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Man nehme Dr. Oetker - Personalerin verrät, was Bewerber wissen sollten

Nora Thelen ist Head of Talent Acquisition & Employer Branding bei Dr. Oetker. Gemeinsam mit ihrem Team kümmert sie sich darum, Talente für die Arbeit beim Traditionsunternehmen zu begeistern. Im Interview steht sie uns Rede und Antwort: Sie erzählt, wie Netzwerken ihr zu ihrem jetzigen Job verholfen hat und warum musikalisches Geschick auch im Vorstellungsgespräch ein Plus sein kann.

Hallo Frau Thelen, wie sind Sie zu Dr. Oetker gekommen?

Nora Thelen Dr Oetker
©Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG

Ich habe Sozial- und Wirtschaftswissenschaften studiert und war danach zum Studieren in Madrid. Dort wurde ich auf eine Praktikumsausschreibung im Personalbereich bei Dr. Oetker aufmerksam.

Als gebürtige Bielefelderin begegnet einem das Unternehmen an vielen Stellen und ich hatte immer eine positive Verbindung zum Namen Dr. Oetker. Ich beschloss, mich kurzerhand zu bewerben. Nach einem Vorstellungsgespräch bekam ich die Zusage für das Praktikum.

Diese sechs Monate bildeten die Grundlage dafür, dass ich mir sicher war, beruflich „angekommen“ zu sein. Der Personalbereich machte mir einfach Spaß. Danach absolvierte ich meinen Master mit Fokus auf Personal- und Change-Management, ging zum Studium nach Neuseeland und fand daraufhin meinen ersten festen Job bei einem deutschen Energiekonzern.

Durch unser Praktikantenbindungsprogramm „Stay in Touch“ bei Dr. Oetker hielt ich aber immer engen Kontakt mit den ehemaligen Kollegen. Und knapp drei Jahre später bot sich mir die Chance, mich auf eine Stelle im Personalbereich bei Dr. Oetker zu bewerben. Nun bin ich schon seit sechs Jahren fest im Unternehmen tätig – derzeit als Head of Talent Acquisition & Employer Branding. Ich bin praktisch wieder zu meinen „Wurzeln“ zurückgekehrt und bin bis heute sehr glücklich hier.

Und was machen Sie jetzt bei Dr. Oetker?

Ich leite in der Personalabteilung den Bereich Talent Acquisition & Employer Branding. Zum Team gehören fünf Kolleginnen und Kollegen mit unterschiedlichen Aufgaben. Unser Ziel ist es, die Arbeitgebermarke Dr. Oetker nach innen und außen zu kommunizieren und uns im Bewerbermarkt zu positionieren. Dazu gehört die Planung und Durchführung verschiedener Personalmarketingmaßnahmen – online, offline, im persönlichen Kontakt auf Messen oder bei Inhouse-Veranstaltungen.

Wir sitzen nicht nur am Schreibtisch, sondern haben viel persönlichen Kontakt mit Schülern, Studierenden und Absolventen. Außerdem unterstützen wir Praktikanten und Auszubildenden am Standort Bielefeld sowie unsere internationalen Trainees, angefangen beim Recruiting und Auswahlverfahren bis hin zur alltäglichen Betreuung.

Es geht bei unseren Aktivitäten darum, die richtigen Talente ins Unternehmen zu holen, ob das der Praktikant, der Auszubildende, der Trainee oder Direkteinsteiger ist. Wir wollen die für uns passenden Kandidaten ansprechen, begeistern und halten. Das ist eine bunte Palette an Aufgaben und die bereitet sehr viel Spaß.

Nora Thelen, Head of Talent Acquisition & Employer Branding bei Dr. Oetker

Was zeichnet Dr. Oetker als Arbeitgeber aus?

Das Familienunternehmen Dr. Oetker überzeugt seit 1891 mit einer besonders werteorientierten und nachhaltigen Unternehmenskultur: Unsere Mitarbeiter werden von uns als Individuum in den Fokus gerückt. Wir haben ein hohes Qualitätsverständnis auf allen Ebenen, sind traditionell und gleichzeitig innovativ, ostwestfälisch verwurzelt und international wachsend. Diesen spannenden Mix schätzen unsere Mitarbeiter und auch die Bewerber.

