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Recherche-Tipps für Bewerber: Jetzt wird zurückgegoogelt

Recherche-Tipps für Bewerber

©Grafik: Getty Images / Luxcor

Dass viele Personaler Bewerber im Netz überprüfen, ist bekannt – doch auch Kandidaten sollten sich über das Unternehmen, über Chef oder Chefin in spe, im Netz informieren. Doch wie viel Recherche ist angemessen – und wie stellt man das am besten an?

Zunächst sollte man sich über das Ziel einer solchen Suche klar werden: Sicher sollte nicht im Mittelpunkt stehen, im Netz die Schwachstellen oder Absturzbilder des Chefs aufzuspüren. Im Gegenteil: „Die Recherche sollten Bewerber als Instrument für sich selbst sehen“, sagt Karrierecoach Bernd Slaghuis. „Interessant ist, wer dort arbeitet oder wo sich das Unternehmen engagiert. Informationen, die helfen können bei der Entscheidung, ob man selbst zum Arbeitgeber passt “, sagt er.

So sieht das auch Tanja Ostermann, die bei Vodafone für die Einstellung von Fach- und Führungskräften verantwortlich ist: „Wir wollen ausdrücklich, dass die Kandidaten sich informieren, welche Unternehmenskultur bei uns herrscht und welche Werte gelebt werden. Eine Bewerbung ist ja keine einseitige Sache.“ Nur so könne der Kandidat herausfinden, ob er sich bei dem Unternehmen wohlfühlen würde. Auch im eigenen Netzwerk zu suchen, ob schon jemand bei dem Unternehmen arbeitet, befürwortet Ostermann: „Ich habe das selbst genauso gemacht und gefragt, ob derjenige mir das Unternehmen empfehlen kann“, berichtet sie.

Eine Chef-Recherche gibt Sicherheit im Bewerbungsgespräch

Nicht zu unterschätzen ist auch der Aspekt, dass es vielen Bewerbern Sicherheit gibt, zu wissen, wer einem im Bewerbungsgespräch gegenübersitzen wird: Welchen Hintergrund hat der Chef in spe, wie sieht er aus? Doch wie findet man das am besten heraus? „Nicht wie die meisten: Vorname, Nachname, Enter“, sagt Christa Goede. Sie beschäftigt sich mit dem Thema, wie man richtig googelt, bietet Texte und Konzeption zu den unterschiedlichsten Themen an und Seminare zum Thema Markenbildung im Internet. „Das Wichtigste ist schon mal, ‚Stefan Müller’ mit Anführungszeichen einzugeben, denn dann sucht Google beide Worte zusammen, also nach der Logik ‚and’ statt ‚or’. Sonst findet man alles Stellen im Netz, an denen entweder ‚Stefan’ oder ‚Müller’ steht.“

Wenn man den Namen in Kombination mit dem Unternehmensnamen suchen möchte, sollte man den Firmennamen außerhalb der Anführungszeichen ins Suchfeld setzen, „denn wenn man alle drei Begriffe in die Anführungsstriche packt, finden sich wiederum nur die wenigen Stellen, an denen die drei Begriffe genau so hintereinander vorkommen.“ Und um sich ein Bild vom Gegenüber zu machen, lohnt sich auch immer die Bildersuche nach „Stefan Müller“.

Wer nun schon ein paar Sachen über den künftigen Chef herausgefunden hat – was tun mit den Informationen? Karriereberater Slaghuis rät: „Auf keinen Fall schon im Anschreiben mit dem Wissen prahlen: Als Anknüpfungspunkt können Bewerber erwähnen, dass sie sich etwa auf einer Karrieremesse schon mit dem Personaler unterhalten haben, aber nicht, dass sie den Chef letztes Wochenende im Fußballstadion auf der Tribüne gegenüber gesehen haben.“ Auch die Info, ob der Chef eine Frau oder ein Mann ist, sollte man zunächst zurückstellen und das Motivationsschreiben nicht auf den- oder diejenige anpassen: „Auch wenn der Chef eine Frau ist, kann der erste Personaler, der aussortiert, ein Mann sein“, warnt Slaghuis.

