochenenden oder sogar im Urlaub. Wenn also Privates in der Arbeitszeit erledigt wird und Berufliches in der Freizeit, funktioniert das Modell der Work-Life-Balance nicht mehr.

Manche Menschen brauchen aber klare Grenzen und feste Routinen, um sich in der Freizeit erholen zu können und somit langfristig gesund sowie zufrieden zu bleiben. Sie fühlen sich durch die Verschmelzung von Arbeits- und Freizeit dauerhaft gestresst und beginnen darunter gesundheitlich zu leiden. Auch kann die Struktur und damit die Produktivität verloren gehen. Das Work-Life-Blending ist somit nur für Personen geeignet, die ein hohes Maß an Organisationstalent haben und in der Freizeit gut abschalten können – selbst, wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt am Tag nochmal arbeiten. Dann kann das Work-Life-Blending durchaus viele Vorteile mitbringen.

Vorteile, wenn die Work-Life-Integration richtig umgesetzt wird

Wer sich mehr Freiheit wünscht, wenn es um die Wahl von Arbeitszeit sowie -ort geht, und sich gut selbst organisieren kann, für den ist das Work-Life-Blending durchaus ein attraktives Arbeitsmodell. Es erlaubt maximale Flexibilität – beinahe wie bei einer Selbständigkeit. Dadurch kann der Job besser mit der Kinderbetreuung, mit Hobbys oder anderen privaten Belangen vereint werden.

Richtig umgesetzt, sorgt das Work-Life-Blending also für eine höhere Lebensqualität und dadurch oftmals auch für bessere Arbeitsergebnisse. Denn wer zufriedener ist, ist auch gesünder, motivierter und leistungsfähiger. Zudem müssen für private Verpflichtungen wie einen kurzen Arzttermin keine ganzen Urlaubstage mehr geopfert werden. Unterm Strich können also beide Seiten profitieren – und genau deshalb erfreut sich das Work-Life-Blending derzeit steigender Beliebtheit; Tendenz steigend.

Fazit 

Das Work-Life-Blending ist die logische Konsequenz aus der zunehmenden Digitalisierung der Arbeit und dem Wunsch der Arbeitnehmer nach mehr Selbstbestimmung. Richtig umgesetzt, kann es sowohl für Arbeitgeber als auch für deren Mitarbeiter zahlreiche Vorteile mit sich bringen. Somit dient es ebenfalls der Mitarbeitergewinnung und -bindung. Allerdings kommt nicht jeder mit dem Arbeitsmodell zurecht. Zu hohe Ansprüche an sich selbst, Probleme mit dem gedanklichen Abschalten von der Arbeit oder eine schlechte Selbstorganisation können dazu führen, dass die Arbeitnehmer unter der Work-Life-Integration zu leiden beginnen – mit negativen Konsequenzen für ihre Arbeitszufriedenheit, ihre Gesundheit und ihre Leistungen.

Deshalb ist es wichtig, das Work-Life-Blending nicht als Patentlösung zu betrachten, sondern im Einzelfall zu prüfen, ob und wie es sich für den jeweiligen Mitarbeiter eignet. Auch eine Testphase empfiehlt sich, damit beide Seiten überprüfen können, ob es funktioniert. Work-Life-Blending sollte also niemals ein „Muss“ sein, aber eine moderne Option für jene Arbeitnehmer, die sich dieses Arbeitsmodell wünschen oder es zumindest einmal ausprobieren möchten.

Veröffentlicht
23.03.2023