#azubidigital Start-Up Days bei Dr. Oetker (©Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG)

Was wir machen, machen wir richtig. Wir sind vor allem mitarbeiterorientiert, kollegial, nachhaltig, international, zunehmend agil. Alles wird immer wieder auf den Prüfstand gestellt, um nicht hinterher, sondern vorweg zu laufen. So gestalten wir seit rund 40 Jahren die Ausbildung und haben aktuell mit der Initiative #azubidigital neue Impulse für uns und die Ausbildungslandschaft gesetzt. Auch das Trainee-Programm bieten wir seit über 30 Jahren an und haben es Stück für Stück internationalisiert. Tradition ist bei uns auch gleichzeitig ein Ansporn für Innovation.

Was sind die größten Herausforderungen des Unternehmens?

©Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG
©Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG

Die Herausforderung für die Arbeitgebermarke Dr. Oetker besteht sicherlich darin, in Zeiten des digitalen Fortschritts das Arbeitsumfeld, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen – ob für Azubis, Trainees oder Direkteinsteiger – in Richtung Zukunft weiterzuentwickeln, um anschlussfähig zu bleiben. Das heißt, dass wir Kandidaten suchen, die offen für Neues sind. Und die die Bereitschaft mitbringen, stets auch über den Tellerrand zu sehen – und so auch die digitale Transformation mit voran zu treiben. Andersherum müssen wir dies im Unternehmen auch verstärkt fördern. Insgesamt alles neue Anforderungen, denen wir uns stellen. Eine spannende Entwicklung, die wir im Team mit viel Freude begleiten. Ein Beispiel: Zukünftig haben kaufmännische Azubis die Chance, digitale Stationen innerhalb der Oetker-Gruppe zu absolvieren und Startup-Methoden zu erlernen. Das macht sie fit – für zukünftige Positionen innerhalb des Unternehmens und natürlich für den Arbeitsmarkt insgesamt.

Was ist „typisch“ Dr. Oetker?

Das Miteinander. Die hohe Identifikation der Mitarbeiter mit der Marke und der Unternehmensgeschichte. Der Stolz, hier zu arbeiten. Beobachten Sie mal einen Dr. Oetker Mitarbeiter im Supermarkt. Da werden Packungen im Regal in die richtige Position gerückt.

Was überzeugt Sie jeden Tag wieder für das Unternehmen zu arbeiten?

Das Team und die Aufgaben, die wir Tag für Tag angehen und lösen. Das fängt hier bei uns auf dem Flur an und reicht bis zu den Skype-Telefonaten mit unseren Landesgesellschaften. In Bielefeld wie auch in den Ländern spüren wir, dass die familiäre Unternehmenskultur gelebt wird. Wir haben wenig Fluktuation und arbeiten daher lange mit unseren Kollegen zusammen. Das bringt einen sehr wertschätzenden und respektvollen Umgang mit sich.

Wie spiegelt sich das in Ihrem Bewerbungsprozess wider?

In Bezug auf das Thema Vorstellungsgespräch bedeutet das: Wir legen Wert darauf, dass Bewerber sich reflektiert geben, durchaus selbstkritisch sind und benennen können, wo sie sich selbst noch verbessern könnten. Es fällt positiv auf, wenn ein Bewerber bei Fragen zu Entwicklungsbereichen oder Verbesserungspotenzialen auch ehrlich antwortet und Themen kritisch hinterfragt.

Gibt es Stellen, die immer besonders schwer zu besetzen sind?

Generell suchen wir in den Bereichen Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsinformatik, Lebensmitteltechnologie und Ökotrophologie. Für die Unternehmenswelt gesprochen, suchen wir vor allem für die Bereiche Controlling, IT, Marketing und Vertrieb.

Eine Herausforderung ist sicherlich, Talente für den IT- und digitalen Aufgabenbereich zu finden. Hier ist die Nachfrage größer als das Angebot und wir müssen uns mit unseren spannenden Jobs neben Tech-Unternehmen behaupten. Der Reiz liegt aber gerade in der Kombination. Digitale Produkte zu entwickeln und das in einem sehr analog-menschlichen Umfeld. Da haben wir wieder die Kombination aus Innovation und Tradition. Das liegt zum Teil auch daran, dass nicht jeder bei Dr. Oetker gleich an IT oder Digitalthemen denkt, sondern erst einmal an Lebensmittel und Produkte und die damit verknüpften Berufe. Aber wir stellen fest, dass sich das schon sehr gewandelt hat. Das wird sich entsprechend weiterentwickeln.

Was muss der ideale Bewerber mitbringen?

