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Mein Auswahlverfahren zum Bauingenieur: Echt amtlich, dieses Studium

Philipp Spielvogel absolviert ein duales Studium als Bauingenieur

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Philipp Spielvogel absolviert ein Duales Studium als Bauingenieur bei der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Hier erzählt er, wie knifflig seine Aufnahmeprüfungen waren – Spezialfragen inklusive.

„Während meiner Ausbildung zum Schreiner hörte ich immer mal wieder jemanden über junge Ingenieure ohne Erfahrung schimpfen. Ich wollte also unbedingt dual studieren, um schon als Absolvent die nötige Praxiserfahrung mitzubringen. Bei der Agentur für Arbeit erfuhr ich dann von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), die ihre Mitarbeiter in einem dualen Studium ausbildet. Vorher hatte ich ehrlich gesagt noch nie darüber nachgedacht, dass auch die Wasserstraßen über eine Verwaltung geregelt werden musste. Ich schickte meine Bewerbung mehr oder weniger ins Blaue und wurde dann per Post zum Auswahltermin eingeladen.

Philipp Spielvogel Duales Studium Bauingenieur
Philipp Spielvogel (©Foto: privat)

In einer dreistündigen Informationsveranstaltung erfuhr ich dann vor Ort, dass die WSV die Schifffahrt im Binnenwasserbereich und auch an den Küstenzonen regelt und die Bauwerke dort überprüft. Die Fachleute, die dort ausgebildet werden, prüfen später die Uferbefestigungen, aber auch Gebäude und Anlagen wie Schleusen, um bei Bedarf Instandhaltungen anzuordnen. Die dualen Studenten werden während der Praxisphasen im Sommer an stark befahrenen Gewässern eingesetzt. Mir gefiel die Aussicht auf ein gut bezahltes Studium und einen sicheren Arbeitsplatz.

Nach der Einführung wurde im Computertest abgeprüft, ob wir Kopf rechnen können und wie gut wir räumlich denken können. Es wurden aber auch Fragen zu grundlegendem Computerwissen, zum Beispiel zu bestimmten Festplattentypen, gestellt. Hier ging es darum herauszufinden, wer die Grundvoraussetzungen für das Studium mitbringt, wo unter anderem auch Mathematik, Informatik und Mechanik auf dem Programm stehen. In einer anderen Aufgabe mussten wir bestimmte Email nach Vorgaben sortieren. Und schließlich hatten wir eine Stunde Zeit, um von Hand einen Aufsatz zu schreiben, wofür zwei Themen zur Auswahl standen: „Sollen Fußballvereine die Polizeieinsätze bei Spielen selbst bezahlen?“ Und: „Sollte man regionale und Bioprodukte subventionieren und/oder ungesunde Lebensmittel stärker besteuern?“

Einige Wochen nach diesem ersten Auswahltermin bekam ich die Mitteilung, dass ich in die nächste Runde kam. Beim folgenden Bewerbertag standen eine Selbstpräsentation und eine Gruppendiskussion an. Es wurden dann auch Fragen gestellt, die für die Arbeit bei der WSV relevant sind: „Ein Schiff hat an einem kleinen See geankert. Jetzt zieht es den Anker aus dem Wasser und legt ihn ins Boot. Steigt der Wasserspiegel oder sinkt er oder bleibt er gleich?“ Oder: „Sie sind in Koblenz und möchten nach Lübeck. Wie würden Sie mit dem Schiff fahren“? Oder: „Wie würden Sie in folgender Arbeitssituation gegenüber Ihrem Kollegen oder Vorgesetzten verhalten: …“. Es wurde auch darauf geachtet, wie wir damit umgehen, wenn wir eine Antwort auf eine Wissensfrage nicht kennen.

Im März wusste ich dann endlich, dass ich im Sommer mein duales Studium beginnen könnte.

Natürlich haben wir als duale Studenten weniger Freizeit als normale Studenten. Wir haben nur so viel Urlaub wie normale Arbeitnehmer. Aber wir müssen auch nicht wie viele normale Studenten nebenher arbeiten, um uns unsere Wohnung leisten zu können, sondern wie bekommen während des Studiums ein vierstelliges Gehalt. Und wir müssen nicht wie andere duale Studenten an zwei Tagen pro Woche arbeiten und an drei Tagen studieren. Das Semester verbringen wir stattdessen vollständig an der Hochschule in Bochum. Während der Semesterferien haben wir Praxisabschnitte oder Lehrgänge. Während der Vorlesungszeit und während der Prüfungsphasen müssen wir nicht arbeiten. Trotzdem müssen wir natürlich, wenn schwierige Prüfungen anstehen, auch in den Praxisphasen nach Feierabend oder an den Wochenenden dafür lernen.

Im Winter setzen wir uns mit juristischen Aspekten der Tätigkeit, also dem Beamten-, Tarif und Wasserschifffahrtsrecht, auseinander. Im Sommer haben wir jeweils einen Praxiseinsatz am Fluss, an der Küste und am Kanal, so dass wir die unterschiedlichen Anforderungen kennenlernen. Ich habe in Lübeck gelernt, wie man Tonnen setzt und Einfahrten von Buchten ausbaggert, wenn sie zu sehr von Sand zugespült wurden. In Worms ging es darum, zu prüfen, dass Uferbefestigungen am Rhein in Ordnung und Schilder nicht zugewachsen sind.

Wir werden als duale Studenten darauf vorbereitet, die untersten Behörden zu leiten, die direkt am Gewässer liegen und für einen bestimmten Abschnitt zuständig sind. Zu den Aufgaben dort gehört es, das Personal, also die Wasserbauer und vielleicht auch vereinzelt Elektroniker, zu führen. Wer sein Studium nicht gerade mit der Note 4,0 abschließt, hat seinen Arbeitsplatz hier so gut wie sicher. Auf lange Sicht ist es aber auch möglich, in einer der Mittelbehörden zu arbeiten, die über das Bundesgebiet verteilt sind und Projekte vor allem vom Schreibtisch aus bearbeiteten. Diesen Behörden sind der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt sowie dem Innenministerium untergeordnet, die auch die strategischen Schwerpunkte unserer Arbeit festlegen.

Ein Ziel ist zurzeit beispielsweise, den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene und das Wasser zu bringen. Wenn also zum Beispiel der Dortmund-Ems-Kanal ausgebaut werden soll, damit dort noch breitere Schiffe fahren können, werden dort mehr Ingenieure gebraucht als in einem kleinen Seitenarm eines Flusses, in dem nur Sportschifffahrt betrieben wird. Als Bundesbeamte können wir im gesamten Bundesgebiet eingesetzt werden. Wir können uns also nicht unbedingt aussuchen, wo wir landen. Aber wir können Wünsche äußern. Wer beispielsweise am Rhein, im Küstenbereich oder in einem Verbindungsbereich von der Küste zum Mittellandkanal eingesetzt werden möchte, hat bessere Chancen als jemand, der in Thüringen oder Sachsen arbeiten möchte, wo es wenig Schifffahrt gibt.“

Aufgezeichnet von Janna Degener-Storr


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