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Bewerbungstipps für Berufseinsteiger (9): Überqualifiziert - und nun?

Viele junge Akademiker gelten beim Jobeinstieg als überqualifiziert

© SIphotography / Getty Images

Ein sehr guter Hochschulabschluss, aussagekräftige Zertifikate und beste Qualifikationen – was eigentlich optimale Voraussetzungen für eine gute Stelle sind, kann schnell auch das Gegenteil bewirken. Nämlich dann, wenn die Diagnose „überqualifiziert“ lautet, wie es vielen frischen Akademikern passiert.

Viele Berufseinsteiger kommen frisch von der Uni und finden dann keine Stelle. Ein großer Teil von ihnen bewirbt sich darum auf Jobs, für welche die jungen Leute eigentlich überqualifiziert sind. Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahre 2016 zeigen: Beinahe ein Viertel der deutschen Akademiker arbeitet unter seinen beruflichen Qualifikationen.

Doch ist es überhaupt sinnvoll, sich auf einen Job einzulassen, für den Sie eigentlich überqualifiziert sind? Und wie gehen Sie damit um, wenn der potenzielle Arbeitgeber Sie auf das Thema anspricht?

So schaffen Sie den Einstieg

Fakt ist: Eine Stelle, in der Sie gut sind, Ihre Fähigkeiten auf- und ausbauen und Erfahrungen sammeln können, ist immer eine Chance. Auch dann, wenn Sie aufgrund Ihres Studiums eigentlich überqualifiziert sind. Denn in der Regel verfügen Sie als junger Akademiker über wenig bis gar keine Berufserfahrung – der Job ist also ein Türöffner und erleichtert Ihnen die spätere Stellensuche. Denn selbst wenn Sie zunächst eine Stelle annehmen, die nicht genau zu Ihrem Ausbildungsprofil passt, ist Ihr Karriereweg damit nicht in Stein gemeißelt. Sie schaffen vielmehr den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Und das ist häufig Gold wert.

Allerdings sollten die Voraussetzungen stimmen, damit der erste Job tatsächlich zum Karrierebooster wird:

  • Sagt Ihnen das Tätigkeitsfeld zu? Ein Job, der einzig dem Broterwerb dient, macht meist auf die Dauer nicht glücklich. Überlegen Sie sich daher, ob Ihnen das Aufgabengebiet tatsächlich Spaß machen würde. Setzen Sie sich aus diesem Grund im Vorfeld Ihrer Bewerbung genau mit der Stellenbeschreibung auseinander.
  • Was können Sie in dem Job lernen? Auch wenn eine Stelle eigentlich unter Ihrem Qualifikationsniveau liegt, können Sie durch diese Tätigkeit häufig neue Skills und Kenntnisse erlangen. Erstellen Sie eine Liste der Benefits, die der jeweilige Job für Sie bereithalten würde und überlegen Sie, welche der neu zu lernenden Fähigkeiten Sie auch zukünftig beruflich voranbringen.
  • Wie sehen die Karrieremöglichkeiten im Unternehmen aus? Weil Zukunftsperspektiven im Berufsleben immer eine wichtige Rolle spielen, sollten Sie sich überlegen, ob es für Sie Aufstiegschancen innerhalb des Unternehmens gibt. Verschaffen Sie sich daher einen Überblick über die verschiedenen Stellen und Positionen, indem Sie sich gründlich mit dem Betrieb auseinandersetzen.

Doch auch, wenn Sie sich gut vorstellen können, für den Arbeitgeber tätig zu werden, ist es für Berufseinsteiger nicht immer einfach, Personaler davon zu überzeugen, dass sie die richtigen Kandidaten für die Stelle sind. Nehmen Sie sich daher viel Zeit für Ihre Bewerbung und setzen Sie sich kritisch mit den Inhalten Ihres Anschreibens und Ihren Formulierungen auseinander.

Dem „Überqualifiziert“-Urteil Praxis entgegensetzen

In jedem Fall ist es wichtig, dass Sie schon in Ihrer Bewerbung verdeutlichen, warum Sie die richtige Person für die Stelle sind. Suchen Sie gezielt nach Anknüpfungspunkten in Ihrem bisherigen Lebenslauf. Vielleicht haben Sie in einem Studentenjob ähnliche Aufgaben wahrgenommen, vielleicht sind Sie einem Ehrenamt nachgegangen, für welches Sie eben diese Fähigkeiten benötigt haben und das Ihnen viel Spaß gemacht hat.

Belegen Sie Ihre Erfahrungen bereits in Ihren Bewerbungsunterlagen und nennen Sie konkrete Beispiele. So signalisieren Sie Ihrem möglichen neuen Arbeitgeber, dass Sie ein wirkliches Interesse an der Stelle haben. Betonen Sie bewusst die Passagen in Ihrem Anschreiben, die nicht Ihre Überqualifikation, sondern Ihre Fähigkeiten in Bezug auf den Job in den Fokus stellen.

Wurden Sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, haben Sie eine erste wichtige Hürde genommen. Aber auch hier sollten Sie nichts dem Zufall überlassen und sich intensiv auf mögliche Fragen und Themen vorbereiten:

  • Das Gehalt: Viele Arbeitgeber scheuen es, vermeintlich überqualifizierte Bewerber einzustellen, weil sie zu hohe Gehaltsforderungen fürchten. Seien Sie also bereit dazu, dem Arbeitgeber ein wenig entgegenzukommen. Doch Achtung: Definieren Sie Ihre eigene Schmerzgrenze und lassen Sie sich nicht ausbeuten!
  • Ihre Anforderungen an die Stelle: Signalisieren Sie dem Arbeitgeber, dass Sie sich gründlich mit dem Stellenprofil auseinandergesetzt haben und dass Sie wissen, was auf Sie zukommen wird. So machen Sie deutlich, dass Sie keine zu hohen oder zu niedrigen Erwartungen an den Job mitbringen.
  • Lernbereitschaft zeigen: Machen Sie klar, dass Sie dazu bereit sind, zu lernen und neue Kenntnisse und Erfahrungen zu gewinnen.

Am wichtigsten ist es jedoch, dass Sie sich selbst wohlfühlen und dass Sie mit dem Plan B keine Kompromisse eingehen, die Sie hinterher bereuen.

Text: Daniela Lukaßen-Held


Service-Info: Mehr Tipps und wertvolle Informationen rund um das Thema Bewerbung und Berufseinstieg finden Sie in unserer großen Artikelserie zu diesem Thema.


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