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"Jobwelten": Norwegen - zwischen Fjord und Schreibtisch

Arbeiten in Norwegen, Fjord-City in Oslo

©Mats Anda / Getty Images

Evelyn Voss Rygnestad lebt und arbeitet in Norwegen. An der Universität in Oslo ist die gebürtige Usedomerin für wissenschaftliche Körperspenden zuständig. Wie es dazu kam, erzählt die Auftaktfolge unser neuen Serie „Jobwelten“ über deutsche Berufstätige im Ausland.

Ein Job in Norwegen: Evelyn Voss Rygnestad
©Gunnar Lothe

Auswandern, das Glück außerhalb Deutschlands suchen, in einem anderen Land irgendwo auf der Welt leben und arbeiten. Für Evelyn Voss Rygnestad stand dieser Wunsch schon früh fest. „Ich komme aus einem kleinen Dorf auf der Insel Usedom“, erzählt die 34-Jährige. „Und ich wusste schon zu Schulzeiten, dass ich einmal woanders leben wollte.“ Schon nach dem Abitur ging sie als Au-Pair-Mädchen nach Norwegen und lebte bei einer Gastfamilie in Oslo. Für die junge Frau aus der Provinz war das die große weite Welt, wie sie selbst sagt: „Auch, wenn Oslo eigentlich gar nicht so groß ist.“

Erster Job in der Touristen-Info

Rund 658.000 Einwohner leben in der Stadt (s. Aufmacherbild Stadtteil „Fjord-City“), die eingebettet zwischen Fjord und Wäldern liegt. Evelyn Voss Rygnestad verliebte sich auf Anhieb in Oslo und fasste den Entschluss: „Hier möchte ich leben.“ Innerhalb kurzer Zeit lernte sie Norwegisch. Für das Studium der Skandinavistik und Geographie ging es zunächst wieder nach Deutschland. „Zunächst wollte ich Tourismus studieren, doch die Wartezeit war mir zu lang.“ Immer wieder reiste sie während ihrer Jahre an der Universität nach Oslo, nahm einen Sommerjob bei der dortigen Tourismus-Information an und kehrte dann zurück nach Kiel, um ihre Magisterarbeit zu beenden.

Das Hochschul-Examen in der Tasche zog es sie wieder in ihre Wahlheimat. Sie arbeitete erneut bei der Tourismus-Information und bewarb sich bei anderen Unternehmen. „Es war für mich leichter, mich direkt aus Norwegen heraus nach einer festen Stelle umzusehen“, erklärt sie.

Auf keinen Fall zurück nach Deutschland

Ihr erstes Vorstellungsgespräch hatte sie bei einer Agentur, die Schüler-Austauschprogramme organisiert. Evelyn Voss Rygnestad bekam die Stelle, die zunächst auf ein Jahr befristet war. „Insgesamt war es nicht das Gelbe vom Ei. Für deutsche Verhältnisse war der Job zwar gut bezahlt, für norwegische aber schlecht. Außerdem musste ich viele unbezahlte Überstunden machen und bekam eine Menge negativen Input zum Beispiel von Schülern, die sich ihren Schüleraustausch anders vorgestellt hatten.“ Zudem lief die Befristung bald aus.

Die Auswanderin bewarb sich weiter und fand eine Stelle als Nachtportier in einem Hotel. „Es war kein Traumjob. Aber ich wollte auf keinen Fall zurück nach Deutschland gehen oder hier die soziale Hängematte ausnutzen.“ Drei Monate lang übernahm sie die Nachtschichten im Hotel, dann kam die Zusage von der Universität, wo sie bis heute arbeitet.

Eigentlich hatte sie sich dort für eine Stelle im wissenschaftlichen Bereich interessiert, nun kam das Angebot für sie, an der Information der medizinischen Fakultät zu arbeiten. „Es war nicht ganz das, was ich wollte, aber ich hatte die Möglichkeit, die Karriereleiter immer ein Stück höher zu klettern.“

Wieder war die Stelle befristet, aber dieses Mal kam ihr der Zufall zur Hilfe. „Eine Kollegin, die kurz danach in den Ruhestand ging, informierte mich, dass ihre Stelle dann frei werden würde.“ Evelyn Voss Rygnestad bewarb sich. Mit Erfolg. Heute ist sie mit administrativen Aufgaben rund um das Thema Körperspenden betraut. Sie informiert Menschen, die ihren Körper nach dem Tod der Wissenschaft zur Verfügung stellen möchten, berät Angehörige, organisiert Weiterbildungen für Ärzte und hat weitere Aufgaben. Seit dreieinhalb Jahren macht sie diesen Job.

Ein Job in Norwegen hat viele Vorteile

„Eigentlich hatte ich ja einmal den Plan, in den Tourismus zu gehen. Aber diese Stelle macht mir Spaß und bietet mir viele Sicherheiten und Vorzüge. So haben wir von Mitte Mai bis Mitte September die Sommerarbeitszeit, in der wir nur sieben Stunden inklusive Mittagspause arbeiten, weil der norwegische Sommer so kurz ist.“ Darüber hinaus weiß sie auch die anderen Vorzüge ihrer norwegischen Wahlheimat zu schätzen. „Eineinhalb Stunden in der Woche dürfen wir während unserer Arbeitszeit an Sportangeboten teilnehmen. Damit soll etwa Rückenproblemen vorgebeugt werden“, sagt sie.

Insgesamt sei vieles anders als in Deutschland. „Es gibt hier zum Beispiel kein Hierarchiedenken. Im Unternehmen wird geduzt – von der Sekretärin bis zum Professor. Alle sind gleichgestellt und das gefällt mir sehr.“

Regelmäßig, ein bis zweimal im Jahr, finden Mitarbeitergespräche mit dem Vorgesetzten statt, indem geklärt wird, ob der Beschäftigte überlastet ist, ob er sich neue Herausforderungen wünscht oder was er gerne ändern möchte. „Auf dieser Basis wird dann ein Zeitplan erarbeitet, der auch von allen eingehalten wird“, erklärt Evelyn Voss Rygnestad.

Längst ist Oslo zu ihrer Heimat geworden. Dass sie einmal hier weggehen wird, kann sich die Deutsche, die inzwischen mit einem Norweger verheiratet ist, nicht mehr vorstellen. „Und wenn das sein müsste, würde ich keinesfalls zurück nach Deutschland gehen.“

Text: Daniela Lukaßen-Held


Grundlegende Informationen über Arbeitsmöglichkeiten in Norwegen erhalten Sie auf dieser Webseite der Europäischen Kommission.

Alles Wissenswerte rund um das Thema „Arbeiten im Ausland“ haben wir in unserer Serie „Karriere ohne Grenzen“ zusammengestellt.

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