Homeoffice oder Büro? Arbeitsmodelle nach der Pandemie

Arbeitsmodelle Homeoffice © Westend61 / Getty Images

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Durch die Corona-Krise ist das Homeoffice plötzlich zur Regel anstatt zur Ausnahme geworden. Stellt sich die Frage, wie das Arbeiten nach der Pandemie aussehen wird. Die folgenden Arbeitsmodelle sind denkbar.

In einigen Unternehmen gehörte das Homeoffice schon zum ganz normalen Arbeitsalltag, lange bevor Covid-19 die Welt auf den Kopf stellte. Jedoch wurde es in den meisten Fällen nur stundenweise genutzt und längst nicht alle Arbeitgeber konnten sich mit dem Arbeitsmodell anfreunden. Doch plötzlich kam die Pandemie und die Devise lautete: Homeoffice überall da, wo es möglich ist. Das bedeutete, dass plötzlich kaum noch ein Unternehmen an einer entsprechenden Regelung vorbeikam und viele Arbeitnehmer konnten oder mussten den Arbeitsplatz in die eigenen vier Wände verlagern. Für die einen ein wahrgewordener Traum, für die anderen eher eine Qual. Doch die positiven Erfahrungen überwiegen bei vielen und damit der Wunsch, auch nach Ende der Corona-Krise weiterhin im Homeoffice arbeiten zu dürfen, zumindest zeitweise. Ist das realistisch?

Erfahrungen im Homeoffice: ein Zwischenfazit 

Diese Frage lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht pauschal beantworten, denn ebenso wie vor der Pandemie, gibt es große Unterschiede zwischen den Unternehmen. Wer schon vorher offen war für die Remote Work und entsprechende Arbeitsprozesse implementiert hatte, konnte während der Corona-Krise eher von der Homeoffice-Regelung profitieren. Das gilt für die Arbeitnehmer ebenso wie für die Arbeitgeber. Wer hingegen nicht auf diesen plötzlichen Wandel der Strukturen eingerichtet war, wurde von der Entwicklung überrumpelt und stieß auf so manche Hürden, was ebenso für beide Seiten gilt. In solchen Fällen überwiegen unter Umständen die negativen Erfahrung, was aber weniger am Homeoffice selbst liegt als an dessen falscher Organisation. 

Die Meinungen sind daher nach wie vor zweigeteilt: Manche Arbeitnehmer sehnen die Rückkehr ins Büro herbei, andere wollen ganz oder zumindest teilweise im Heimbüro bleiben. Manche Arbeitgeber sind nun um Erfahrungen reicher, dass die Remote Work funktionieren kann, sodass sie dem Thema gegenüber aufgeschlossener sind. Andere sehen sich in der Annahme bestätigt, dass die Nachteile überwiegen. Es ist deshalb nicht damit zu rechnen, dass die Arbeit in Deinem Unternehmen nach der Pandemie grundlegend anders sein wird als zuvor und somit ist auch individuell verschieden, wie realistisch das dauerhafte Homeoffice für Dich ist. 

Eine flexiblere Arbeitswelt…

…ist stattdessen das Szenario, von dem momentan auszugehen ist, wenn es um die Frage geht, wie Arbeit nach der Pandemie aussehen wird. Denn so individuell wie die Menschen sind auch ihre Vorstellungen vom idealen Arbeitsmodell, was erneut für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen gilt. Was viele Deutsche also wirklich wollen, ist keine dauerhafte Homeoffice-Regelung, sondern schlichtweg mehr Entscheidungsfreiheit. Sie möchten selbst bestimmen, wo sie arbeiten wollen und vielleicht auch wann. Wahlfreiheit ist also das Stichwort, um welches es in dieser Diskussion wirklich geht und durchaus stehen die Chancen nicht schlecht, dass viele Arbeitgeber ihren Angestellten zukünftig mehr Entscheidungsfreiheit bezüglich ihrer Arbeitsgestaltung überlassen.

