Anstatt sich zu beschweren, sollten ältere Generationen der Gen Z lieber beim Lernen und Wachsen helfen.
Seitdem die älteren Mitglieder Generation Z (geboren zwischen 1995 und 2010) auf den Arbeitsmarkt strömen, hört man Beschwerden von allen Ecken und Enden. Die jungen Leute seien sehr anspruchsvoll, dafür aber faul. Sie wollen keinen typischen nine-to-five-Job, ins Büro wollen sie schon gar nicht und an die Kleiderordnung halten können sie sich auch nicht.
Solche Animositäten zwischen verschiedenen Generationen sind nichts Neues. Ob Boomer, Gen X oder Gen Y (Millennials): Jede Generation beschwert sich über die anderen.
Zugegeben, die Gen Z mag nicht perfekt sein, was Büro-Etikette angeht, aber in diesem Generationen-Kampf geht es um mehr als nur das.
Die Pandemie hat die Arbeitswelt nachhaltig verändert und damit verändern sich auch Normen und Etikette. Nach einer so großen Wandlung des Arbeitslebens sollten sie das wohl auch.
Das Schwierige daran: alles geht schneller. Krieg, Klimakrise, politische Spaltung und KI wirken sich alle auf die Stimmung am Arbeitsplatz und zwischen den Kollegen aus.
Doch worüber ‚jammert‘ die Gen Z eigentlich genau? Wenn man dort nämlich mal genau hinhört, klingt das alles gar nicht mehr so verrückt, wie man auf den ersten Blick vielleicht gedacht hätte. Auch sie versuchen nur, ein angenehmes Leben zu führen und das in unangenehmen Zeiten.
Was einige stören mag, ist, dass die Gen Z ihren Unmut mit der vorhandenen Situation offen kundtut. Sei es im direkten Gespräch oder in den sozialen Netzwerken wie Instagram oder TikTok. Zum ersten Mal können sich die unteren Schichten der Arbeitnehmer genauso äußern, wie der Vorstand. Und das ist auch gut so. Schließlich kann es kaum die Schuld der Gen Z sein, dass die wirtschaftliche Lage so schlecht ist. Sie waren kaum aus den Windeln raus, als das Fundament für die jetzige Situation gelegt wurde. Kenneth Matos von Culture Amp sagt dazu: „„Früher hörte man nur die ältere Generation, weil sie die Mechanismen der Massenkommunikation kontrollierte. Mit den sozialen Medien kann die Generation Z ihre eigene Geschichte schreiben“.
Die Gen Z fühlt sich fast schon betrogen von dem Versprechen, harte Arbeit führe zu Erfolg und finanzieller Sicherheit, fügt er hinzu. Ein Versprechen, das die älteren Generationen gemacht haben. Für ihn ergibt es keinen Sinn, bis zur Rente zu warten, um glücklich zu sein.
Matos steht an der Schwelle zwischen der Generation X und den Millennials. Er sagt, die Gen Z habe genau gesehen, was Arbeitsplatzverluste und niedrige Gehälter mit den älteren Generationen gemacht hätten. Da sei es nur natürlich, dass sie Veränderung wollen. Sie wollen nicht mehr an den alten Standards festhalten.
Warum auch? Schließlich hört man als junger Mensch oft von den eigenen Eltern, dass sich Arbeit eigentlich nicht mehr lohnt. Trotzdem will plötzlich jeder, dass die Gen Z doch an das Gegenteil glaubt. „Wenn man sie unabhängig von ihren Mitarbeitern fragt, werden die Leute diesen Maximen zustimmen: ‚Man lebt nur einmal.‘ Wenn ihr über euren Mitarbeiter sprecht, der euch nicht das bringt, was ihr wollt, heißt es plötzlich: ‚Warum ist diese Person so faul?’“, fasst Matos die Situation passend zusammen.
Die Aufgabe von Führungskräften, die Mitglieder der Boomer oder Generation X sind, ist es jetzt, die Kluft zwischen den Generationen zu überbrücken.
