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"Jobwelten": Peru - ein Land für Macher mit Ideen

Arbeiten in Peru, hier Lima, kann für Deutsche schwierig werden

©antorti / Getty Images

Oliver Stahmann hatte schon eine abwechslungsreiche Karriere hinter sich, als er nach Peru kam, um eine berühmte Felsenstadt zu besichtigen. Nun lebt und arbeitet er bereits acht Jahre als Fotograf und Autor in dem südamerikanischen Land.

Oliver Stahmann, deutscher Fotograf in Peru
©Oliver Stahmann

Mit Macchu Picchu fing alles als. Eigentlich wollte Oliver Stahmann nur die legendäre peruanische Ruinenstadt aus der Inka-Zeit besichtigen und ein paar Freunde in dem südamerikanischen Land besuchen. Dann allerdings ließ ihn Lima nicht mehr los: Stahmann fand das urbane Leben in der aufstrebenden Neun-Millionen-Metropole so spannend, dass er beschloss, etwas länger zu bleiben und es als Fotograf weiter zu erkunden. Dass daraus nun mittlerweile bereits acht Jahre und eine Familie geworden sind und ein Ende noch nicht abzusehen ist, „das konnte ich wirklich nicht ahnen“, erzählt er lachend.

Oliver Stahmann ist in Hamburg aufgewachsen, später zog er mit der Familie nach Celle. Schon als Kind schrieb er gern Geschichten. Für die Cellesche Zeitung verfasste er nach der Schule Artikel über Jugend- und Musikthemen. „Das kam ganz gut an“, sagt er. Schnell bekam er eigene Seiten, die er jede Woche zu füllen hatte. „Ich hatte viele Freiheiten, das gefiel mir.“

Anschließend ging es zum Pressezentrum der Luftwaffe, eine zunächst „vertane Zeit“ für den heute 43-Jährigen. „Dann war ich in Reiselaune. Eine feste Anstellung war für mich undenkbar. Ich wollte die Welt sehen.“ Und weil das Reisen allein vielleicht zu wenig war, schrieb Stahmann einen Roman. „Der ist aber nicht veröffentlicht worden, deshalb habe ich ihn in kleine Kurzgeschichten aufgeteilt, die schließlich in wenig bekannten Literaturzeitungen und Berliner Hinterhofpublikationen erschienen.“

Eine Zeitlang Ende der 90er Jahre ließ sich mit Online-Journalismus gut Geld verdienen. Der Job als Content-Redakteur bei Tonspion.de in Hannover war einträglich. „Damals war unwahrscheinlich viel Geld für Internet-Unternehmen vorhanden“, sagt Stahmann. „Doch dann platzte die Blase – und es gab fast nichts mehr.“ Musikzeitungen, die anfangs gut zahlten, boten statt eines Honorars plötzlich nur noch Eintrittskarten für Konzerte als Honorar an.

Die Leidenschaft für Fußball war Oliver Stahmanns Alternative: Da es in Asien einerseits ein großes Interesse an europäischem Fußball gab, andererseits große Wissenslücken und wenig Zugang zu Informationen zum Thema, schrieb der Journalist auf englisch über Fußballthemen aus Deutschland. Bald hatte er eine Kolumne bei der Zeitung „Oriental Daily News“ und zuvor schrieb er für englische Buchmacher über Wintersport, Fußball und Basketball. Die Wett-Experten brauchten Analysen zu verschiedenen Spielen. „Ich habe Wettquoten erstellt, auf die die Kunden des Buchmachers wetten konnten.“

2006 brach Stahmann dann nach Argentinien auf. „Ich war einfach neugierig auf Buenos Aires und wollte zudem Spanisch lernen“, erzählt er. Damit gehörte er zu den ersten so genannten „Remote-Journalisten“, zu den Arbeitsnomaden: Hanoi oder Hannover – Hauptsache, es gibt einen Internetanschluss. Wo, ist egal. „Ich habe an allen möglichen Orten gearbeitet. Das einzige, was ich immer beachten musste, war, wie spät es dort ist, wo ich meine Texte hinschicken musste.“

Nach ein paar Jahren, in denen er unter anderem als Musikmanager in Argentinien und Spanien arbeitete, stand Stahmann vor der nächsten Entscheidung über seine berufliche Zukunft. Doch davor stand noch die Reise nach Peru auf dem Plan. Dann kamen, wie gesagt,  Machu Picchu, Lima und die Liebe.

