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Wieso braucht man eigene Headhunter für Frauen?

Wiedereinstige für Mütter soll erleichtert werden

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Bessere Jobs, besseres Gehalt: Christian Böhnke, Gründer der Personalberatung „Hunting Her“, erklärt, warum seine Agentur Headhunter nur für Frauen anbietet.

Headhunter für Frauen
© Hunting Her Personal- & Kommunikationsberatung

Herr Böhnke, wie kamen Sie 2007 auf die Idee, eine Headhunting-Agentur nur für Frauen zu gründen? Das Thema Frauenquote war da noch gar nicht aktuell.
Christian Böhnke: Naja, Diversity und Mixed Leadership waren schon Themen, die langsam aufkamen. Der Markt der Personalberatungen ist ja stark segmentiert und spezialisiert auf bestimmte Branchen, Regionen und Funktionen. Für alle Bereiche gab es Spezialisten – und mir fiel auf, dass dabei eine ganze Hälfte unserer Bevölkerung außer acht gelassen wird.

Brauchen Frauen wirklich einen eigenen Headhunter? Reicht es nicht, wenn sie einfach gut sind?
Christian Böhnke: Es gibt schon spezielle Themen, da hilft es Frauen, wenn sie mit jemandem arbeiten, der sich damit auskennt. Wenn Sie Zahnschmerzen haben, gehen Sie ja auch nicht zum Allgemeinmediziner, sondern zum Zahnarzt, oder sogar einem Spezialisten, der sich genau mit Ihrem Problem besonders gut auskennt.

Welche Themen sind es denn, bei denen Frauen von Ihnen profitieren?
Böhnke: Sie unterscheiden sich als Zielgruppe in der Personalvermittlung stark von Männern. Während diese sich eher einmal überschätzen, tendieren Frauen dazu, sich unter Wert zu verkaufen. Darauf sind wir sensibilisiert und schauen ganz genau hin. Wir coachen für das Vorgehen in der Gehaltsverhandlung und schauen da auch einmal mit den Kundinnen zurück: Denn oft haben Sie auch in ihrem alten Job ein Spitzengehalt bekommen. Dennoch muss man erst die Überzeugung fördern, dass das nicht altruistisch von dem Unternehmen war, sondern in der Regel auf einer Spitzenleistung basiert. Dessen sind sich viele Frauen nicht bewusst.

Welche Unternehmen beauftragen denn spezielle Headhunter für Frauen?
Böhnke: Das sind viele Großunternehmen, aber auch vereinzelt Mittelständler – eben alle, die explizit Interesse an einem steigenden Frauenanteil in ihrem Unternehmen haben. Das geht durch alle Branchen.

Müssen die Frauen, dann nicht Angst haben, dass sie nur eingestellt werden, weil sie eine Frau sind?
Böhnke: Auf keinen Fall. Niemand wird heute eine Führungskraft einstellen nur wegen des Geschlechts, das kann sich kein Unternehmen leisten. Die fachliche Qualifikation muss passen. Das geht ja nicht auf Biegen und Brechen – dann passiert es eben auch, dass sich niemand findet. Und es geht ja nicht nur um den Frauenanteil: Viele Branchen haben mit Fachkräftemangel zu kämpfen, IT, technische und naturwissenschaftliche Berufe – diese Unternehmen sind darauf angewiesen, um Frauen zu werben, um überhaupt genug Fachkräfte zu finden.

Wo gibt es denn derzeit die besten Chancen für Frauen?
Böhnke: In diesen genannten MINT-Fächern sind gerade definitiv optimale Karrieremöglichkeiten gegeben. Außerdem in allen wachsenden Branchen, wie zum Beispiel der Informations- oder Biotechnologie, aber auch bei vielen Mittelständlern. Es ist ja die bestausgebildete weibliche Generation, die jetzt heranwächst, das ist für die Unternehmen und uns ein großes Potential.

„Headhunter für Frauen bringen mitunter mehr als die Quote“

Lassen Sie mich raten, die Frauenquote befürworten Sie? Beschert sie Ihnen doch per Gesetz Kundschaft?
Böhnke: Die rund hundert Vakanzen, die in den nächsten Jahren in den Aufsichtsräten zu erwarten sind, bringen der Mehrheit der Frauen erst mal nichts – das wird eher Symbolwirkung haben. Sie profitieren mehr davon, wenn es einen Bewusstseinswandel in den Unternehmen gibt. Dafür setzen wir uns auch mit unserer Sparte Kommunikationsberatung ein – da geht es gar nicht um die Besetzung von Stellen.

Können Sie da ein Beispiel nennen?
Böhnke: Wir wurden von einem internationalen Konzern zu Rate gezogen, auf den ersten drei Führungsebenen eines Ressorts Männer. Sie wollten sich einfach von außen und mit unserer spezifischen Expertise beraten lassen, wie sie Kommunikation in Richtung weiblicher Führungskräfte besser machen können. Da war auch eine Frauenquote im Gespräch, aber die Frauen lehnten das ab, weil es kommuniziert wurde, als wäre es ein Almosen oder die Förderung der Schwächsten. Wenn wir da helfen können, bringt das mehr Frauen nach vorne als jede Quote.

Was empfehlen Sie Frauen, die gerade wechselwillig sind?
Böhnke: Natürlich können sie sich bei uns in die Kartei aufnehmen lassen, mehrere Tausend Kandidatinnen sind da bereits im Pool. Aber wir empfehlen auch immer, mehrgleisig zu fahren, weil die Chancen dann höher sind. Auch, sich in Frauennetzwerken zu organisieren, kann nützlich sein, um Erfahrungen auszutauschen.

Und nun, Hand aufs Herz: Wie viele Frauen arbeiten bei Ihnen?
Böhnke: Tatsächlich haben wir in allen unserer drei Bereichen einen Frauenüberschuss, insgesamt einen Frauenanteil von zwei Dritteln. Aufgrund von Krankheitsfällen gab es aber vor kurzem mal eine skurrile Situation: Wir kamen als zwei Männer zu einer Präsentation bei einem großen deutschen Konzern – uns gegenüber drei Entscheiderinnen und wir haben darüber gesprochen, wie wichtig Frauen im Unternehmen sind. Aber man kann ja auch mal Männern zutrauen, diese Notwendigkeit zu vertreten.

Das Interview führte Maria Zeitler


Service-Info: Egal ob Frau oder Mann: Wenn Sie nicht warten wollen, bis ein Headhunter anruft, sollten Sie selber aktiv werden. Für eine gelungene Bewerbung helfen Ihnen unsere kostenlosen Editoren für Anschreiben und Lebenslauf, mit denen Sie sich in kurzer Zeit Ihre persönlichen Dokumente zusammenstellen können.
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