Die Generation Z betrat schließlich die Berufswelt inmitten einer Pandemie, die langjährige Arbeitsplatzgrenzen und -normen auf den Kopf stellte. Gleichzeitig veränderten soziale Medien die Art und Weise, wie wir kommunizieren. Daher ist es nicht überraschend, dass bestimmte Schulungen nötig sind – für beide Seiten.
Rebecca Fagan, eine 24-jährige Senior Audit Associate bei KPMG, war überrascht von der Nützlichkeit einiger Schulungen ihres Unternehmens. Es wurden Themen wie die Arbeit in virtuellen Umgebungen, die Präsentation vor Kunden und sogar Details wie der angemessene Hintergrund für Videoanrufe und das Verfassen professioneller E-Mails diskutiert.
Fagan sagte: „Ich dachte, ich wüsste bereits, wie man eine gute E-Mail schreibt, aber ich habe definitiv viel dazugelernt. Dinge, von denen ich dachte, sie seien selbstverständlich, stellten sich als nicht so heraus, bis ich mich wirklich damit auseinandersetzte.“
Maia Ervin, Chief Impact Officer bei der Gen Z-Firma JUV Consulting, berichtete, dass ältere Arbeitnehmer oft bemängeln, dass Mitglieder der Generation Z zu viele Fragen stellen. Ervin, die selbst mit 27 Jahren zu den jungen Millennials gehört, betonte: „Die Generation Z will wissen, warum, und akzeptiert nicht einfach die Antwort ‘Weil ich es dir gesagt habe’.“
Ervin wies darauf hin, dass es nicht überraschend sei, dass viele junge Arbeitnehmer aufgrund der Pandemie die Spielregeln am Arbeitsplatz neu definiert haben. „Sie haben keine klare Vorstellung davon, was als normal oder durchschnittlich in einem Arbeitsumfeld gilt“, sagte sie. Sie fügte hinzu, dass viele junge Arbeitnehmer während der Pandemie intensive politische Erfahrungen gemacht haben, die ihre Weltanschauung geprägt haben.
Ervin schloss mit dem Gedanken, dass Menschen zwar oft frustriert über die Generation Z seien, jedoch nicht vergessen sollten, dass es in der Verantwortung der Älteren liegt, sie weiterzubilden und zu schulen.
Zaria Parvez, Global Social Media Managerin bei Duolingo, betonte, dass die Generation Z im Vergleich zu den Millennials, die während einer tiefen Wirtschaftskrise aufgewachsen sind, eine besondere Dynamik aufweist. Parvez, die selbst 25 Jahre alt ist, erklärte, dass die Millennials in ökonomisch schwierigen Zeiten hart gearbeitet haben, jedoch trotz ihrer Bemühungen nicht vorangekommen sind.
„Wir haben aus den Erfahrungen der Millennials gelernt, die kämpften, aber dennoch Schwierigkeiten hatten, Häuser zu erwerben und Dinge zu erreichen, von denen man annahm, dass sie selbstverständlich wären“, sagte sie. „Als Vertreter der Generation Z werden wir daher einen anderen Ansatz wählen und uns neu ausrichten, und das ist die Art und Weise, wie wir das tun werden.“
Die wichtigste Lehre, die die Generation Z aus den finanziellen und anderen Herausforderungen der älteren Generationen gezogen hat, lautet laut Matos: „Bewahre so viel Glück wie möglich, denn es könnte in einem Augenblick verloren gehen.“
Matos empfiehlt älteren Führungskräften, sich gegenüber ihren jüngeren Kollegen zu erklären. Er betont, dass ältere Mitarbeiter oft Autorität ausüben, anstatt sich gegenüber den jüngeren Mitarbeitern zu erklären: „Das fördert nicht das Wachstum der Menschen. Es macht sie nur unterwürfig. Dann beschweren Sie sich darüber, dass sie Ihre Erwartungen nicht erfüllen, aber Sie haben ihnen nie wirklich erklärt, warum die Dinge so sind, wie sie sind“, so Matos.
Sich nicht zu erklären, führt dazu, dass ältere Arbeitnehmer und Führungskräfte von der Generation abgelehnt werden, der gesagt wurde: „Gehorche nicht blind, denn sie werden dich nur ausnutzen.“