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"Mein Start": Mit Leidenschaft für das Team

Karen walkenhorst ist Vorstandsmitleid der Techniker Krankenkasse

©Foto: Techniker Krankenkasse / Bewerbung.com

Karen Walkenhorst ist Mitglied des Vorstands der Techniker Krankenkasse. Ihren beruflichen Weg in eine Spitzenposition des Gesundheitswesens, wo weibliche Führungskräfte noch immer spärlich gesät sind, schildert sie in unserer Serie „Mein Start“.

„Ich will Lehrerin werden“. Diesen Satz habe ich als Schülerin garantiert nie geäußert. An einen typischen Schülerberufswunsch kann ich mich nicht erinnern. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es den nicht gab. Stattdessen hatte ich aber schon in der Schule und in meinem Sport, Volleyball, ein Thema, das mich sehr beschäftigt hat und das mich auch heute als Führungskraft und Vorstandsmitglied der Techniker Krankenkasse noch prägt: Teamwork.

Karen Walkenhorst (©Foto: Techniker Krankenkasse)
Karen Walkenhorst: „Offenes, aber wertschätzendes Feedback macht zufrieden – dich selbst und andere“ (©Foto: Techniker Krankenkasse)

„Wie funktioniert das menschliche Zusammenleben“ und „Worauf kommt es an, damit Menschen gemeinsam erfolgreich sind?“ diese Fragen ziehen sich – im Nachhinein betrachtet – wie ein roter Faden durch mein Bildungs- und Berufsleben. Auch wenn ich diese Fragen als Schülerin noch nicht im Sinne von „Was ist gute Führung?“ oder „Wie lässt sich Teamgeist fördern?“ übersetzte. Ebenso wenig wie mir zur Zeit des Abiturs klar war, dass ‚mein Team‘ einmal auf rund 14.000 Menschen anwachsen würde, wie jetzt bei der TK.

Entsprechend dieses „gesellschaftlichen Grundinteresses“ hatte ich auch kein explizites Lieblingsfach in der Schule. Ich war auf einem Essener Mädchengymnasium mit mathematischem und neusprachlichem Schwerpunkt. Verschiedene Studien zeigen, dass reine Mädchenschulen ihren Schülerinnen den Vorteil bieten, sich frei in allen Fächern entfalten zu können – fernab von geschlechtsspezifischen Stereotypen, etwa in Bezug auf die Naturwissenschaften.

Diese Freiheit kann ich bestätigen. Ich interessierte mich eigentlich für alle Themen, die mir neue Einsichten oder einen anderen Blickwinkel bieten konnten. Das galt für Mathematik genauso wie für Politik oder Kunst. Eine kleine Ausnahme bildeten der Geschichtsunterricht – und natürlich der Sportunterricht. Ich war viele Jahre Leistungssportlerin und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, das hat mich und mein Verhalten maßgeblich geprägt. Vermutlich liegt der Volleyball bei uns Walkenhorsts in der Familie.

Aus meinen Erfahrungen im professionellen Mannschaftssport habe ich – wenn auch unbewusst – viel für den Beruf mitgenommen. Angefangen bei Disziplin und dem Ehrgeiz, für seine Ziele zu kämpfen und den Wettkampf nicht zu scheuen. Aber eben vor allem auch Teamwork: Wie gelingt es, eine Gruppe von Menschen zu motivieren und für ein gemeinsames Ziel zu begeistern?

Mein Studium führte mich an die Ruhr-Universität nach Bochum. Der rote Faden zeigte sich auch hier: Wie funktioniert die Gesellschaft – also Sozialwissenschaften als integrierter Studiengang. Damals hieß es oft „Was Soziales – bist du verrückt? Das braucht doch kein Mensch“. Die Perspektiven waren wirklich nicht gerade rosig. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass man seinen Neigungen folgen und nicht aus reinen Vernunftgründen eine Ausbildung oder ein Studium beginnen sollte, das einen nicht ehrlich interessiert.

Ich sah meine berufliche Zukunft zunächst in der schreibenden Zunft und konnte mir gut vorstellen, mich als Fachjournalistin mit gesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Dieser Fokus verlagerte sich dann aber schnell, als ich merkte, dass es mir mehr um „die Sache selbst“ ging anstatt um das Schreiben. Deshalb spezialisierte ich mich recht früh auf Sozialökonomie. Auch die Ökonomie erklärt ja die Gesellschaft – zumindest einen Teilaspekt davon.