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©Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG

Ganz klar: Persönlichkeit. Die fachliche Eignung bildet natürlich die Ausgangslage, aber am Ende ist die Persönlichkeit des Bewerbers entscheidend. Die können wir nicht in Seminaren und Trainings vermitteln. Wir legen Wert auf Teamplayer, die lösungs- und ergebnisorientiert sind und keine Problemwälzer. Der Bewerber sollte sich also bereits bei der Bewerbung nicht verstellen, sondern sein „Ich“ vermitteln. Nur so können wir feststellen, ob der Kandidat zu uns passt. Und im Umkehrschluss kann er oder sie den gleichen „Match“ vornehmen und sich ehrlich fragen: „Passt das Unternehmen zu mir?“ Wir sind nicht für jeden das passende Unternehmen und wollen das auch gar nicht sein.

Wie schaut der Recruiting-Prozess aus und worauf müssen Bewerber gefasst sein?

Das ist je nach Stelle unterschiedlich. Wir verfolgen ein mehrstufiges Bewerbungsverfahren. Nehmen wir das Beispiel Trainee-Programm: Da führen wir drei Bewerbungsgespräche. Bei dem letzten und final entscheidenden ist der Trainee im Gespräch mit dem verantwortlichen Geschäftsführer für den jeweiligen Schwerpunktbereich. Ein Assessment Center gibt es bei uns nicht – dies würde aus unserer Sicht den falschen Fokus bei der Auswahl legen. Wir wollen Individuen kennenlernen, keine Konkurrenten im Wettbewerb. Deshalb legen wir Wert auf das klassische Bewerbungsgespräch.

Wie kann sich ein Bewerber darauf vorbereiten?

Eigentlich ist es ganz einfach: sein eigenes Leben und seine Motivation auf den Punkt bringen können. Man sollte wissen, warum man zu Dr. Oetker möchte und das auch kritisch reflektieren können. Es gibt sicherlich auch Dinge, die man konstruktiv kritisch sehen kann, wie zum Bespiel, wenn man Sorge hat, dass die Mühlen in einem Familienunternehmen zu langsam mahlen. Kritisch gesehene Aspekte darf man ruhig aussprechen; das gibt mitunter ja auch weitere gute Impulse für ein Gespräch. Wir wollen keinen Monolog, sondern einen guten Dialog.

Wer begegnet dem Bewerber in den unterschiedlichen Prozessschritten?

Die Personalverantwortlichen, die Führungskräfte des einstellenden Bereichs und beim Internationalen Trainee-Programm ein Mitglied der Geschäftsführung. Und wo immer möglich, begegnet man denjenigen, die schon einen Schritt weiter sind, wie z. B. den aktuellen Trainees oder Azubis.

Welche Plattformen und Kanäle nutzen Sie zum Rekrutieren?

Wir nutzen verschiedene Kanäle für unser Employer Branding und Recruiting und sind dort, wo Schüler und Studierende uns kennenlernen wollen. Deshalb haben wir unsere Social Media-Aktivitäten im HR-Bereich ausgebaut. Neben der Facebook-Seite Dr. Oetker Karriere sind wir nun auch auf Instagram präsent. Der Karrierebereich auf oetker.de und oetker-gruppe.de informiert zudem über zentrale Veranstaltungen wie die Talent Days und den Tag der offenen Ausbildung.

Wir arbeiten mittlerweile fast ausschließlich mit Online-Bewerbungen. Daneben sind wir auf verschiedenen Online-Plattformen unterwegs – ob absolventa.de, trainee-gefluester.de, aubi-plus.de oder einschlägigen Jobbörsen.

Auf unterschiedlichen Plattformen und in Foren berichten Trainees über ihren Einstieg bei Dr. Oetker und ihre Erfahrung von der Bewerbung bis hin zu einzelnen Stationen im Unternehmen. Wir möchten uns als Arbeitgeber authentisch geben und Erfolgsgeschichten und -beispiele aus dem Unternehmen erzählen.

Neben der fortschreitenden digitalen Kommunikation mit unseren Zielgruppen legen wir aber nach wie vor viel Wert auf den persönlichen Kontakt. Deswegen trifft man uns nach wie auf Hochschulmessen und wir freuen uns über das persönliche Gespräch.

Nora Thelen, Head of Talent Acquisition & Employer Branding bei Dr. Oetker

Googeln Sie Bewerber?

Nein. Wir trauen uns zu, Bewerber im persönlichen Gespräch besser kennenzulernen als durch Online-Profile. Außerdem gibt es eine private Seite bei Bewerbern, die Ihnen zusteht.

Worauf schauen Sie zuerst, wenn Sie Bewerbungsunterlagen sichten?

Auf den Lebenslauf. Der Mensch ist visuell gesteuert. Wenn eine Bewerbung einem Roman gleicht, dann verliert man den Überblick. Deshalb zählt das Motto „weniger ist mehr“. Das Anschreiben sollte daher eine Seite nicht überschreiten, der Lebenslauf sollte idealerweise nicht mehr als zwei Seiten umfassen.