Auch im Bewerbungsgespräch ist Vorsicht geboten: „Ich habe im Internet herausgefunden, Sie haben genau wie ich auch ein Pferd“ – diese Äußerung sollte man laut Slaghuis besser lassen. „Das wäre eher komisch und der Chef hätte das ungute Gefühl: Der hat mich gestalkt.“ Diesen Bezug sollte man nur nehmen, wenn in dem Büro ein deutlicher Hinweis auf ein Hobby ist, dem man auch nachgeht: „Falls es vor Ort einen Anknüpfungspunkt gibt und Bewerber wirklich interessiert sind, können sie es ansprechen“, sagt er.

Nicht nach Hobbys, nach Leistungen googlen

Laut Tanja Ostermann von Vodafone lohnt der Aufwand, gleiche Hobbys herauszufinden, aber überhaupt nicht: „In großen Unternehmen wie bei uns sind wir geschult, unbewusste Voreingenommenheit und Sympathieeffekte weitestgehend zu vermeiden.“ Außerdem müssen gleiche Hobbys nicht einmal gut sein: „Viele Teams funktionieren gerade durch ihre große Diversität – darauf legen wir zum Beispiel großen Wert.“ Lieber solle man raussuchen, was man selbst Spezielles kann und was einen auszeichnet: „Dann kann ich genau das fehlende Puzzleteil für ein Team sein“, sagt Ostermann.

Besser als nach dem Pferd des Chefs sollte man auf seiner Recherche auf Inhaltliches setzen: „Suchen Sie nach einem Vortrag oder Präsentationen des zukünftigen Chefs oder nach Unterlagen von Kongressen. Lesen Sie die und stellen Sie Fragen zum Thema, sofern es Sie wirklich interessiert“, rät Slaghuis. Dazu lohnt es sich, beispielsweise „’Stefan Müller’ Publikationen“ einzugeben oder den Namen in Zusammenhang mit Kongressen oder Branchenmedien zu suchen, sagt Christa Goede. Auch den Namen mit dem bekannten Themenschwerpunkt der Person zu suchen, macht Sinn.

Man könne auch die Homepage des Unternehmens auf den Namen hin überprüfen, sagt Goede: Indem man „site:musterunternehmen ‚stefan müller’“ eingibt, findet man alle Stellen, an denen der Mitarbeiter auf der Firmenhomepage vorkommt. „So kann ich zum Beispiel rausfinden, ob derjenige dort publiziert oder auf dem Firmenblog schreibt – und zu welchen Themen.“ Und wer mit „filetype:pdf ‚Stefan Müller’“ sucht, kann alle PDFs finden, in denen der Name ‚Stefan Müller‘ vorkommt – zum Beispiel auch Papers von Kongressen.

Ein Google-Alert hält die Recherche stets aktuell

Die Schwierigkeit: „Oft gibt es zu viele Inhalte. Vor allem, wenn es in dem Gebiet Neuerungen gab oder die Person oft das Unternehmen gewechselt hat, lohnt es sich, nur im letzten Jahr zu suchen“, sagt Goede. Das geht via Zeitsuche: Auf der Google-Suchseite kann man unter ‚Tools‘ einen Zeitraum auswählen. So lassen sich beispielsweise auch die aktuellsten Blogbeiträge auf verschiedenen Plattformen finden.“ Wer bei der Recherche über das Unternehmen ständig auf dem Laufenden bleiben will, kann sich einen „Google-Alert“ einrichten – „das funktioniert natürlich auch für Personen wie unseren ‚Stefan Müller‘“, sagt Christa Goede.

Diese Aktualität ist auch Personalerin Ostermann sehr wichtig: „Wir erwarten, dass der Kandidat nicht nur Zahlen, Daten und Fakten des Unternehmens kennt, sondern auch über Aktuelles informiert ist. Wenn jemand auf den aktuellen Werbespot Bezug nehmen kann, belegt dies das Interesse am Unternehmen – das ist gut“, sagt sie. Mehr Aufwand in die Unternehmensrecherche als in das Stalken des Chefs zu stecken, scheint also die richtige Strategie zu sein: „Das Rennen macht, wer fachlich überzeugt und nicht, wer wie ich gern ab und zu joggen geht“, sagt Tanja Ostermann.

Text: Maria Zeitler


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