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Härtetest für Bewerber: Per "Concours" zum EU-Traumjob

Concours, das Auswahlverfahren für EU Jobs

©Jorisvo / Getty Images

Die „Concours“, der Einstellungstest für Bewerber um EU-Jobs, gilt als äußerst schwierig und stressig. Christopher Jung hat ihn erfolgreich gemeistert.

Ein klimatisierter Raum, Computer, Uhren, die unweigerlich anzeigen, dass die Zeit bald abläuft – wenn sich Christopher Jung an sein Bewerbungsverfahren zurückdenkt, ist es vor allem der Zeitdruck, der ihm in Erinnerung geblieben ist. Eineinhalb Jahre ist es nun bereits her, dass er an den „Concours“ teilgenommen hat – dem Bewerbungsverfahren der EU.

Christopher Jung ist in der Wissenschaft tätig, als er einen Artikel liest, in dem es um das besondere Auswahlverfahren der Europäischen Union geht. Kurze Zeit später wird er auf die Ausschreibung dazu aufmerksam. Es ist der sogenannte Generalisten-Concours. Wer sich hier bewirbt, bewirbt sich nicht auf eine bestimmte Stelle, sondern allgemein, um auf die Reserveliste der EU zu kommen. Von dort können sich die erfolgreichen Bewerber weiter auf Stellen bei der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament, dem Rat der Europäischen Union, dem Europäischen Gerichtshof, dem Europäischen Rechnungshof, dem Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss, dem Ausschuss der Regionen, im Europäischen Auswärtigen Dienst oder für weitere Bereiche bewerben.

Zuhause am Computer füllt Christopher Jung die ersten Online-Fragebögen aus. Abgefragt werden der Lebenslauf, der berufliche Werdegang und die Qualifikationen. Parallel meldet er sich zum Auswahlverfahren an. Dass er einer von insgesamt 30.000 Bewerbern ist, erfährt er erst später.

Von Karlsruhe aus fährt Christopher Jung nach Frankfurt. Hier wird er zum ersten computerbasierten Test erwartet. „Ein Multiple-Choice-Test mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen“, erklärt er.

Bei den Concours gilt: Unter Zeitdruck die Nerven behalten

Es ist frisch in dem Raum, die Klimaanlage arbeitet auf Hochtouren. Genauso wie die 15 Computertische, die im Raum verteilt stehen, abgetrennt durch kleine Wände, damit jeder Bewerber in Ruhe arbeiten kann. Auf den Tischen liegen Kopfhörer. Das Surren der Rechner, das Ticken der Uhr, Husten oder Räuspern der anderen werden so auf stumm gestellt. Sprachlogisches Denken, Zahlenverständnis, abstraktes Denken: Der Test fragt unterschiedliche Wissensbereiche ab, verlangt von den Bewerbern situationsbezogenes Urteilsvermögen und analytische Fähigkeiten. „Wenn es zu einem Streit unter Kollegen kommt, wie reagieren Sie dann am besten?“, steht auf dem Bildschirm, darunter vier Lösungsoptionen. Christopher Jung entscheidet sich. Dann heißt es abwarten.

Jedes Jahr bewerben sich Menschen aus allen 28 EU-Mitgliedsstaaten um die Stellen in den Institutionen der Europäischen Union. Die Konkurrenz ist groß und am Ende schaffen es nur die, die in allen Tests hervorragend abgeschnitten haben.

Dass er eine Runde weiter ist, erfährt Christopher Jung einige Wochen nach dem ersten Test in Frankfurt. Wieder fährt er von Baden-Württemberg in die Mainmetropole. Dieses Mal möchten die Prüfer herausfinden, wer auch unter Zeitdruck die Nerven behält und strukturiert denkt. Elektronische Postkorbübung heißt der Test. Die Aufgabenstellung ist ebenso einfach wie kompliziert: Der Bewerber muss eine Vielzahl von E-Mails priorisieren. „Es ist, als ob man aus dem Urlaub kommt und das Postfach gerade überquillt“, erklärt Christopher Jung die Situation. Allerdings – und das ist die Crux – viel Zeit, die eingegangenen Nachrichten zu sortieren, bleibt den Bewerbern nicht. „Der Zeitdruck ist die größte Herausforderung“, sagt Jung. Nach rund einer Stunde wird die Uhr gestoppt. Der Test ist beendet.

Wieder heißt es abwarten, wieder kommt endlich die langersehnte Nachricht: Christopher Jung ist erneut weiter.

Überzeugen in Interviews und Gruppenarbeiten

Nun wartet das Assessment-Center. Zeitgleich mit allen anderen Bewerbern europaweit muss er in Frankfurt einen Text analysieren. Es geht um ein fiktives EU-Problem. Der Kontext ist kompliziert, es sind gute Analysefähigkeiten gefragt. Für den zweiten Teil des Assessment-Centers fährt Jung nach Brüssel. Die EU ist plötzlich zum Greifen nah. Noch einmal heißt es alles geben. „Nennen Sie eine Situation, in der Sie mit schwierigen Kollegen umgehen mussten“, heißt es im kompetenzbasierten Interview, und: „Berichten Sie von einer Situation, bei der Sie unter Stress ein Problem lösen mussten.“

Kaum ist das Interview beendet, steht eine mündliche Präsentation auf dem Plan. Es geht um eine Forschungsförderung für kleine und mittelständische Unternehmen. Vor zwei Prüfern muss Jung das Thema präsentieren, in das er sich kurz zuvor eingelesen hat.

Dann folgt der schwierigste Teil, wie Jung heute sagt: die Gruppenübung. „Bei so einem Test weiß man im Vorfeld einfach nicht, wie gut oder schlecht die anderen kooperieren“, erläutert er. Er und seinen Mitbewerbern werden verschiedene Rollen zugeteilt: Der eine vertritt Umweltverbände, der nächste die Arbeitgeberseite. Wieder ist das Problem fiktiv, aber kompliziert. Nach 45 Minuten soll die Gruppe zu einem gemeinsamen Ergebnis kommen. Jung sagt: „Das ist nicht einfach, wenn ein Gruppenmitglied seinen Standpunkt unbedingt durchdrücken möchte.“

Fast acht Wochen gehen ins Land, bis er erfährt: Er hat es geschafft. Christopher Jung gehört zu den 149 Bewerbern von allen 30.000, die es geschafft haben. Er darf auf die Reserveliste und sich von dort aus auf eine der begehrten EU-Stellen bewerben.

Er bewirbt sich auf drei Stellen, bekommt zwei Zusagen. Heute ist der studierte Physiker als Projektmanager für statistische Software in der Europäischen Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg tätig. Die Anstrengung des Concours hat sich für ihn gelohnt.

Aufgezeichnet von Daniela Lukaßen-Held


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