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"Pinocchio-Jobs": Zu schön, um wahr zu sein

Pinocchio-Jobs locker Bewerber mit falschen Versprechungen

©wildpixel / Getty Images

Mit blumig beschriebenen „Pinocchio-Jobs“ locken Unternehmen Bewerber in Stellenanzeigen und selbst noch im Vorstellungsgespräch. Aber immer weniger Jobsuchende fallen auf die schönen Formulierungen rein, wie eine aktuelle Umfrage bestätigt.

Es ist ein echtes Ärgernis, das immer wieder auftritt: In Stellenanzeigen versprechen Unternehmen oft das Blaue vom Himmel. Die schlimmsten Phrasen dabei haben wir an anderer Stelle bereits vorgestellt. Und über nichtssagende Buzzwords bei Jobangeboten sind bereits Abschlussarbeiten veröffentlicht worden. Doch trotz aller Aufklärung halten manche Firmen im Rennen um die besten Mitarbeiter an den alten Methoden fest und werben mit „Pinocchio-Jobs“, blumig ausgemalten und mitunter auch tatsächlich geschwindelten Traumpositionen, die sich in der Wirklichkeit ganz anders darstellen.

Aber – und das ist die gute Nachricht – je wolkiger die Floskel, desto größer wird mittlerweile das Misstrauen der Bewerber. Das hat die Stellenbörse Stepstone bei einer Umfrage herausgefunden. In der Studie unter 25.000 Fach-und Führungskräften wurde abgefragt, welche Aussagen Bewerber in Stellenanzeigen für glaubwürdig halten und welche eher nicht.  Die meisten Ergebnisse sprechen für einen gewachsenen Realitätssinn der Jobsucher – aber nicht alle. Hier sind fünf immer wieder gebrauchte Floskeln – und ihre Glaubwürdigkeitswerte bei Bewerbern.

„Bei uns bekommen Sie beides: die Vorteile eines Großkonzerns und den Unternehmergeist eines Start-ups“

Diese Behauptung halten nur 25 Prozent aller Fachkräfte in Deutschland für glaubwürdig. Großkonzerne scheinen für Jobsuchende einfach zu etabliert zu sein, um mit der kreativen Startphase junger Unternehmen vergleichbar zu sein. Doch auch Großkonzerne können mit ihrer Unternehmenskultur punkten. Ehrliche Beschreibungen und praktische Beispiele dafür, wie neue Kollegen schnell Verantwortung übernehmen können, kommen bei Bewerbern beispielsweise besser an als beliebige Floskeln.

„Wir vereinen hohe Leistungsorientierung und gelebte menschliche Werte“

Immerhin 30 Prozent der Jobsuchenden setzen bei dieser Aussage das Lesen eines Stellenangebots ohne Misstrauen fort. Der Rest fragt sich, ob diese Beschreibung wirklich der Wahrheit entspricht. Das heißt aber nicht unbedingt, dass Leistungsorientierung und menschliche Werte für Fachkräfte nicht zusammenpassen. Diese Aspekte der Unternehmenskultur ohne Belege in einem Atemzug zu nennen, kann aber schnell unglaubwürdig wirken.

„Bei uns stoßen Sie auf flache Hierarchien“

Hier ist das Echo unter den Bewerbern geteilt: Zwar schenkt über die Hälfte der befragten Fachkräfte (57 Prozent) dieser Aussage Glauben. Doch die übrigen 43 Prozent bleiben skeptisch. Für sie macht die reine Behauptung – vor allem von größeren Unternehmen – wenig Eindruck. Hier wünschen sich viele Befragte eine konkretere Beschreibung, wie Entscheidungen im Unternehmen schnell und unabhängig von Positionen zustande kommen.

„Unsere Belegschaft zeichnet sich durch Freundlichkeit, Flexibilität, Hilfsbereitschaft und hohe Motivation aus“

Auch diese Beschreibung ist immerhin für eine knappe Mehrheit der Befragten (57 Prozent) glaubwürdig. Das ist viel wert, da Unternehmenskultur und Teamspirit eine besonders hohe Bedeutung für Fachkräfte haben: 97 Prozent der Befragten halten das bei einem Arbeitgeber für wichtig. Wer den potenziellen neuen Kollegen trotz freundlichstem Stellenanzeigen-Sprech dennoch skeptisch gegenübersteht, den sollten Arbeitgeber am besten mit einem persönlichen Kennenlernen überzeugen. Immerhin möchten vier von zehn Fachkräften im Vorstellungsgespräch ohnehin die neuen Kollegen kennenlernen.

„Wir sind ein inhabergeführtes, sozial engagiertes Unternehmen“

Die positive Überraschung des Tests: 75 Prozent der Befragten geben an, dass sie diese Aussage in einem Stellenangebot für glaubwürdig halten. Doch welche Inhalte machen gerade diese Beschreibung so authentisch? Zum einen gehört sie nicht ins Reich der Floskeln, denn durch das „konkrete Nennen der Unternehmensstruktur“ grenze sich der Arbeitgeber „klar und faktenbasiert“ ab, wie die Stepstone-Studie betont. Zum anderen lässt sich das soziale Engagement eines Unternehmens meist an gut sichtbaren Projekten nachvollziehen.

Auch im Vorstellungsgespräch werden die Pinocchio-Jobs noch in höchsten Tönen gepriesen

Doch mit den schönen Beschreibungen in der Stellenanzeige ist es nicht getan: Selbst im persönlichen Vorstellungsgespräch tragen etliche Personaler und Führungskräfte gerne dicker auf, preisen in der Unternehmensdarstellung Kultur und Klima. Und locken den Bewerber mit einem Pinocchio-Job mit verlockenden Perspektiven, Verantwortung, Mitgestaltung, Weiterentwicklung und Aufstiegschancen.  Was immer die Gründe dafür mögen, ob eigener Performance-Druck oder die Hoffnung, der so Rekrutierte werde es im Arbeitsalltag nicht so eng sehen – diese Art von Personalgewinnung macht über kurz oder lang keine der beiden Seiten glücklich.

Natürlich gibt es bei diesem Problem auch eine andere Seite der Medaille: Nicht wenige Bewerber tunen ihren Lebenslauf, indem sie Karrierestationen überhöhen, Misserfolge verschweigen, Lücken kaschieren. Und immer wieder werden auch Zusatzqualifikationen wie z. B. Fremdsprachenkenntnisse aufgepeppt, Fachkompetenzen ohne schlechtes Gewissen übertrieben – was in kritischen Situation nicht nur peinlich, sondern auch gefährlich werden kann.

Doch natürlich auch das ist bekannt – und führt wiederum zu ständig größer werdenden Anstrengungen der Unternehmen, Mogelkandidaten per immer raffinierteren Auswahlverfahren auszusieben. Letztendlich herrscht also auf beiden Seiten viel zu oft ein gehöriges Maß an Misstrauen: keine guten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Partnerschaft zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Aber es gibt Hoffnung: Kritikfähigkeit und Transparenz werden auch von Unternehmen immer mehr als eigene Erfolgsfaktoren bei der Gewinnung von Toptalenten akzeptiert: Vor wenigen Wochen dominierten – neben der allgegenwärtigen Digitalisierung – genau diese Themen das Programm der Zukunft Personal, der größten Fachmesse der Branche. Und auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen wie Kununu  und anderen können Bewerber sich über die wahren Qualitäten eines potenziell neuen Arbeitgeber informieren. Denn die Beschreibungen über Firmenkultur, flache Hierarchien und Karrieremöglichkeiten stammen von Menschen, die es wissen müssen: den Mitarbeiter selbst.

Text: Thorben Hansen


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