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Personalchefs aufgepasst: Das will die "Generation Y"

Generation Y Karriereziele

© JGI/Tom Grill / Getty Images

Bewerbung umgedreht: Unternehmen, die sich die besten Talente der „Generation Y“ sichern wollen, müssen sich anstrengen. Eine aktuelle Studie zeigt, wo besonders. 

Wer sich auf einen Job bewirbt, soll häufig eine lange Liste von Anforderungen erfüllen: Arbeitserfahrung, Mehrsprachigkeit und Flexibilität gehören selbstverständlich dazu. Aber mit der Generation Y (auch „Millennials“ genannt) wird in den nächsten Jahren eine Gruppe von Menschen den Arbeitsmarkt beherrschen, die ihre eigenen Ansprüche an das Berufsleben hat. Und die unterscheiden sich mitunter deutlich von denen bisheriger Arbeitnehmer.

Einer aktuellen Studie der ManpowerGroup zufolge werden im Jahr 2020 die heute 20- bis 34-Jährigen weltweit mehr als ein Drittel der Arbeitnehmer ausmachen. Somit gibt es auch für Unternehmen genügend Anreiz dafür, sich Gedanken zu machen, wie sie diese Gruppe für sich gewinnen und an sich binden können. „Die Generation Y nimmt potentielle Arbeitgeber genau unter die Lupe. Sowohl ein gutes Arbeitsklima mit netten Kollegen als auch die gesellschaftliche Sinnhaftigkeit der Arbeit ist ihnen sehr wichtig“, sagt Herwarth Brune, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland.

Für die Studie haben 19.000 berufstätige „Millennials“ der Geburtsjahrgänge 1982 bis 1996 in Interviews Auskunft gegeben zu ihren Ansprüchen an Arbeitsplatz, Entwicklungsmöglichkeiten und Arbeitgeber. Mit der Aussicht auf den Chefsessel, so eines der Ergebnisse der Untersuchung, können Firmen jedenfalls nur die wenigsten jungen Bewerber anlocken. 87 Prozent der Befragten in Deutschland gaben an, kein Interesse an Führungsverantwortung, einer Geschäftsführer-Position oder einer eigenen Firmengründung zu haben. Stattdessen ist eine gute Bezahlung nach wie vor das entscheidendste Kriterium für die Jobsuche. Direkt danach folgen jedoch Sicherheit, die für 87 Prozent der Befragten wichtig ist, und der Wunsch nach Urlaub und Freizeit (86 Prozent).

Ein fester Job für Jahrzehnte kommt für Millienials nicht mehr infrage

Mit Sicherheit meinen die meisten der jungen Arbeitnehmer jedoch nicht einen auf Jahrzehnte festen Job im selben Unternehmen. Vielmehr geht es ihnen darum, sich ihren persönlichen Weg in der Arbeitswelt zu sichern. Fast jeder Dritte sagt, Sicherheit bedeute für ihn, Fähigkeiten und Qualifikationen zu erlangen, die den Marktansprüchen genügten. Die Forscher sehen diesen Anspruch der Generation Y als einen Weg, auf dem verschiedene Arbeitsstellen als Stufen der Selbstoptimierung dienen. Der konkrete Arbeitsplatz verliert dadurch an Bedeutung.

Mara Swan, Expertin für Human Resources bei der ManpowerGroup, sagt: „Die Ergebnisse unserer Studie sowie unsere Erfahrung zeigen uns, dass sich die Welt der Millennials immer schneller entwickelt. Entsprechend erwarten sie eine vielseitige berufliche Entwicklung mit deutlich höherem Tempo. Sie wissen, dass sie sich kontinuierlich fortbilden müssen, um für den Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben – und zwar über ein deutlich längeres Arbeitsleben hinweg.“

Tatsächlich rechnen die heute 20- bis 34-Jährigen damit, wesentlich länger arbeiten zu müssen als die Generationen zuvor. Entsprechend verändern sich auch ihre Ansprüche an das Berufsleben. Die Untersuchung zeigt, dass in Deutschland 77 Prozent der „Millennials“ davon ausgehen, auch nach ihrem 65. Lebensjahr noch zu arbeiten. Jeder fünfte rechnet sogar damit, mit über 70 noch berufstätig zu sein. Neun Prozent glauben, bis an ihr Lebensende arbeiten zu müssen.

Dementsprechend wichtig ist es für viele, sich durch ihren Job auch langfristig für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren und gegebenenfalls auch für andere Berufsfelder attraktiv zu sein. Nahezu zwei Drittel der deutschen Befragten geben an, sich lebenslanges Lernen zu wünschen. Dafür sind sie auch bereit, Freizeit und eigenes Geld in Fortbildungen zu investieren.

„Wir können es uns nicht leisten, für die Generation Y nicht attraktiv zu sein“

Die veränderten Ansprüche der neuen Generation von Bewerbern wirken sich auch auf das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber aus. Unternehmen müssen sich neue Strategien einfallen lassen, um für potentielle Mitarbeiter ansprechend zu sein und vor allem auch über einen längeren Zeitraum zu bleiben. Mara Swan sagt dazu: „Wir können es uns nicht leisten, für die nächste Generation nicht attraktiv zu sein. Das Verhältnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer verändert sich. Arbeitgeber investieren immer weniger in Fachkräfteentwicklung und werden zunehmend zu Konsumenten von Arbeitsleistung.“

Herwath Brune rät Firmen, in Fortbildungen zu investieren und den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, das eigene Können und Wissen direkt im Rahmen der beruflichen Tätigkeit weiterzuentwickeln. Das sei eine sichere Methode, Unternehmen zu interessanten Arbeitgebern zu machen.

Wer als Unternehmen neue Wege gehen will, um Mitarbeiter an sich zu binden, sollte auch darüber nachdenken, firmenintern neue Arbeitsstrukturen zu schaffen. Viele Mitarbeiter wünschen sich, in verschiedenen Teams und in unterschiedlichen, zeitbezogenen Projekten beschäftigt zu werden. So können sie ihren Wunsch nach neuen Erfahrungen verwirklichen, ohne den Arbeitgeber wechseln zu müssen. Das bietet auch Chancen auf Selbstverwirklichung in unterschiedlichen Bereichen. Denn rund die Hälfte der befragten Millennials wäre bereit, den Arbeitsplatz aufzugeben, wenn sie selbst oder ihre Arbeit nicht genug geschätzt würden. Brune fasst zusammen: „Klar kommunizierte Karrierepfade, eine Kultur der Wertschätzung und die Fähigkeit, unterschiedliche Karriere- und Mobilitätsmodelle zu unterstützen, machen Arbeitgeber für Millennials attraktiv.“

Text: Antonia Thiele


Service-Info: Erfahren Sie die zehn typischen Eigenschaften der Generation Y, die viele Führungskräfte vor besondere Herausforderungen stellt. Coach und Buchautor Prof. Dr. Nils Schulenburg gibt Tipps, wie die Führung trotz generationenspezifischer Konflikte dennoch gelingt.
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