Die Psychotricks der Personaler im Vorstellungsgespräch

Psychotricks im Vorstellungsgespräch

©Martin Barraud / Getty Images

Immer schön cool bleiben. In dieser Folge unserer Serie "Psychologie in Bewerbungssituationen" verraten wir Ihnen die Psychotricks der Personaler - und wie Sie die erfolgreich kontern können.

Stellen Sie sich vor, Sie werden zum gewünschten Vorstellungsgespräch eingeladen. Bestimmt haben Sie sich für viele mögliche Interviewfragen super Antworten zurechtgelegt. Doch dann passiert etwas, womit Sie nicht gerechnet haben: Ihre Gesprächspartner stellen Ihnen äußerst seltsame Fragen, die nichts mit der gewünschten Stelle zu tun haben. Oder, schlimmer noch: Sie werden unfreundlich, fast vorwurfsvoll nach Lücken im Lebenslauf gefragt bzw. ob Sie für den Job überhaupt ausreichend qualifiziert sind. Auf Psychotricks dieser Art sollten Sie vorbereitet sein. Man will Sie aus der Reserve locken: Unternehmen wollen taffe Mitarbeiter/innen, die im Arbeitsalltag selbstbewusst agieren und sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen. Zahlreiche Bewerbungsratgeber haben dazu geführt, dass Bewerber/innen heutzutage bestens auf Jobinterviews vorbereitet sind. Durch unerwartete Psychotricks sollen Sie dazu gebracht werden, Ihre Maske fallen zu lassen. Denn nur so können Ihre Gesprächspartner Sie besser kennenzulernen.

Knifflige Fragen testen Ihre Spontanität, Flexibilität und Kreativität

Online kursieren nahezu endlos viele Beispiele für kniffelige und teils fiese Interviewfragen, auf die es in der Regel keine richtigen oder falschen Antworten gibt. Ihre Gesprächspartner wollen vielmehr einen Eindruck darüber gewinnen, wie spontan Sie auf herausfordernde Fragen reagieren und wie flexibel bzw. kreativ Sie in Ihren Lösungsansätzen sind. Hier eine Übersicht der beliebtesten Fragetypen mit Beispielen: 1. Persönliche Fragen
  • „Was ist Ihr persönliches Geheimnis?“
  • „Was war der größte Misserfolg in Ihrem Leben und wie sind Sie damit umgegangen?“
  • „Welche Vorbilder haben Sie?“
2. Fangfragen
  • „Was mochten Sie an Ihrem bisherigen Job am wenigsten?“
  • „Wie schätzen Sie mich ein?“
  • „Wenn Geld keine Rolle spielen würde – warum würden Sie arbeiten?“
3. Wissensfragen
  • „Welche deutschen Unternehmen sind im DAX?“
  • „Wie bereiten Sie ein Ei perfekt zu?“
  • „Wie nennt man möglichst schnell alle Primzahlen bis n?“
4. Schätzfragen
  • „Wie viele Smarties passen in einen VW-Bus?“
  • „Wie viele Cappuccinos werden täglich in Berlin verkauft?“
  • „Wie viele Gärten gibt es in Deutschland?“
5. „Brainteaser“ (Denksportaufgaben) Insbesondere Beratungsunternehmen setzen sehr gern sogenannte Brainteaser ein. Sie testen damit mathematische Fähigkeiten, logisches Denken, Kreativität und Problemlösungsfähigkeiten.
  • „Wie schwer ist New York?“
  • „Sie haben neun Kugeln gleicher Größe und gleichen Aussehens sowie eine Apothekerwaage. Eine Kugel ist etwas schwerer als die anderen. Wie wiegen Sie diese aus? Sie dürfen aber nur zweimal wiegen!“
  • „Welcher Tag ist morgen, wenn vorgestern der Tag nach Montag war?“
 

Wenn Psychotricks persönlich werden: das Stressinterview

In Stressinterviews wird gezielt nach Konflikten im bisherigen Arbeitsalltag, mangelnden Qualifikationen oder Brüchen und Widersprüchen im Lebenslauf gefragt. Ziel ist es, Sie zu provozieren bzw. spontane Reaktionen hervorzurufen. Eine stressige Situation führt dazu, dass Sie vermutlich nervös werden und den Faden verlieren. Sie weichen dann von vorbereiteten Antworten ab und zeigen sich eher so, wie Sie wirklich sind: mit Ihren Stärken und Schwächen, losgelöst von einstudiertem Verhalten. Hier einige Beispiele:
  • „Finden Sie nicht auch, dass Sie für diese Position viel zu unerfahren sind?“
  • „Die Angaben in Ihrem Lebenslauf sind doch sicher geschönt?“
  • „Bei Firma Mustermann waren Sie ja nur sehr kurz. Welche Konflikte hat es da gegeben?“
  • „Warum bewerben Sie sich erst jetzt auf diese Position? Das hätten Sie doch schon vor fünf Jahren erreichen müssen.“
  • „Es heißt, dass Ihr derzeitiger Arbeitgeber wirtschaftliche Schwierigkeiten hat. Wollen Sie also schnellstens das sinkende Schiff verlassen?“

