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Karriere ohne Grenzen (III): Der Lebenslauf für das Ausland

Lebenslauf Ausland

©mstahlphoto / Getty Images

Bei einer Bewerbung im Ausland lauern bei der Lebenslauf-Gestaltung einige Fallen. Hier sind die wichtigsten länderspezifischen Unterschiede in Sachen CV.

Das Aushängeschild eines Bewerbers ist sein Lebenslauf – das gilt überall auf der Welt. Vor allem große internationale Unternehmen erhalten zahlreiche Bewerbungen und haben somit für die Sichtung der Bewerbungsunterlagen nicht viel Zeit. Das Einhalten von länderspezifischen Gestaltungskriterien ist essentiell, um nicht schon aufgrund von Formfehlern eine Jobabsage zu erhalten.

Kann der Europass-Lebenslauf Fehler verhindern?

Seit 2004 gibt es den Europass-Lebenslauf, der mithilfe einer standardisierten Vorlage die Gestaltung eines übersichtlichen und international verständlichen Lebenslaufs ermöglichen soll. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann für Bewerbungen im europäischen Ausland auf diese Vorlage zurückgreifen. Allerdings werden länderspezifische Unterschiede, die man bei der Gestaltung von Lebensläufen unbedingt beachten sollte, vernachlässigt. Diese mangelnde Individualität hat dazu geführt, dass sich der Europass bisher nicht als Standard durchgesetzt hat.

Zu den beliebtesten Zielen für die Arbeit im Ausland zählen Nordamerika, Südeuropa und Australien. Speziell für diese Regionen haben wir deshalb die wichtigsten Tipps für den optimalen Lebenslauf aufbereitet:

USA und Kanada – Anonymität wahren und dennoch Persönlichkeit zeigen

Kurz und knackig soll ein Lebenslauf sein. Die wichtigsten Informationen müssen also bestenfalls auf einer Seite Platz finden. Bei Akademikern dürfen es auch zwei Seiten werden. Der nordamerikanische Lebenslauf wird antichronologisch aufgebaut – es werden zuerst die aktuellsten Stationen aufgelistet.

Die Herausforderung im resume (USA) bzw. résumé (Kanada) ist es, möglichst anonym zu bleiben und dabei dennoch Persönlichkeit zu zeigen. Das heißt im Klartext: Aufgrund strenger Antidiskriminierungsgesetze werden außer dem Namen und der Adresse des Bewerbers keine weiteren persönlichen Daten im Lebenslauf angegeben. Geburtsdatum, Familienstand und ethnische Zugehörigkeit sowie Fotos werden weggelassen. Dennoch soll man Persönlichkeit zeigen. Personaler legen sehr viel Wert auf ehrenamtliche Aktivitäten (affiliations and volunteer experience), die ein außerberufliches Engagement zeigen. Freiwilligenarbeit, Mitgliedschaften in Vereinen oder Gesellschaften sowie die dortige Funktion sollten unbedingt aufgeführt und beschrieben werden.

Im Lebenslauf beginnt man zunächst mit einem einleitenden Satz, der die eigenen fachlichen Fähigkeiten möglichst aussagekräftig zusammenfasst. Im Unterschied zum deutschen Lebenslauf folgen dann die key accomplishments und das sogenannte objective. Das bedeutet, zentrale Erfolge sowie das angestrebte Karriereziel werden – abgestimmt auf die jeweilige Stellenbeschreibung – klar ausformuliert.

Der Lebenslauf für die USA kann vor Selbstvertrauen strotzen

Auch bei der darauf folgenden Auflistung der work experience ist es ungeheuer wichtig, überzeugend das eigene Können herauszustellen. Berufliche Erfolge müssen herausstechen und sind mit Zahlen sowie Fakten zu untermauern. Weitere Bestandteile des Lebenslaufs sind die Bereiche education und skills. Wer dort mit guten Noten punkten möchte, muss beachten, dass in den USA und Kanada ein anderes Notensystem genutzt wird. Sehr gute Leistungen entsprechen einer Note 4.0.

Achtung! Im Unterschied zum deutschen Lebenslauf werden hobbies nur dann aufgeführt, wenn sie für die angestrebte Stelle relevant sind.

Der nordamerikanische Lebenslauf kann und muss von Selbstvertrauen strotzen. Lügen oder übertreiben sollte man dabei jedoch nicht. Denn am Ende des Lebenslaufs sind zwei bis drei persönliche Referenzen (inklusive Kontaktdaten) aufzuführen, die auch gern kontaktiert werden. Machbar aber weniger geläufig ist an dieser Stelle auch die Formulierung „References available upon request.“
Besonders im kanadischen résumé sollte man eine Aussage zu den englischen und französischen Sprachkenntnissen machen. Zudem ist der Lebenslauf je nach Region in der jeweiligen Sprache zu erstellen.

Südeuropa – weniger ist mehr

Auch in Südeuropa liegt in der Kürze die Würze. Mehr als eine Seite sollte der Lebenslauf nicht umfassen. Er wird tabellarisch und antichronologisch aufbereitet. Ein Foto kann man beifügen, muss man aber nicht. Private Interessen und Hobbies werden nur dann aufgeführt, wenn sie für die angestrebte Stelle relevant sind.

Die wichtigsten Bestandteile im Überblick:

Lebenslauf Ausland

Achtung! Während der Lebenslauf in Spanien und Italien mit curriculum vitae überschrieben wird, verzichtet man in Frankreich auf eine Überschrift. Wie im nordamerikanischen wird auch im französischen Lebenslauf zu Beginn ein Karriereziel ausformuliert.

Australien – je länger desto besser

Nein, natürlich soll das australische résumé kein Roman werden, aber zwei bis fünf Seiten dürfen es schon werden. Bei der Gestaltung kann man sich gut und gerne an den Richtlinien für Nordamerika orientieren – bis auf wenige Ausnahmen. Im Unterschied zum nordamerikanischen Raum wird in Australien unter personal details neben Name und Kontaktdaten auch das Geburtsdatum aufgeführt. Hinsichtlich der Angabe von hobbies and interests scheiden sich die Geister. Hobbies können genannt werden, dennoch ist diese Rubrik mit Vorsicht zu genießen.

Ausblick: Das kleine 1×1 der Bewerbung im Ausland

Natürlich ist die Bewerbung für den Job im Ausland mit der Gestaltung des Lebenslaufs noch nicht abgeschlossen. Welche Dinge von A wie Anschreiben bis Z wie Zeugnisse außerdem zu beachten sind – darum geht es im letzten Teil der Serie „Karriere ohne Grenzen“.

Autorin: Susan Höntzsch, karrierepfa.de


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