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Lernen von den Ehemaligen: Alumni-Netzwerke für den Berufseinstieg nutzen

Alumni-Netzwerke können beim Berufsstart sehr hilfreich sein

© Alexsl / Getty Images

Persönliche Kontakte zu Schlüsselpersonen können im Bewerbungsprozess Türen öffnen. Alumni-Netzwerke bieten Bewerbern eine Möglichkeit, solche wertvollen Beziehungen aufzubauen.

Im angelsächsischen Raum ist es seit eh und je Gang und Gäbe, dass Studienabsolventen den Kontakt zur Hochschule halten, sich regelmäßig dort treffen, die nachfolgenden Studenten an ihren Erfahrungen teilhaben lassen und die Alma Mater auch finanziell unterstützen. In Deutschland dagegen wächst die Bedeutung der Alumniarbeit – wenn überhaupt – erst allmählich. „Da Bildung hierzulande meist ein öffentliches Gut ist, gibt es unter den Ehemaligen nur eine geringe Bereitschaft, Geld an die Hochschule zu spenden“, erklärt Dr. Florian Habermann, der schon als Student an der Gründung des Alumninetzwerks der BWL-Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München im Jahr 2003 beteiligt war und dieses anschließend als Geschäftsführer leitete.

Doch Alumni-Netzwerke existieren nicht nur an Universitäten, sondern auch an Schulen, Unternehmen und Stiftungen. Während einige Alumni in ihren Netzwerken unter sich bleiben wollen, fördern andere gezielt auch den Austausch mit Studenten und Berufseinsteigern. Im besten Fall bieten Alumni-Netzwerke Studenten und Absolventen die Möglichkeit, Kontakte für die Phase von Berufsorientierung, Stellensuche und Bewerbung zu nutzen.

Das kann auch die Organisation von Auslandsstationen erleichtern. Denn die Tatsache, dass die Mitglieder eines solchen Netzwerks die gleiche Schule oder Universität besucht, am gleichen Stipendien- oder Praktikantenprogramm teilgenommen oder beim gleichen Arbeitgeber Erfahrungen gesammelt haben, kann sich bei der Kontaktaufnahme durchaus als Pluspunkt erweisen. „Diese Gemeinsamkeit bietet beim Networking nicht nur einen guten Gesprächseinstieg, sondern auch eine gemeinsame fachliche Basis. Personaler zum Beispiel, die viele Bewerbungen auf dem Tisch liegen haben, freuen sich in der Regel, wenn ein Kandidat an der gleichen Hochschule studiert hat wie sie selbst. Denn sie sind ja wahrscheinlich überzeugt davon, dass die Ausbildung dort gut ist“, argumentiert Florian Habermann.

Wer die Möglichkeit hat, sollte Alumni-Netzwerke schon zu Studienzeiten nutzen. „Wenn die Kontaktaufnahme frühzeitig und intensiv genutzt wird, kann man den Vorgängerabsolventen als Empfehlung in der Bewerbung angeben oder in umgekehrter Richtung von ihm eine Empfehlung an die Personalabteilung erhalten. Unternehmen sind dankbar dafür. Denn bei der Neueinstellung von Personal entstehen durch den Bewerbungsprozess und die Einarbeitungszeit immer Kosten, so dass die Arbeitgeber natürlich versuchen, ihr eigenes Risiko möglichst gering zu halten“, meint Ilka Hoepner, Geschäftsführerin einer Marketing- und Dialogberatung.

Bei Veranstaltungen wie Kamingesprächen können Studierende und Absolventen Kontakt zu Personen knüpfen, die teilweise schon seit zwanzig oder dreißig Jahren im Berufsleben stehen und selbst entscheiden können, wer in ihrem Unternehmen eingestellt wird. Sie erfahren, wie erfolgreiche Karriereverläufe aussehen können und haben auch die Möglichkeit, sie um Tipps und Ratschlägen rund um den Berufseinstieg zu bitten. Und im besten Falle können die Mitglieder des Alumni-Netzwerks sogar als Steigbügelhalter fungieren.

Über Alumni-Netzwerke Mentoren für die eigene Karriere finden

Allerdings, betont Florian Habermann, ist bei der Kontaktaufnahme Fingerspitzengefühl gefragt. „Bewerber sollten sich vorab gut darüber informieren, worauf ein Alumni-Netzwerk ausgerichtet und was das Ziel einer einzelnen Veranstaltung ist. Wenn bei einem Kamingespräch Kontakte zwischen Ehemaligen und Fast-Absolventen hergestellt und Bewerbungstipps ausgetauscht werden sollen, können Bewerber relativ offen und offensiv ihre Fragen stellen. Bei einer Festveranstaltung, zu der auch Studierende eingeladen sind, rate ich dagegen, im Gespräch zunächst Kontakt zu knüpfen und dann je nach Situation und Gesprächspartner eventuell vorsichtig die eigenen Themen anzubringen.“

Wenn die Mitgliederprofile eines Alumni-Netzwerks auf einer öffentlichen Plattform verwaltet werden, können Bewerber sie zudem gezielt nach Ansprechpartnern durchforsten, die beispielsweise im Wunschunternehmen arbeiten – um diese direkt zu kontaktieren. Studierende nutzen aber natürlich auch Soziale Netzwerke und die dortigen Hochschulgruppen mit ihren vielfältigen Profilen. Die Teilnahme an Mentoringprogrammen bietet Bewerbern die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum hinweg vom Know-how eines Alumnus zu profitieren. Und manche Alumni-Netzwerke bieten auch eigene Jobbörsen an.

„Natürlich kann man über alle möglichen Plattformen Bewerbungen an Arbeitgeber verschicken. Wenn man aber Mitglieder eines Alumni-Netzwerks kontaktiert, die einen über eine bestimmte Institution verbinden, ergibt sich ein etwas anderer informellerer Zugangsweg. Und manche Unternehmen platzieren ihre Stellenanzeigen auch gezielt und exklusiv in solchen Netzwerken, um eine bestimmte Zielgruppe – zum Beispiel gut ausgebildeten jungen Menschen eines bestimmten Fachbereichs – zu erreichen“, erklärt Julian Lindenberg, der spezielle Software für Alumni-Netzwerke herstellt.

Text: Janna Degener-Storr


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