Was bringen anonyme Bewerbungen?

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Der eine ist zu alt, die andere hat die falsche Herkunft: Ungerechte Vorurteile können auch einem gut geeigneten Bewerber den Weg in den Job verbauen. Dem sollen anonyme Bewerbungsverfahren vorbeugen.

Anonyme Bewerbungensollen verhindern, dass ein Mensch aufgrund seines Geschlechtes, seiner Herkunft, seines Alters oder infolge anderer Faktoren diskriminiert wird. Bereits 2011 startete die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ein Pilotprojekt, an dem sich verschiedene Arbeitgeber beteiligten. Ein Jahr lang stiegen sie auf das anonymisierte Bewerbungsverfahren um. Das Ergebnis: Einige fanden es sinnvoll und blieben auch nach dem Jahr dabei, andere wechselten im Anschluss wieder zu ihrem herkömmlichen Verfahren. Zwar sind anonyme Bewerbungsverfahren immer noch eine Ausnahme, doch wer im Zuge seines Bewerbungsprozesses damit in Berührung kommt, sollte wissen, um was es geht, und auf was er dabei achten muss.

Leistungen und Kompetenzen im Fokus

Während bei herkömmlichen Bewerbungen immer auch Faktoren mitentscheidend sein können, die für die ausgeschriebene Stelle eigentlich irrelevant sind, sollen bei anonymisierten Verfahren andere Aspekte die Entscheidung der Personalverantwortlichen erleichtern: die Leistungen und Kompetenzen eines Bewerbers. Vielfach nutzen Unternehmen standardisierte Verfahren, um die Eignung ihrer Bewerber für eine Stelle abzufragen. Wenn Sie sich auf diesem Weg bewerben, füllen Sie in der Regel online ein vorgefertigtes Formular aus. In diesem machen Sie verschiedene Angaben: • Welche Berufs- oder Hochschulabschlüsse haben Sie? • Was sind Ihre Qualifikationen? • Was machen Sie aktuell beruflich? Ganz wichtig ist, dass Ihre Angaben nicht auf Ihr Alter, Ihr Geschlecht oder Ihre Herkunft hinweisen. Das gilt auch für Ihren Lebenslauf.

Die anonyme Vita

Ist es erforderlich, dass Sie innerhalb eines anonymen Bewerbungsverfahrens einen Lebenslauf erstellen, müssen Sie verschiedene Punkte beachten: • Keinen Namen nennen: Ihr Name macht gegebenenfalls deutlich, ob Sie aus Deutschland stammen oder nicht. Außerdem lässt er Rückschlüsse auf Ihr Geschlecht zu. In den Unterlagen eines anonymisierten Verfahrens hat er daher nichts zu suchen. • Das Foto entfernen: Bilder sprechen häufig Bände. Ihr Alter, Ihre Hautfarbe, Ihr Geschlecht lassen sich anhand eines Fotos leicht erkennen. Aus diesem Grund wird im anonymen Lebenslauf auf dieses Merkmal verzichtet. • Migrationshintergrund nicht nennen: Damit eine anonyme Bewerbung funktioniert, darf es keinen Hinweis auf Ihre Herkunft geben. • Keine Angaben zu Grundwehrdienst und Co.: Sie waren bei der Bundeswehr? Sie waren im Mutterschutz? Informationen wie diese geben ganz schnell einen Hinweis auf Ihr Geschlecht, lassen Sie diese daher raus aus Ihrem Lebenslauf. • Keine konkreten Zeitangaben machen: Sie haben vor 15 Jahren Abitur gemacht? Geben Sie Daten an, weiß ihr potenzieller Arbeitgeber sofort, wie alt Sie ungefähr sind. Verzichten Sie aus diesem Grund darauf. Professionell auftreten im Vorstellungsgespräch Auch, wenn das gesamte Bewerbungsverfahren bis dato anonym lief, lüftet sich das Geheimnis Ihrer Identität spätestens im Vorstellungsgespräch. Und obwohl bis dorthin alle Entscheidungen sehr objektiv und nur auf Basis der Informationen zu Ihren Qualifikationen und Kenntnissen getroffen wurden, ist das Thema Anonymität mit dem persönlichen Kennenlernen passé. Umso bedeutsamer ist es, dass Sie in dem Gespräch professionell und selbstsicher auftreten. Machen Sie sich klar, dass Sie schon einmal ein Stück weit überzeugen konnten. Legen Sie Ihr persönliches Augenmerk im Gespräch darum auf Ihre Fähigkeiten und Berufserfahrungen und versuchen Sie, das Gespräch entsprechend in diese Richtung zu lenken.

Nachteile der anonymisierten Bewerbung

Zwar können anonyme Bewerbungsverfahren eine Diskriminierung verhindern und so dafür sorgen, dass auch jene eine faire Chance bekommen, die es auf dem herkömmlichen Weg schwerer haben, doch sie bringen auch Nachteile mit sich. So fällt es insbesondere Berufsanfängern nicht leicht, die erforderlichen Angaben in der gewünschten Form zu machen. Denn wenn in erster Linie Berufserfahrungen abgefragt werden, können Berufsanfänger mangels dessen häufig nicht überzeugen. Und auch andere Bewerber müssen unschöne Lücken im Lebenslauf in Kauf nehmen, wenn sie etwa den Grundwehrdienst verschweigen. Zudem lässt sich beispielsweise die vielfach geforderte Frauenquote nicht umsetzen, wenn Personalverantwortlich keinerlei Hinweise auf das Geschlecht der Bewerber erhalten. Das anonyme Bewerbungsverfahren ist also nicht immer die beste Wahl. Doch es kann auch Chancen bieten. Text: Daniela Lukaßen
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07.12.2016