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Im Schweigen liegt die Macht: Führungskräfte und ihre ungesagten Fehler – Diese Branche fällt am meisten auf

Ein guter Umgang mit den eigenen Fehlern ist essenziell für die Wettbewerbsfähigkeit und der Zusammenarbeit im Team. Doch gerade Führungskräfte verheimlichen immer öfter ihre eigenen Fehler. Woher kommt das eigentlich? Eine Studie der Unternehmensberatung EY gibt Auskunft.


Eine positive Fehlerkultur trägt zu einer guten Unternehmenskultur bei. Doch eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Ernest & Young zeigt, dass es um die Fehlerkultur in Unternehmen nicht gut bestellt ist. Doch woran liegt das? Schuld daran sind vordergründig Führungskräfte. Denn 64 Prozent der Befragten geben an, eigene Fehler nicht oder nur manchmal angesprochen zu haben. Zu der Spitze des Eisberges gehört dabei die Finanzbranche. Dort gaben 82 Prozent der befragten Führungskräfte an, ihre Fehler weitestgehend für sich zu behalten.

Doch warum ist ein konstruktiver Umgang mit Fehlern eigentlich so wichtig?

Nelson Taapken, ein Transformationsexperte von EY, betont die Wichtigkeit von Fehlern und erklärt, dass der richtige Umgang mit Fehlern einen erheblichen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens hat. Eine positive Fehlerkultur führt weiterhin dazu, dass die Mitarbeiterbindung im Unternehmen gestärkt wird und die Führungskraft eine Art der Vorbildfunktion übernimmt. Denn Fehler passieren jedem an irgendeinem Punkt und dabei ist es einfach wichtig, zu verstehen, dass aus Fehlern gelernt werden und jeder durch sie wachsen kann. Fehler führen früher oder später zu einem Erfolg.

Die meisten Führungskräfte scheinen auch all das zu wissen, doch das Gefühl der Scham scheint nach wie vor noch immer eine bedeutende Rolle zu spielen. Denn circa 48 Prozent der Führungskräfte geben nicht zu, etwas falsch gemacht zu haben, um ihr eigenes Gesicht zu wahren. Des Weiteren haben rund 53 Prozent Angst davor, ihre Fehler zuzugeben, da sie eine Kündigung befürchten. Für 68 Prozent der Führungskräfte hat das Verstecken der eigenen Fehler etwas damit zu tun, dass sie Panik vor Karrierenachteilen haben.

Mann steht mit gesenktem Kopf in leerem Büro © Westend61 / Getty Images
Fehler sind menschlich, auch bei Chefs. Doch das Problem an der Sache ist: Folgende Fehler passieren zwar vielen Chefs, fallen ihnen selbst aber überhaupt nicht auf. 

Wie können Arbeitnehmer erkennen, ob ihre Führungskraft etwas verschweigt?

1. Verneinung: „Ich habe da gar nichts mit zu tun!“

Die Führungskraft bestreitet vehement, für den Fehler verantwortlich zu sein. Dadurch erhofft sich diejenige Person, den Fehler so schnell wie möglich unter den Teppich kehren zu können, damit es in Vergessenheit gerät. Dabei stellt es jedoch keineswegs eine Lösung dar und die Verstrickung in weitere Lügen, sollten erneut Fehler passieren, resultiert in einem riesigen Konstrukt aus Lügen, welches früher oder später in sich zusammenfallen wird. Darüber hinaus sorgt diese Art des Umgangs dafür, dass ein ungesunder Umgang mit Fehlern und Lügen entsteht.

2. Schuldübertragung: „Ich glaube, das ist alles Deine schuld!“

Andere Kollegen aus dem Team werden für den eigenen Fehler verantwortlich gemacht und somit in den Mittelpunkt gerückt. Für Führungskräfte, welche sich in einer Machtposition befinden, ist das ein leichter Weg, um den Fokus und die Schuld von sich abzuwenden. Das es sich dabei jedoch deutlich um eine toxische Machtausübung oder sogar einen Machtmissbrauch handelt, wird klar.

3. Ignorieren und Auslassung: „Es ist doch gar nichts passiert?“

Führungskräfte versuchen ihren Fehler zu vertuschen, indem sie einfach keine Informationen weitergeben. Denn sollte niemand danach fragen, wird das Thema auch nicht angesprochen. Wie effektiv dieser Lösungsweg ist, lässt sich bezweifeln, da sie in die Bedrängnis geraten, sobald jemand über den Fehler stolpert und anfängt, Fragen zu stellen.

4. Beschönigung: „Ach, das ist doch gar nicht so schlimm!“

Die Führungskraft spielt den eigenen Fehler herunter oder tut so, als wäre ihm eigentlich gar kein Fehler passiert und minimiert somit die Schwere der Auswirkung. Sollte jemand der Kollegen jedoch auch eine Ahnung haben und die Schwere des begangenen Fehlers erkennen, wird sich der Versuch, den Fehler zu verheimlichen, als schwierig gestalten.

Eine positive Fehlerkultur führt zum Erfolg!

Das Verheimlichen oder Verdrängen von Fehlern wird früher oder später Konsequenzen mit sich bringen. Dabei geht es nicht nur um das Unternehmen, sondern auch um einen selbst. Denn das permanente Wissen darüber, dass die Führungskraft nicht ehrlich zu seinem Team ist, kann mit der Zeit auch psychische Probleme mit sich bringen.

Daher ist eine positive Fehlerkultur umso wichtiger. Fehler sind dazu da, um aus Ihnen zu lernen und zu wachsen. Darüber hinaus werden das Vertrauen und der Zusammenhalt gestärkt, sofern jeder im Team offen über Fehler kommuniziert und vielleicht auch gemeinsam nach Lösungen gesucht wird.

Es ist also insbesondere die Aufgabe einer Führungskraft eine Fehlerkultur zu schaffen, in der sich jeder traut, seine eigenen Fehler zuzugeben, in der es nicht schlimm ist, welche zu begehen und in der jeder Mitarbeiter an begangenen Fehlern wachsen kann.

 

Veröffentlicht
08.12.2023

Author:in
Jeanne Kliebe