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Viel Geld, wenig Freizeit? Das bietet ein duales Studium

Ein duales Studium bringt definitiv Vorteile, aber auch Nachteile mit sich.

© JGI/Jamie Grill / Getty Images

Mit einem gesicherten Arbeitsplatz und ohne Bafög-Schulden ins Berufsleben starten: Das alles kann ein duales Studium ermöglichen. Doch Studierende sollten wissen, dass der Deal nicht nur Vorteile hat.

Dual studieren, das hört sich erst mal nach viel Stress und wenig Ferien an. Und doch entscheiden sich jedes Jahr mehr und mehr Abiturienten für das Modell. Denn nicht nur das Geld ist reizvoll – sondern auch der Praxisbezug.

«Dual bedeutet eine enge Verknüpfung zwischen Beruf und Studium», sagt Sigrun Nickel, Leiterin des Bereichs Hochschulforschung beim Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Typisch dafür ist, dass an mindestens zwei Orten gelernt wird: in der Hochschule und im Betrieb.

«Vor allem Fachrichtungen mit hohem Praxisanteil werden als duale Studiengänge angeboten», sagt Silvia Hofmann vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Neben den Bereichen Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Informatik, gibt es auch für Soziales, Pflege, Erziehung und Gesundheit immer mehr duale Angebote.

Bewerbung: Abiturnote spielt nicht die größte Rolle

Eine Entscheidung für ein duales Studium ist allerdings meistens auch eine Entscheidung gegen die Universität: Fachhochschulen, private Hochschulen und Akademien bieten das duale Studium an. An Universitäten gibt es sie nur vereinzelt. Das Bewerbungsverfahren läuft in zwei Stufen ab und beginnt mit der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Die Abiturnote spielt nicht die größte Rolle. Meistens entscheidet sich durch Assessmentcenter, Einstellungs-Tests und Gespräche bei den kooperierenden Unternehmen, wer einen Platz bekommt.

Durch diesen Bewerbungsprozess musste auch Kilian Hein durch: Für einen Studienplatz in Industriemanagement an der Europäischen Fachhochschule in Brühl bewarb er sich zunächst bei einem kooperierenden Ausbildungsbetrieb der Fachhochschule. Erst mit der Zusage des Unternehmens konnte er sich für den Studienplatz bewerben.

Gutes Zeitmanagement ist alles

Hein startete mit großen Erwartungen ins Studium: «Es hieß, man verdient direkt Geld und man wäre später attraktiver für Arbeitgeber.» Am Anfang brauchte er aber vor allem Durchhaltevermögen, Disziplin und gutes Zeitmanagement. Denn die Doppelbelastung durch Uni und Arbeit ist groß.

Die meisten dualen Studiengänge verfolgen dabei ein Blockmodell, bei dem sich Theorie und Praxis abwechseln. Die enge Verknüpfung hat Vorteile. «Durch die Arbeit im Unternehmen konnte ich mir alles besser vorstellen», sagt Hein. Allerdings bleibt dadurch auch weniger Freizeit, denn natürlich gibt es Klausuren und Abgabetermine. Nur in den Praxisphasen hatte Hein nach der Arbeit meistens frei.

Auch das Studentenleben ist anders: Wenn andere Semesterferien haben, müssen dual Studierende meistens arbeiten. Die Uni läuft außerdem oft mit einem eher straffen Zeitplan ab. «Ein duales Studium ist daher vor allem für diejenigen was, die eher praxisorientiert sind», sagt Sirikit Krone vom Institut Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen.

Studienabbruch kann teuer werden

Dafür bekommen dual Studierende über die gesamte Dauer des Studiums bereits ein Ausbildungsgehalt. Wie viel das ist, hängt von Studiengang, Branche und Unternehmen ab. Meist liegt es zwischen 500 Euro bis 1500 Euro brutto. «Oft werden davon die Unigebühren abgezogen», sagt Krone. Welche Kosten der Ausbildungsbetrieb übernimmt, ist nicht grundsätzlich geregelt. Deshalb ist es ratsam, schon vorab darauf zu achten und gegebenenfalls zu verhandeln.

Wenn das Unternehmen die Kosten für die Uni übernimmt, müssen die Studierenden sich häufig verpflichten, nach dem Abschluss eine bestimmte Zeit dort zu bleiben. Und oft gilt: Wer das Studium abbricht, muss die Studiengebühren zurückzahlen. Wer aber durchzieht, der wird mit guten Übernahmechancen belohnt. «Das Unternehmen will bedarfsgerecht hochqualifizierte Fachkräfte ausbilden und frühzeitig an sich binden», sagt Hofmann vom BIBB.

Ein höheres Einstiegsgehalt oder mehr Verantwortung können die Absolventen aber nicht erwarten. Die meisten, unabhängig vom Studienmodell, erhalten ein Bruttoeinkommen zwischen 2100 Euro und 4000 Euro.

Wünsche an den Arbeitgeber vertraglich festhalten

Kilian Hein hat die Uni selbst bezahlt und ein regelmäßiges Gehalt bekommen – auch während seines Auslandssemesters in Seoul, Südkorea. Der Auslandsaufenthalt war eine seiner Bedingungen an das Unternehmen. Auch solche Wünsche sollte man am besten vorher besprechen und vertraglich festhalten.

Kilian Hein hätte nach seinem Studium weiterhin bei seinem Ausbildungsbetrieb arbeiten können. Man bot ihm auch an, ein berufsbegleitendes Masterstudium anzuhängen. Doch er hat sich für einen anderen Weg entschieden: Im dualen Studium hat er sein technisches Interesse entdeckt und studiert nun im Bachelor Maschinenbau. Seinen Ausbildungsweg würde er aber immer wieder so wählen.

Text: Jule Zentek, dpa


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