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"Jobwelten": Ein Bumerang-Job in Australien

Arbeiten in Australien, hier Melbourne, ist für viele Europäer attraktiv

©Glenn Gregory / EyeEm / Getty Images

Juliane Erben wollte eigentlich nur eine Weltreise machen. Heute lebt und arbeitet sie als Projektmanagerin in Australien. Und macht ganz landestypische Erfahrungen.

Juliane Erben lebt als Projektmanagerin in Australien
©Foto: privat

Eigentlich haben bei ihr noch ganz andere Ziele auf der Reiseroute gestanden, erzählt Juliane Erben. Eigentlich wollte sie nur eine Weltreise machen und sich acht Monate lang eine Auszeit von ihrem Job bei dem IT-Unternehmen IBM nehmen. Aber es kam anders als gedacht. „Schon am ersten Tag der Reise lernte ich einen Australier kennen und wir fuhren drei Wochen lang gemeinsam mit der transsibirischen Eisenbahn“, erzählt sie. Aus der Zufallsbekanntschaft wurde mehr, sodass Juliane Erben zu dem Australier nach Melbourne reiste und drei Monate lang blieb. Es entwickelte sich eine Beziehung und beide waren sich einig: „Wir probieren es.“

Während sie eigentlich vorhatte, nach ihrer Auszeit wieder in das Berufsleben in Deutschland einzusteigen, reiste sie nur nach Hause, um ihre Koffer zu packen. Mit einem Work-and-Travel-Visum in der Tasche flog sie dann zurück nach Australien.

„Man muss bereit sein, einen Schritt zurückzugehen“

Als sie in Melbourne mit der Stellensuche begann, stellte sie schnell fest: Das wird nicht einfach. „Es war gerade auch aufgrund der Art des Visums sehr schwierig, einen Job zu finden, der zu meinen Qualifikationen passte“, erinnert sie sich. Und sie fügt hinzu: „Wenn man im Ausland Fuß fassen möchte, muss man auch bereit sein, wieder einen Schritt zurückzugehen.“ Schließlich fand sie eine Stelle bei einem Unternehmen, das eine E-Commerce-Website betreibt. Zwar musste sie bei ihrem Gehalt Abstriche machen, wie sie sagt, doch die Referenz brachte sie weiter.

Schon nach einigen Monaten bekam sie ein attraktives Angebot einer Agentur für Webentwicklung. Juliane Erben wurde dort als Relationship Manager angestellt. Die Arbeit machte ihr großen Spaß. „Alles war sehr persönlich und familiär“, sagt sie. Die flachen Hierarchien, die freundschaftliche Atmosphäre – für die Diplomkauffrau mit dem Bachelor of Economics war Arbeiten in Australien eine ganz neue Erfahrung.

Chefs, die am Freitagmittag in den Pub einladen, eine Tischtennisplatte im Büro und der Beer-Fridge, ein Kühlschrank, gefüllt mit Bier, aus dem sich die Mitarbeiter nach 16 Uhr bedienen dürfen – so etwas war die 32-Jährige nicht gewöhnt. „Wir haben viel und lange gearbeitet, aber es wurde uns auch viel Vertrauen entgegengebracht“, sagt sie. Als es dem Unternehmen auf Grund einiger entgangenen Projekte finanziell schlechter ging und Mitarbeiter entlassen werden mussten, musste aber auch Juliane Erben nach einer neuen Stelle suchen.

„I want you to become a boomerang”

Beiden Seiten tat das leid, sagt sie. Aber sie hatte Glück. Nahtlos fand sie eine neue Stelle im Web-Marketing-Bereich. Finanziell bedeutete dies wieder ein Schritt zurück, doch Juliane Erben wollte eine Lücke im Lebenslauf auf jeden Fall vermeiden. „Deshalb habe ich es in Kauf genommen, weniger zu verdienen„, erklärt sie.

Schon bald wurde ein Headhunter auf sie aufmerksam und warb sie für eine Stelle als Projektmanagerin bei einem E-Commerce-Unternehmen ab. Eine Tätigkeit, die für Juliane Erben neu war. „Doch ich konnte so meine Fähigkeiten ausbauen und durfte mit spannenden Kunden arbeiten.“ Sie wurde mehr oder weniger ins kalte Wasser geworfen, erzählt sie heute. „Aber ich persönlich lerne sowieso am besten durch die Herausforderung.“

Eineinhalb Jahre lang machte sie den Job. Dann wurde sie zur Verabschiedung ihres ehemaligen Chefs bei der Agentur für Webentwicklung eingeladen, für die sie schon kurz nach ihrer Auswanderung nach Australien tätig gewesen war und das sie verlassen musste, als das Unternehmen wirtschaftliche Schwierigkeiten hatte. Im Laufe der Feier erzählte die junge Frau von ihrer aktuellen Stelle und dem neuen Tätigkeitsfeld rund um das Projektmanagement. „Einen Monat später rief mich dann ein Direktor des Unternehmens an und fragte, ob ich wieder einsteigen wolle – als Projektmanagerin.“ „Julie, I am going to change your life. I want you to become a boomerang”, sagte er. Mit Erfolg.

„In Australien sehen Bewerbungen anders aus“

Heute arbeitet Juliane Erben wieder dort und ist sowohl mit Ihrem Aufgaben- und Verantwortungsbereich, als auch finanziell extrem zufrieden. „Ich denke nicht, dass ich heute – wäre ich in Deutschland geblieben – erfolgreicher wäre”. Auch, wenn ihr Weg dorthin nicht immer ganz einfach war. „Wenn man auswandert und beruflich erfolgreich sein möchte, ist es wichtig, dass man Kontakt zu Headhuntern aufnimmt“, rät sie. „Sie können die Vermittlung zu Unternehmen viel besser übernehmen, wissen, auf was man achten muss, wenn man eine Bewerbung schreibt und wie sie die Qualifikationen kommunizieren.“

Denn genau an diesen Dingen würde es häufig scheitern. „Selbst, wenn man in Deutschland für große Kunden gearbeitet hat, kann es sein, dass kein Mensch sie hier kennt“, sagt Juliane Erben. „Und auch Bewerbungen sehen hier anders aus. Hier hat man normalerweise zum Beispiel kein Foto im Lebenslauf. Dafür legt man in Australien mehr Wert auf Zahlen.“

Und obwohl ihr Karriereweg nicht nur steil geradeaus ging, ist Juliane Erben glücklich darüber, wie es für sie gelaufen ist. Gelegentlich, wenn erforderlich den Stolz zurückstellen und Rückschritte in Kauf nehmen, das Ziel jedoch nie aus den Augen verlieren, sich in jedem Job ins Zeug legen und für Veränderungen und neue Herausforderungen offen sein, das sind Juliane Erbens Tipps für die erfolgreiche Karriere im Ausland.

Text: Daniela Lukaßen-Held


Alles Wissenswerte rund um das Thema „Arbeiten im Ausland“ haben wir in unserer Serie „Karriere ohne Grenzen“ zusammengestellt.

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