Fünf Tipps, wie Sie auf Psychotricks optimal reagieren

In einem Stressinterview fühlen Sie sich vermutlich persönlich angegriffen, enttäuscht, provoziert oder verärgert. Geben Sie Ihrem (nachvollziehbaren) Drang, sich zu verteidigen bzw. Ihrer Verärgerung Luft zu machen, nicht nach. Beachten Sie folgende Hinweise: 1. Bewahren Sie Ruhe! Vermutlich sind Sie verärgert, aber bleiben Sie dennoch immer freundlich. Antworten Sie ruhig und sachlich auf provozierende Fragen. Dies spricht für Ihre Stressresistenz und Konfliktfähigkeit. 2. Lassen Sie Ihr Gegenüber ausreden! Auch, wenn es Ihnen in einer stressigen Situation wie dieser schwer fallen mag, unterbrechen Sie Ihre Gesprächspartner nicht. Sie werden Zeit bekommen, Stellung zu nehmen. 3. Nehmen Sie sich Zeit zum Nachdenken! Vermeiden Sie „Schnellschüsse“, nehmen Sie sich Zeit für Ihre Antwort. Dadurch verliert die Situation an Spannung und Sie haben eine kurze Verschnaufpause. Zudem zeigen Sie hiermit, dass Sie in kritischen Situationen reflektiert und überlegt handeln. 4. Wechseln Sie in die Metaebene! Indem Sie ruhig und freundlich Ihre Wahrnehmung der Situation verbalisieren („Sie wollen mich wohl aus der Ruhe bringen? Ich erkläre Ihnen noch einmal, was ich meine…“), zeigen Sie, dass Sie immer noch „Herr der Lage“ sind. 5. Geben Sie überlegt Kontra! Sie müssen Provokationen nicht reaktions- und widerstandslos akzeptieren. Zeigen Sie ruhig, wenn Sie anderer Meinung sind. Bleiben Sie dabei aber stets höflich. Dies zeugt von Selbstbeherrschung und Disziplin sowie Selbstsicherheit und Durchsetzungsvermögen.

Machen Sie sich keine Sorgen

Den meisten Gesprächspartnern ist bewusst, dass ein Jobinterview an sich schon Stressfaktor genug ist, der Sie aufgeregt und nervös werden lässt. Es ist also keinesfalls die Regel, dass Sie in ein Stressinterview geraten. Doch falls es dazu (oder anderen hier beschriebenen Psychotricks) kommt, sollten Sie nicht ins Schwitzen geraten. Zeigen Sie verbal (durch überlegte Äußerungen) und nonverbal (mit Ihrer Körpersprache), dass Sie sich nicht verunsichern oder aus der Ruhe bringen lassen, sondern die Situation im Griff haben. Die drei Teile unserer Reihe „Psychologie in Bewerbungssituationen“ verdeutlichen den großen Einfluss der Psychologie auf Urteile und Gesprächssituationen. Mit unseren Hinweisen zu psychologischen Effekten, zur Körpersprache und zum Verhalten in Stressinterviews sollten Sie aber gut für alle Eventualitäten in Jobinterviews gewappnet sein. Susan Höntzsch, die Autorin unserer Serie, ist Diplom-Psychologin und schreibt auch in ihrem eigenen Blog (www.karrierepfa.de) über Themen rund um Karriere und Beruf.
Service-Info: In vielen Bewerbungsverfahren, vor allem bei großen Unternehmen, könnten Sie mit Tests aller Art konfrontiert werden. Mit einigen unserer kostenlosen Online-Tests können Sie selbst überprüfen, wo Ihre Stärken und Schwächen liegen oder welcher Persönlichkeitstyp Sie sind. Vom Logiktest bis zur speziellen Berufswahlprüfung stehen Ihnen vielfältige Tests zur Verfügung. Zu den Tests

16.03.2017