Oftmals nutzen Bewerber das Anschreiben als eine prosaische Zusammenfassung des Lebenslaufs. Das ist aber nicht die Zielsetzung des Anschreibens.

Wie wichtig ist Ihnen ein originelles Anschreiben?

Wer kreative Ideen hat, sollte dies umsetzen. Warum nicht? Wer auf „Nummer sicher“ gehen möchte, der sollte dann eher beim klassischen Anschreiben bleiben, bestenfalls aber ohne oberflächliche Floskeln. Ein ordentlicher Aufbau und Aussagen darüber, welche Eigenschaften, Erfahrungen und Qualifikationen den Bewerber genau für die betreffende Stelle auszeichnen und warum es genau dieses eine Unternehmen sein soll, sind wichtig.

Kurz: Auf der inhaltlichen Schiene zahlen sich Persönlichkeit und Authentizität aus, auf der formellen Ebene sollte jeder selbst letztendlich entscheiden, ob er eine kreative Idee umsetzen möchte oder eher nicht. Es gibt kein richtig oder falsch.

Was sind die häufigsten Gründe dafür, dass sie einen Bewerber nicht zu einem Vorstellungsgespräch einladen?

Das können ganz unterschiedliche Gründe sein: Wenn er z. B. die grundlegende fachliche Qualifikation nicht erfüllt oder die Bewerbung schlichtweg schlampig und erkennbar unmotiviert erstellt wurde.

Haben Sie eine Lieblingsfrage, die Sie im Vorstellungsgespräch stellen?

Ja, aber die werde ich hier nicht verraten, denn die Antwort soll ja authentisch und nicht vorbereitet sein.

Wie können Bewerber die Frage nach den eigenen Schwächen souverän beantworten?

Keine Stärken als Schwäche verkaufen. Lieber ehrlich sein und nicht versuchen, sich möglichst gut darzustellen. Perfektionismus ist ein solches Beispiel. Wer perfektionistisch ist, ist es eben. Es mag für eine bestimmte Stelle nicht die wichtigste Eigenschaft sein, aber eine Schwäche ist es auch nicht wirklich.

Wie sah die kreativste Bewerbung aus, die Sie jemals bekommen haben?

Natürlich erreichen uns immer mal wieder außergewöhnliche Bewerbungen. Da fällt mir ein schönes Beispiel ein: Ein Schüler hat sich bei uns mit einem eigens komponierten Dr. Oetker Song beworben. Darüber haben wir uns sehr gefreut und so ein kreativer Kandidat bleibt dann auch in Erinnerung. Das Schülerpraktikum hat er übrigens bekommen – die Kreativität hat sich also ausgezahlt.

Mit welchen „No-Gos“ von Seiten der Bewerber haben Sie bis jetzt im Vorstellungsgespräch Erfahrung gemacht?

Auswendig gelernte Antworten sind absolute No Go’s, genauso wie Antworten, die von Vorstellungsgespräch zu Vorstellunggespräch unterschiedlich ausfallen.

Was sind Ihre Top 3 Tipps, die Sie Bewerbern mitgeben können?

Sich nicht verstellen, spontan – aber dennoch vorbereitet – sein, durchaus auch über Misserfolge, Schwächen und ähnliches sprechen, wenn man danach gefragt wird.

Nora Thelen Dr. Oetker

Zur Person: Nora Thelen
Nora Thelen wollte ursprünglich Journalistin werden. Während Ihres Studiums merkte sie aber, dass ihr der Personalbereich liegt und Spaß bereitet. Nun ist sie Head of Talent Acquisition & Employer Branding bei dem Traditionsunternehmen und kümmert sich gemeinsam mit ihrem Team darum, die passenden Kandidaten zu finden und für Dr. Oetker zu gewinnen.


Service-Info: Sie schauen über den Tellerrand und möchten bei Dr. Oetker etwas bewegen? Dann sehen Sie sich doch einmal auf der Karriereseite oder der XING Unternehmenseite um, wie Dr. Oetker sich als Arbeitgeber präsentiert. Für alle, die sich jetzt beruflich weiter entwickeln und sich über die Möglichkeiten eines modernen Familienunternehmens informieren möchten: Schauen Sie gern im XING Stellenmarkt nach den aktuellsten Positionen bei Dr. Oetker.

Was andere Mitarbeiter und Bewerber über Dr. Oetker als Unternehmen sagen, sehen Sie direkt bei kununu:

 


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