Nach dem Studium führte mich mein erster Job nach der Uni Anfang der Neunziger nach Hamburg, in die Hamburger Bürgerschaft: Genauer gesagt zur FDP-Fraktion, wo ich eine spannende Zeit als Fraktionsassistentin verbrachte. Von der Pressemitteilung bis zur flammenden Rede füllte ich viele Zeilen und konnte und mein Interesse für Gesundheits- und Sozialpolitik ausleben. Damit war es allerdings recht jäh vorbei, als die FDP aus der Bürgerschaft flog.

Im Nachhinein war auch dieser plötzliche Arbeitsplatzverlust eine interessante Erfahrung. Damals hieß es für mich aber erstmal neu anzufangen und einen Job in meinem bevorzugten Feld, der Sozial- und Gesundheitspolitik, zu suchen. Nach einer kurzen Station beim Deutschen Roten Kreuz Hamburg fand ich eine Stelle bei der Hamburger Landesvertretung des Verbands der Ersatzkassen (vdek). Dort verbrachte ich insgesamt sieben Jahre und kümmerte mich als Referatsleiterin um die Verträge und das Thema Pflege auf Landesebene.

Ganz konkret übernahm ich die Federführung bei den Honorarverhandlungen mit Ärzten, Zahnärzten und anderen Leistungserbringern für die Ersatzkassen. Und Mediziner sind nicht gerade als besonders nachgiebige Verhandler bekannt. Auch beim Thema Pflege wurde es gleich spannend: Hier stand die Umsetzung des neuen SGB XI an, das 1995 in Kraft trat und unter anderem die Pflegebedürftigkeit regelt. Als Referatsleiterin Pflege konnte ich dies für Hamburg von Anfang an mitgestalten. Bevor ich schließlich im Jahr 2001 zu meinem heutigen Arbeitgeber wechselte, verbrachte ich durch eine Abordnung ein Jahr im Bundesministerium für Gesundheit.

Im Jahr 2001 ging ich dann zur Techniker Krankenkasse – die mir durch die Arbeit für den vdek nicht völlig unbekannt war. In den mittlerweile nun 17 Jahren in diesem Unternehmen hatte ich mit jedem, wirklich jedem, Versorgungsbereich zu tun – von Arzneimitteln über Hilfsmittel, ärztliche und stationäre Versorgung bis hin zu Pflege. Hinzu kam eine stetig wachsende Personalverantwortung – und schließlich bestand mein „Team“ aus mehreren Servicezentren und Fachbereichen an unterschiedlichen Standorten und mehreren Tausend Mitarbeitern.

Meine wichtigste Erfahrung dabei war: Offenes, aber wertschätzendes Feedback macht zufrieden – dich selbst und andere. Im Gegensatz dazu äußert sich schlechte Führung auch dadurch, dass (meist unangenehme) Entscheidungen nicht getroffen werden oder beispielsweise (ebenfalls meist unangenehme aber notwendige) Feedbackgespräche nicht geführt werden. Und ganz wichtig: Die perfekte Führung gibt es nicht.

Als Frau an der Spitze eines Unternehmens wirst du immer wieder gefragt, wie du dorthin gekommen bist, ob es ein Erfolgsrezept gibt. Wir haben eine männliche Führungskultur, auf die viele Frauen keine Lust haben. Die ändert sich aber nur, wenn wir Frauen Führung übernehmen und an der Führungskultur aktiv teilhaben. Schon allein, weil es für eine solche Veränderung eine kritische Masse braucht, kann ich nur jeder interessierten Frau raten „mach es“. Manchmal kann es helfen, wenn man in bestimmten Situationen die Regeln dieser Führungskultur „mitspielt“ – das funktioniert aber nicht, wenn dabei die Authentizität verloren geht.

Rückblickend kann ich von mir behaupten, noch nie für ein Unternehmen oder eine Organisation tätig gewesen zu sein, die sich über Profite definiert. Das war mir immer wichtig. Der Sinn und Zweck dessen, was ich tue, war mir schon immer wichtig – auch wenn man öfter liest, es sei eine ‚Erfindung‘ der Generation Y, im Job Wert auf die Mission und das ‚große Ganze‘ zu legen. Das gilt auch in meiner jetzigen Aufgabe als Vorstand der Techniker Krankenkasse für die Bereiche Mitgliedschaft und Beiträge, Markt und Kunde sowie Personal. Meine Verantwortung liegt darin mit Blick auf das Gesamtunternehmen die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass unser Team erfolgreich arbeitet.


Service-Info: Mehr spannende Karrieregeschichten erfolgreicher Unternehmer, Gründer und Führungspersönlichkeiten finden Sie in unserer Serie „Mein Start“.

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