Das liegt weniger an der Pandemie als am zunehmenden Fachkräftemangel, der die Arbeitnehmer in eine bessere Verhandlungsposition rückt. Das Homeoffice beziehungsweise die Möglichkeit zur Remote Work im Allgemeinen könnte zukünftig zu einem wichtigen Argument bei der Mitarbeitergewinnung und -bindung werden. Es lässt sich also festhalten: Nein, vermutlich wird nicht jeder nach der Pandemie nach Belieben im Homeoffice arbeiten dürfen. Aber ja, die Arbeitswelt wird sich in den kommenden Jahren weiter verändern und mehr Flexibilität hinsichtlich Deiner Arbeitsgestaltung bringen, sowohl örtlich als auch zeitlich. 

Welche Arbeitsmodelle sind denkbar?

Homeoffice oder Büro – diese Frage ist kein Entweder-oder. Stattdessen suchen schon jetzt zahlreiche Unternehmen nach Möglichkeiten, um diese bestmöglich unter einen Hut zu bringen. Hier einige Ideen aus der Praxis, wie die Arbeit nach Corona aussehen könnte: 

  • 50:50-Regelung: Zahlreiche Unternehmen werden das Homeoffice in größerem Ausmaß nutzen als vor der Pandemie, aber die Büroräumlichkeiten bleiben dennoch der Dreh- und Angelpunkt des Arbeitsalltags. Einige Vorreiter setzen beispielsweise auf eine 50:50-Regelung, wonach jeder Mitarbeiter die Hälfte seiner Arbeitszeit im Homeoffice verbringen darf. Ein Muss ist das jedoch nicht.
  • Individuelle Regelungen: Vor der Corona-Krise gab es in vielen Unternehmen individuelle Vereinbarungen, ob ein Mitarbeiter (auch) aus dem Homeoffice arbeiten durfte und wann. Solche Regelungen könnten auch nach der Pandemie wieder greifen oder neu ausgehandelt werden. Einfacher ist es für die Unternehmen jedoch, eine flächendeckende Regelung zu treffen; diese wird zugleich von der Belegschaft als fairer empfunden.
  • Homeoffice als Mittelpunkt: Denkbar ist auch, dass einige Unternehmen das Homeoffice als Zentrum der täglichen Arbeit für die Mitarbeiter beibehalten. Diese kommen zwar noch ins Büro, wenn beispielsweise ein wichtiges Meeting ansteht oder eine Aufgabe, für welche zu Hause die (technischen) Möglichkeiten fehlen, doch der Großteil des Arbeitsalltag spielt sich virtuell ab.

Solche Modelle könnten nach der Krise für viele Deutsche zum neuen Normal werden. Auch wird es Ausnahmefälle geben, in denen die vollständige Rückkehr ins Büro angeordnet wird. Solange es noch keinen gesetzlichen Anspruch auf das Homeoffice gibt, obliegt diese Entscheidungsfreiheit schließlich dem Arbeitgeber. Das könnte sich jedoch bald ändern, falls die Politik ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, schließlich hat die Pandemie auch diese Diskussion angeheizt.

Die letzte Variante sind vollständige virtuelle Unternehmen, die überhaupt kein klassisches Büro mehr umfassen, in dem Du persönlich arbeiten könntest. Noch sind diese eher eine Randerscheinung, aber in einigen Branchen könnten sie in Zukunft durchaus eine zunehmend wichtige Rolle spielen und dann gibt es keine Alternative mehr zur Remote Work. Wer sich dann nach einem Büro und persönlichen Kontakten sehnt, kann auf Modelle wie Coworking Spaces zurückgreifen. 

Fazit

Ebenso, wie niemand die Corona-Krise und ihre Auswirkungen auf die Arbeitswelt vorhersehen konnte, kann nun niemand mit Sicherheit sagen, wie diese nach der Pandemie aussehen wird. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch hoch, dass sich Hybridmodelle in verschiedensten Ausprägungen durchsetzen werden. Die drei genannten sind dabei die beliebtesten Optionen, aber längst nicht die einzigen. An Ideen, wie der Mix aus klassischer Büroarbeit und jener im Homeoffice zukünftig funktionieren kann, mangelt es jedenfalls nicht. Wenn Du derzeit in den eigenen vier Wänden arbeitest und das gerne weiterhin tun würdest, zumindest teilweise, stehen Deine Chancen prinzipiell gut – je nach Arbeitgeber vielleicht etwas besser oder schlechter. Es bleibt somit spannend, welche Arbeitsmodelle sich nach dieser Ausnahmesituation durchsetzen oder ganz neu entwickeln.

24.06.2021