Seine schönen Fotos von Lima allein reichten aber nicht aus, um ein sorgenfreies Leben zu führen. Stahmann besann sich auf seine Erfahrungen als Online-Contentproduzent und seine Liebe zum Fußball. Und wurde Herausgeber von „22 Legs“, einem englischsprachigen E-Paper-Fanzine mit rund 30 Seiten zum Thema Soccer. Seine Kunden waren auf der ganzen Welt verbreitet und zahlten gut. „Davon konnte ich sehr gut leben“, sagt Oliver Stahmann.

Doch als sein Sohn vor fünf Jahren geboren wurde, wurde der Herausgeber-Job plötzlich schwierig. „Ich habe teilweise bis morgens am Computer gesessen, denn die Fußballspiele sind – wegen der Zeitumstellung – ganz früh am Morgen.“ Nicht gerade förderlich für ein glückliches, ausgeschlafenes Familienleben. Also entschloss sich Oliver Stahmann wieder einmal, etwas anderes zu tun. Doch für seine Suche nach einem Job vor Ort musste er vor allem kreativ werden. „Erst da habe ich wirklich festgestellt, wie es ist, in einem fremden Land zu leben.“ Denn es war beileibe nicht so, dass die Jobs auf einen wie ihn warten. Als Ingenieur, Architekt, Lehrer oder Arzt – ja, da hätte man mehr Chancen gehabt. Für einen langjährigen Journalisten, der auf Deutsch und Englisch geschrieben hat, war in dem spanisch sprechenden Land überhaupt kein Bedarf.

In Peru kann man auch als Ausländer erfolgreich sein

Aber auch jetzt wendeten sich die Dinge zum Guten. Und die Leidenschaft für die Fotografie, die er wiederentdeckte, war sein Glücksfall. Stahmann hatte mehrere Ausstellungen und fing daneben an, Fotografie-Kurse anzubieten, Touren und Events zu organisieren und eine deutschsprachige Webseite über Peru aufzubauen. „Man kann in Peru viel erreichen, wenn man die Dinge selbst in die Hand nimmt“, sagt er. Außerdem fing er 2011 als Ambassador für InterNations an, dem weltweit größten Expat-Netzwerk*. Anfangs gab es nur 400 Mitglieder in Lima – heute sind es mittlerweile 14.000.

Als InterNations-Botschafter organisiert man große und kleine Networking-Events wie Konzerte, Partys oder Ausstellungen für die Gemeinschaft der Ausländer, die Expats. Zuletzt hat Stahmann eine „deutsche Party“ im Cafe Rilke mitten in Miraflores, in Limas Ausgehviertel organisiert, da kamen um die 200. Das war auch so eine Art „5. Geburtstags-Feier“ der Deutschen Gruppe, die auf Facebook etwa 2500 Mitglieder hat

Nun ist es vor allem die eigene Familie, die den umtriebigen Allrounder in Peru hält. Wie lässt es sich denn auf Dauer im Andenstaat leben? „Die Menschen gehen hier mehr auf einen zu“, sagt Oliver Stahmann, das schätze er. Außerdem könne man, wenn man eine gute Idee, den Willen und das Durchsetzungsvermögen habe, einiges erreichen: „Hier gibt es tatsächlich noch die Möglichkeit, sich vom Tellerwäscher zum Gutverdiener zu entwickeln.“

Ebenfalls grandios sei das Essen. Es gibt nicht nur immer mehr bekannte Superköche, die in Lima so beliebt sind wie Fußballstars in Deutschland, sondern auch viele bezahlbare gute kleine Restaurants. „Hier in Peru gibt es die Küste, Berge, den Dschungel – und ganz viele kulinarische Einflüsse.“

Stahmann hat sich über die Jahre gut vernetzt und in Peru eine neue Heimat gefunden – seine Herkunft und seine Kultur jedoch nicht vergessen: Für 2018 plant er Ausstellungen seiner Fotos in verschiedenen Ländern Europas, darunter auch in Deutschland. Er hat sich auch wieder an einen Roman gesetzt: Das Thema ist natürlich Peru und Deutschland – und deren vielen kulturellen Unterschiede.

Text: Silja Schriever


Alles Wissenswerte rund um das Thema „Arbeiten im Ausland“ haben wir in unserer Serie „Karriere ohne Grenzen“ zusammengestellt.

*Service-Info: Die Online-Plattform InterNations ist mit mehr als 2,8 Millionen Mitgliedern in 390 Städten weltweit das größte soziale Netzwerk und Informationsportal für alle, die im Ausland leben. Zahlreiche Informationsmaterialien sowie Veranstaltungen vor Ort bieten Möglichkeiten zum digitalen und persönlichen Austausch mit anderen Expats und weltoffenen Locals.


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