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Der Rat der Weisen: Wie wichtig ist das Arbeitszeugnis heute noch?

Arbeitszeugnis Stellenwert

©blackred / Getty Images

Ist das Arbeitszeugnis heute noch wirklich relevant – oder ein liebloses Pflichtritual? Unser „Weise“ Bernd Slaghuis hat darauf eine entschiedene Antwort.

„Der Rat der Weisen“ von Bewerbung.com ist eine Gruppe hochkarätiger Personal- und Karriereexperten, die im wöchentlichen Wechsel eine wichtige Frage rund um die Themen Bewerbung, Gehalt und Karriere beantworten. Dieses Mal befragten wir unseren Weisen Bernd Slaghuis* zu einer heftig geführten Diskussion:

„Herr Slaghuis, sind Arbeitszeugnisse eigentlich noch wirklich wichtig?

Bernd Slaghuis: „Die Frage ist: Wichtig für wen? – Für den Ex-Arbeitgeber werden sie scheinbar immer stärker zur lästigen Pflicht, wenn ich beobachte, wie viele Jobwechsler ihr Arbeitszeugnis selbst schreiben und nur zur Unterschrift vorlegen sollen oder sie mitunter mehrere Monate warten, bis es bei ihnen eintrudelt.
Viele Angestellte glauben, dass das Arbeitszeugnis für den neuen Arbeitgeber wichtig ist. Die aktuelle Studie „Job-Trends 2017“ zeigt tatsächlich, dass Zeugnisse für 72 Prozent der befragten Personaler wichtig sind, sogar noch etwas bedeutender als das Anschreiben. Doch in Kombination mit der Aussage, dass sich 40 Prozent der Personaler maximal 5 Minuten Zeit für den ersten Bewerbungs-Check nehmen, liegt die Vermutung nahe, dass es weniger um die Inhalte als vielmehr um Vollständigkeit geht.

Das spiegeln mir auch Bewerber: Selten sind die Bewertungen in Zeugnissen in Bewerbungsgesprächen ein Thema, stattdessen wird erforscht, warum zu einem Job in der tiefen Vergangenheit das Zeugnis fehlt. Eine Lücken-Orientierung, die für mich heute nicht mehr zeitgemäß ist und somit keine Daseinsberechtigung für das Arbeitszeugnis als echte Informationsquelle für einen zukünftigen Arbeitgeber begründet.

„Für Headhunter ist das Arbeitszeugnis nur unnötiger Daten-Ballast“

Für Headhunter und Personalvermittler ist das Arbeitszeugnis längst unnötiger Daten-Ballast, um die grundsätzliche Passung von Bewerbern zu prüfen. Die meisten Headhunter wünschen sich für einen Erstkontakt explizit nur den Lebenslauf.

Es mag ungewöhnlich klingen, doch ich sehe Arbeitszeugnisse vor allem für die Angestellten selbst als wichtig an. Als Dokument, wie auch jedes Schul- oder Abschlusszeugnis zuvor. Als Dokumentation von Aufgaben, Einsatz und Erfolgen sowie als Anerkennung und Wertschätzung, die vielen Angestellten in ihren Jobs selbst heute fehlt.

Daher mein Rat: Fordern Sie unabhängig von Art und Dauer der Beschäftigung ein Arbeitszeugnis ein. Um den Vollständigkeitsprüfern mit Ihrer nächsten Bewerbung keine offene Flanke zu bieten, vor allem jedoch, um selbst gut mit einem Arbeitsverhältnis abzuschließen. Denn ich bemerke häufig, dass das Zeugnis für Jobwechsler emotional wichtig ist, um motiviert Neues in Angriff zu nehmen.“

*Der Weise: Karriere- und Business-Coach Dr. Bernd Slaghuis (www.bernd-slaghuis.de) ist Experte für berufliche Neuorientierung, Bewerbung und gesunde Führung. Als Vorstandsassistent und ehemalige Führungskraft kommt er aus der Praxis. Der Systemische Coach und promovierte Ökonom steht für ein neues Karriere-Verständnis. Seit 2011 arbeitet er in seinem Kölner Büro mit Angestellten und Führungskräften an ihren nächsten Schritten im Beruf und mit Bewerbern an ihrer individuellen Bewerbungsstrategie. Sein Blog „Perspektivwechsel“ zählt zu einem der meistgelesenen Karriere-Blogs in Deutschland. Er ist XING Branchen-Insider, Kolumnist und Gastautor für diverse Karriere- und Management-Magazine. Slaghuis hält deutschlandweit Vorträge, moderiert Workshops und gibt Seminare.


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